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Ansätze für die Praxis

Aus den Ergebnissen der Museumsbefragung, die sich aus den verschiedenen Methoden ergeben, lassen sich bezogen auf die Einstellung zu Kunstmuseen grob drei Typen unterscheiden: Museumsinteressierte, Museumsneutrale und Museumsablehner. Die Häufigkeit der Museumsbesuche wurde in der repräsentativen Befragung nicht erhoben, daher lassen sich die drei Gruppen nicht exakt quantifizieren. Dennoch sind anhand der Antworten der Befragten Jugendlichen Relationen erkennbar.

Die Museumsinteressierten besuchen Kunstmuseen. Ihre Motive sind Interesse und Neugier.

Für die Museumsneutralen stehen andere Aktivitäten in ihrer Freizeit deutlichen mehr im Vordergrund als ein Museumsbesuch. Sie schließen jedoch Museumsbesuche nicht aus. Sie verknüpfen sie jedoch meist mit besonderen Anlässen wie Urlaube. Dabei interessieren sie sich vornehmlich für (kultur)historische Museen oder Themenausstellungen. Sie kennen sich nach eigener Einschätzung nicht gut mit Kunst aus und haben keine Verbindung zur Kunst, stehen aber einem Besuch von Kunstmuseen nicht grundsätzlich ablehnend, sondern eher neutral gegenüber. Sie gehören damit zu der Gruppe der Kunstfernen und könnten über eine spezielle Ansprache und besondere Angebote erreicht werden. Ein großer Teil der befragten Jugendlichen gehört meiner Einschätzung nach in diese Gruppe.

Museumsablehner besuchen keine Kunstmuseen, weil sie sich nicht für Kunst interessieren.

Anforderungen an ein Museum mit Jugendlichen

Im Folgenden werden Wünsche und Anforderungen an den Museumsbesuch beschrieben, die sich aus der Museumsbefragung der Jugendlichen heraus kristallisiert haben. Es geht um stärkere Orientierung an der Jugend und eine spezielle und individuelle Ansprache dieser.

Aus den Gruppendiskussionen ergeben sich Anhaltspunkte, wie Museumsbesuche für Jugendliche attraktiver gestaltet werden können. Interessanterweise hat die Studie ergeben, dass die Jugendlichen nicht spezielle für sie konzipierte Ausstellungen wünschen. „Nein, ich will nicht dass da was besonderes oder extra anderes Ausgestellt wird, das ist doch alles Kunst“, fasst eine Gymnasiastin (10. Klasse) zusammen.

Vielmehr ist es wichtig Voraussetzungen zu schaffen um die Jugendlichen an das komplexe Themenfeld heranzuführen, d. h. die Ausstellungsthemen jugendgerecht aufzubereiten und so einen Zugang zu schaffen. Damit ist nicht eine kunsthistorische Aufbereitung gemeint, sondern eine die weit darüber hinausgeht.

Der Museumsmitarbeiter sollte sich an dem Tempo und an den Interessen der Jugendlichen orientieren und ihnen die Gelegenheit geben, selbstbestimmt durch die Ausstellung zu gehen. Hilfreich sind auch Objekte die während der Führung begriffen werden können – Arbeitsmaterialien der Künstler zum Beispiel. Den Schülern sollte auch etwas mitgegeben werden wie Hefte, Postkarten, Plakate zur Ausstellung oder ihr eigenes Kunstwerk, das sie im Rahmen der Führung erstellt haben.

Jugendliche im Museum bewegen die Fragen und Zweifel wie: Warum ist das jetzt Kunst, und woran kann ich das erkennen? Wo ist der Unterschied zu den Kritzeleien von Kleinkindern? Was will der Künstler damit sagen? Schwierige Fragen, auf die es keine einfachen und keine „richtigen“ Antworten gibt. Beschäftigen Jugendliche sich nicht mit der Frage „Was ist Kunst?“, werden sie es mit großer Wahrscheinlichkeit im späteren Lebensalter auch nicht. Es besteht damit die Gefahr, dass sie (besonders abstrakte) Kunst aus Unkenntnis und mangels Beschäftigung mit dieser pauschal abwerten. Unabhängig vom Ausstellungthema ist es wichtig auch solche Frage in die Diskussionen beim Museumsbesuch aufzunehmen.

Kunst ist schön, das sagte bereits Karl Valentin, warum sollen Museumsbesuch dann nicht auch schön sein.

Wenn Museen Jugendliche als Besucher haben wollen, sollten sie das auch nach außen kommunizieren. Führungen sollten dabei nicht belehren und sich an den von Museumsmittarbeitern ausgewählten Objekten orientieren. Das gilt in gleicher Weise für monologische Führungen, bei denen konsequent Informationen weitergegeben werden, wie für dialogische Führungen, bei denen Schüler meist über gezielte Fragen eingebunden werden. Aufgelockert werden diese Führungen häufig durch praktische Arbeiten im Anschluss. Diese knüpft an die Lebenswelten der Schüler an.

Um den erhofften Interesse und Erkenntnisgewinn zu erhalten, sollte es dem Museumsmitarbeiter gelingen in der Führung mit den Jugendlichen in eine Dialog zu kommen. Dabei reicht es nicht allein aus durch dialogisches Führen über gezielte Fragen mit den Schülern ins Gespräch zu kommen, sondern viel mehr auf die individuellen Fragen und Wünsche der Schüler vor Ort einzugehen. Das Alter des Museumsmitarbeiters ist in diesem Zusammenhang unwichtig keiner der Schüler hat sich in seiner Kritik an Führung auf diesen Aspekt bezogen. Vielmehr muss es gelingen nicht zu viel zu reden, wie es in vielen klassischen monologischen Führungen, deren Ziel die Informationsweitergabe ist, meist noch der Fall ist.

Den Jugendlichen sollte auch die Möglichkeit gegeben werden alleine die Räume zu erkunden und sich mit von ihnen ausgewählten Objekten, die ihr Interesse wecken, zu beschäftigen. Das kann unter einer vorformulierten Fragestellung geschehen. Anschließend könnte den Schülern die Möglichkeit gegeben werden das von ihnen ausgewählte Kunstwerk vor der Klasse zu präsentieren. Die Aufgabe des Museumsmitarbeiters ist auf Fragen seitens der Schüler Antworten zu geben und im Anschluss an den Vortrag der Schüler eventuell mit Informationen das Gesagte zu ergänzen. Der Museumsmitarbeiter hat sich dementsprechend viel mehr als Gesprächspartner und nicht als Lehrmeister zu verstehen.

Solange Museumsmitarbeiter Jugendliche belehren und maßregeln, werden die innovativsten Konzepte scheitern. Die Museumsmitarbeiter sind dementsprechend einzuweisen, ansonsten sehe ich keine Möglichkeit einer noch so gut gemeinten Museumarbeit. Jugendliche müssen sich im Museum willkommen fühlen. Wer Jugendliche im Museum haben will, muss sich im Vorfeld der Konsequenzen bewusst sein und sich darauf einstellen.

 
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