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Kunstferne abholen

Jeder fünfte Befragte Hagener gab in der Telefonbefragung an, sich weniger oder überhaupt nicht für Kultur zu interessieren. Etwa ein Viertel hat die Hagener Museen und Ausstellungen noch nie besucht. Diese Menschen gehören zur Gruppe der Kunstfernen. Sie umfasst Menschen gleich welcher Altersgruppen, die das Gefühl haben, Kunst nicht (mehr) zu verstehen, die nie mit Kunst in Berührung gekommen sind und keine Beziehung zu Kunst haben.

Vor allem in Bezug auf das Emil Schumacher Museum war in den Interviews Ablehnung und Abneigung herauszuhören. Ausgehend von der vor allem durch die Schule geprägten Erwartung, jedes Bild eines Künstlers habe eine „Botschaft“ und wolle „etwas sagen“, stehen viele Menschen ratlos vor den Werken. Einige Menschen nehmen diese Ratlosigkeit mit Humor, andere werden fast wütend, andere stellen gleichgültig fest, dass sie damit nichts anfangen können. (Abstrakte) Kunst wird ihnen immer fern bleiben, so lange sie das Gefühl haben, vom Verständnis ausgeschlossen zu sein. Sie werden dann das Gezeigte pauschal ablehnen.

Eine museumspädagogische Strategie scheint daher angezeigt, die diese Schwierigkeit im Umgang mit moderner oder abstrakter Kunst offensiv thematisiert. „Ist das Kunst oder kann das weg?“ – auf diese provozierende Frage sollten Museen eine Antwort geben oder sich der Frage zumindest stellen – zum Beispiel in Führungen, Diskussionen oder zum Beispiel in der Tageszeitung, in der ein Kunsthistoriker aus dem Museum regelmäßig (Leser-)Fragen zu moderner Kunst beantworten könnte.

Mit neuen Angeboten locken

Die Ausstellung „Flacons – Haute Couture der Düfte“ hat es geschafft, mit einem für ein Kunstmuseum überraschenden und neuen Angebot eine neue Zielgruppe anzusprechen. Die Besucher dieser Schau waren jünger, überwiegend weiblich und formal geringer gebildet als der durchschnittliche Osthaus-Besucher. Das Ergebnis passt zu den Erkenntnissen der Kulturbefragung allgemein: Kulturgeschichtliche Ausstellungen locken die Menschen eher in Museum als Kunst. Wenn Exponate wie Parfüm-Flacons neue Zielgruppen fürs Kunstmuseum erschließen können, scheint die Verknüpfung und Verbindung von Kunst und Kulturgeschichte, möglichst sogar in einer Ausstellung, eine Erfolg versprechende Strategie zu sein.

Am Image arbeiten

Es reicht nicht aus, die museumspädagogischen oder inhaltlichen Angebote zu verbessern – die potentiellen Besucher der Museen müssen davon auch etwas bemerken. Besonders fürs Emil Schumacher Museum bzw. die Etablierung des Begriffs „Kunstquartier“ scheint eine Arbeit am Image angebracht. Nicht nur, dass das ESM von 44 Prozent der Hagener noch nicht besucht wurde und damit nach dem Hohenhof das am wenigsten besuchte Museum ist. Es leidet auch noch immer an den schwierigen Bedingungen seiner Entstehung und den negativen Schlagzeilen.

Inhaltlich verbindet der typische Hagener mit der Kunst Schumachers nicht viel mehr als abstrakte, moderne Malerei. Nur ein Bruchteil der Bevölkerung hat sich schon einmal mit dem abstrakten Expressionismus oder der Kunst des Informel, mit dem Leben und dem Werk Schumachers auseinander gesetzt. Daher könnte es hilfreich sein, offensiv jene Fragen und Zweifel aufgreifen, die die Hagener umtreiben (Warum ist das Kunst?). Die Image-Arbeit könnte die Rezeption seines Werks damals und heute ebenso thematisieren wie die Entstehung der Werke des Künstlers. Das Ziel könnte lauten, den Stolz der Hagener auf diesen Sohn der Stadt zu stärken bzw. zu schaffen und ein Allgemeinwissen dazu zu vermitteln.

 
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