Desktop-Version

Start arrow Kultur arrow Internationales Kulturmanagement

< Zurück   INHALT   Weiter >

Die Schülerin

Die 19 Jahre alte Befragte ist kaum museumserfahren; auch Schule oder Familie haben sie nicht in Berührung mit Kunst gebracht. Dementsprechend gibt es eine altersgemäße, dem Milieu geschuldete Unkenntnis, was Inhalte, Museen und Kunstrichtungen angeht: „Ich habe gar keine Ahnung mehr, wie ich mir so ein Museum vorstellen soll.“ Ihre Ablehnung ist von anderen übernommen: „Also wir haben hier ja auch dieses Museum. Und das ist Kunst, die ich echt merkwürdig finde. (...) Ich war ja noch nicht da, aber es gab Leute aus der Schule, die da waren. Das ist einfach ... heißt das abstrakt? Ich kann da einfach nichts hineinphantasieren. Die Leute aus der Schule haben gesagt, das war ganz schlimm.“

Die Befragte zeichnet selbst gern und interessiert sich für Street Art. Bei ihr bräuchte es einen positiven Erst-Kontakt, ein ansprechendes, möglichst sinnliches Erlebnis im Museum, um Museen für sie mit angenehmen Assoziationen zu verknüpfen.

Der Sinnliche

Der Befragte kommt aus der Friedensund New Age-Bewegung. Er engagiert(e) sich bei Greenpeace und den Grünen, dem Kinderschutzbund und ist sehr an Natur, Sport und Bewegung interessiert. Mit „Kultur“ verband er spontan anthropologische und interkulturelle Aspekte. Er bezeichnet sich als kunstinteressiert, besucht auch regelmäßig Ausstellungen oder Galerien, wobei er sich unabhängig von Kunstrichtungen für Wirkungen von Farbe und Licht interessiert. Besonders gefallen ihm Künstler wie Friedensreich Hundertwasser oder die surrealen Fantasy-Bilder des Werner Sahm.

Das Emil Schumacher Museum ist für ihn positiv besetzt: Er bezeichnet es als „schön angenehm hell, große Räume.“ Schumachers Ölbilder mit ihren „krassen, fetten Farben“ stehen für ihn in angenehmem Gegensatz zu den hellen Wänden und wirken dort „nicht aufdringlich“. Kunst, die laut und grell wirkt, die erdrückt oder „die Luft zum Atmen nimmt“, lehnt er ab. Für ihn ist es wichtig, sich mit den Künstlern und ihrer Geschichte sowie ihrem Werk zu beschäftigen. Er will gerne wissen, welche Idee der Künstler mit seinem Werk verfolgt.

Der Museumsbesuch ist für ihn im Idealfall eine sinnliche Erfahrung, er möchte die Werke gerne aus allen Perspektiven sehen, hören, fühlen und betrachtet den Museumsbesuch als eine Art Schule der Wahrnehmung. Als Negativbeispiel für einen Museumsbesuch nennt er die Amsterdamer Ausstellung von Madame Tussaud's: „Die Leute wurden durchgeschleust und total erdrückt, hinterher musste ich das zwei Stunden lang verarbeiten.“

Sehr gut gefällt ihm die Kinder-Etage im Emil Schumacher Museum: In hellen, freundlichen Räumen können die Kinder selbst kreativ werden und auch laut sein. Er selbst bewegt sich am liebsten angeleitet durch eine Ausstellung, doch der Führer darf keinen Vortrag halten, sondern sollte nach seinem Verständnis die Besucher dazu anregen, sich eigene Gedanken zu machen.

Der Befragte sieht sich als kritischer Geist, der sich Gedanken über seine Umgebung macht und seine Umwelt hinterfragt. Bezogen auf den Museumsbesuch bedeutet das, dass er mehr Interaktivität wünscht und gern einen Ansprechpartner hätte, der am Ende des Museumsbesuchs nach Gefallen oder Nichtgefallen fragt und Wünsche und Kritik aufnimmt.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics