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Der Alternative

Der Interviewte ist ein 29 Jahre alter gelernter Erzieher und Gärtner, zur Zeit arbeitssuchend.

Sein Kulturbegriff ist ausgesprochen weit, für ihn gehören auch Computerspiele und Kino dazu. In seiner Freizeit besucht er freie Kulturzentren und deren Veranstaltungen, meist Konzerte. Mainstream und Hochkultur lehnt er ab. Museen sind für ihn Einrichtungen der Elite („Bonzenmuseum“). Da er nur wenig Geld zur Verfügung hat, sind viele Veranstaltungen der Hochkultur für ihn auch zu teuer. An Kunst hat er durchaus Interesse und nennt speziell Popart sowie abstrakte Werke.

In seiner Auswahl der besuchten Veranstaltungen folgt er zumeist Tipps und Empfehlungen Bekannter. Das Emil Schumacher Museum hat er anlässlich der Eröffnungsfeier besucht, weil u.a. Nena und die Band Extrabreit auftraten. Außerdem ging er im Anschluss ans Interview in die Museen, angeregt durch das Gespräch über Kunst und Museen.

Der Alternative hat einige Vorurteile, die möglicherweise aufzubrechen sind, da eine generelle Offenheit und ein Interesse an Kultur und auch Kunst allgemein vorhanden sind. Was heute zum Beispiel im Emil Schumacher Museum hängt, war zur Zeit seiner Entstehung ebenfalls Avantgarde und in mancher Hinsicht Alternativkultur. Eine Ansprache mit diesem Kommunikationsziel könnte bei diesem Typus Wirkung zeigen.

Der Coole / Der Student

Der Interviewte (26) kommt aus Hagen und studiert in Dortmund. Seine Heimatstadt kommt ihm klein, eng, provinziell vor. „Ich mag Hagen nicht. Es ist schlimm zu sagen, aber … es ist zu klein. Und die Leute werden immer älter. Alle wollen hier weg.“ Zu seinem Selbstverständnis gehört die Orientierung am Großstädtischen und die Abwendung von der Heimatstadt. Institutionen und Freizeitangebote, die mit Hagen zusammenhängen, werden ebenfalls abgelehnt.

Der Befragte interessiert sich für moderne Kunst und nannte Dalí, Escher, den Street Art-Künstler Banksy sowie Popart als bevorzugte Stilrichtungen. Der Besuch von Museen oder Ausstellungen, auch Kunst-Ausstellungen, ist also nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Außerhalb von Besuchen mit der Schulklasse hat der Interviewte jedoch keinerlei Erfahrungen mit den Hagener Museen. Im Emil Schumacher Museum war er noch nicht und konnte mit dem Begriff „Kunstquartier“ auch nichts anfangen.

Er fühlt sich in einem Museum wohl, „wenn man gewisse Freiheiten hat. Wenn man sich normal benehmen kann. Nicht nur Schicky-Micky, sondern ein bisschen freiheitlicher. Nicht so ernst.“ Beim Betrachten der Kunstwerke hat er das Bedürfnis, auch darüber zu reden.

Zuletzt hat er – im Urlaub – das Sexmuseum und das Hanfmuseum in Amsterdam und Madame Tussaud's Wachsfigurenkabinett besucht. Da seine Vorurteile bzw. Ablehnung in Sachen Kunstmuseen größtenteils auf Unkenntnis beruhen, wäre es wichtig, zum Beispiel die internationale Bedeutung des Hageners Emil Schumachers hervorzuheben, um den Studenten trotz seiner Anti-HagenHaltung zu erreichen.

 
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