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Motive für den Besuch und Nicht-Besuch von Museen – Ergebnisse der Intensivinterviews

Zehn Teilnehmer an der Telefonbefragung wurden zu ausführlichen Intensivinterviews eingeladen. Während sich die Telefonbefragung um das Freizeitund Kulturverhalten in Hagen allgemein drehte, gab es in den Intensivinterviews einen klaren thematischen Schwerpunkt: Es ging um die persönliche Einstellung der Interviewten zu (Kunst-)Museen, um Motive für den Museumsbesuch und um Hinderungsgründe. Im Folgenden werden die Interviewten ausführlich beschrieben.

Der anspruchsvolle Kenner

Die Aussagen bzw. Einstellungen zweier Interviewter ähneln einander: Es handelt sich um einen 69-jährigen Ruheständler, der früher in leitender Position tätig war, sowie um einen 94-jährigen, geistig sehr regen Mann. Beide Interviewte sind sehr kulturinteressiert, informiert und antworten differenziert.

Der Ältere interessiert sich für Kunst bis zur Stilrichtung des Impressionismus. Mit den Stilrichtungen der Moderne hat er sich beschäftigt, findet sie aber weniger ansprechend („Von Picasso würde ich gern ein paar Bilder haben, aber ich würde sie nicht aufhängen.“) Der Jüngere ist ein Liebhaber der Expressionisten: „Rohlfs, Nolde. Ich bin häufiger in Seebüll gewesen, in der Stiftung von Emil Nolde.“

Museumsbesuche planen beide entlang ihrer kunsthistorischen Interessen. Der 94-Jährige sagt, er suche gezielt nach Höhepunkten im Ausstellungsprogramm: „Wir sind immer in Museen gegangen, die besonders waren. Also wenn es Höhepunkte sind, dann gehen wir hin“ (etwa das New Yorker Museum of Modern Art in der Nationalgalerie Berlin). Er kennt die Museen in der Region und ist/war stets informiert über deren Ausstellungsprogramm. Als negativ erlebt er Museumsbesuche, wenn die Ausstellungen zu voll sind oder die Beschriftung der Werke schlecht. Der 69-Jährige besucht von Kindheit an die Hagener Kunstmuseen und fährt noch heute regelmäßig in die NRW-Museen. Nach eigenen Angaben besucht er bis zu 20 Ausstellungen im Jahr.

Soziale Kontakte zu pflegen oder Bekannte zu treffen ist kein Motiv:

„Getroffen haben wir Bekannte genug im Museum, aber um sie zu treffen – deswegen sind wir nicht hingegangen.“ Als Motiv nennt der der Jüngere dagegen

„innere Erbauung“: „Da kann man dann richtig von zehren (...) da kann man noch tagelang reflektieren. Ich nehme auch jedes Mal einen Katalog mit, den ich kaufe.“

Der Ältere sieht das Emil Schumacher Museum kritisch: „Ich finde, dass sich Hagen da übernommen hat. Rein finanziell sowieso.“ Neben der finanziellen Belastung durch Bau und Unterhalt des Museums kritisiert er die getrennte Führung beider Häuser. „Wenn es ein vergrößertes Museum mit einem extra Raum für Schumacher geworden wäre – das hätte gereicht.“ Der Jüngere nennt die Verbindung beider Museen „glücklich“: „Das ist schon eine gelungene Sache. Das ist schon eine Investition – dass man sich bei der Stadt durchgerungen hat, obwohl sie pleite war. Das ist gut.“

Beide Interviewte sind aufgrund ihres Alters bzw. den Auswirkungen einiger Krankheiten in ihrer Mobilität eingeschränkt und können die Museen nur noch selten besuchen. Dass das Emil Schumacher Museum über einen Aufzug verfügt, ist für den Jüngeren ein großes Plus.

 
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