Desktop-Version

Start arrow Kultur arrow Internationales Kulturmanagement

< Zurück   INHALT   Weiter >

Die Kritisch-Anspruchsvollen

Unter den befragten Museumsbesuchern, also den Kulturaffinen, lässt sich eine Gruppe der Kritisch-Anspruchsvollen herauskristallisieren (n=105). Sie haben mindestens einer der folgenden Aussagen zugestimmt:

• Die Dauerausstellungen sind nicht interessant

• Die Wechselausstellungen bieten mir nichts Neues.

• Das Angebot (der Museen) ist nicht qualitativ hochwertig.

• Das Osthaus Museum hat mir weniger gut oder überhaupt nicht gut gefallen.

• Das Schumacher Museum hat mir weniger oder überhaupt nicht gut gefallen.

Die Kritisch-Anspruchsvollen sind überwiegend männlich und formal nicht höher gebildet als das Gesamtsample der Kulturaffinen. Es sind eher Auswärtige als Hagener, und sie sind jünger als das Gesamtsample: Jeder Vierte ist unter 40 Jahre alt.

Die Kritisch-Anspruchsvollen sind in allen Fragen kritischer: Sie finden eher, dass das kulturelle Angebot in Hagen nicht ausreicht, beurteilen die beiden Museen schlechter, finden die Dauerausstellungen weniger interessant, beurteilen das Angebot der Museen insgesamt schlechter, stehen dem Emil Schumacher Museum kritischer gegenüber und nennen häufiger die Eintrittspreise und mangelnde Abwechslung als Gründe, die Museen nicht häufiger zu besuchen (vgl. Grafik).

Jugend und Kultur – Ergebnisse der Gruppendiskussionen

Der Kulturbegriff der Jugendlichen

Wenn sie an Kultur denken – woran denken Jugendliche dann?

In einer ersten Phase nennen die Schülerinnen und Schüler stets Begriffe aus dem Bereich der Hochkultur, meist zunächst die Institutionen Museen und Theater. In einer zweiten Phase werden die Begriffe inhaltlicher, die Jugendlichen denken daran, was sie in den genannten Einrichtungen zu sehen bekommen. Die entsprechenden Begriffe lauten: Denkmal, alt, Gebäude, Ritter, Geschichte, Bilder, Kunst. Auch „Bergwerk“ und „Industriekultur“ wurden vergleichsweise häufig genannt.

Selten kommen die Schüler auf „Musik“, niemand nannte Literatur. Gerade auf jene kulturellen Aktivitäten, die die Jugendlichen mitunter selbst unternehmen, nennen sie nicht oder erst spät: lesen, tanzen, Musik hören, fotografieren. Zum einen nehmen sie diese Freizeitaktivitäten nicht als Kultur wahr. So verneinte ein Junge, der sich als Kino-Fan zu erkennen gab, nachdrücklich die Frage, ob Kinofilme auch Kultur seien, mit der Begründung, das sei eine Freizeitbeschäftigung. Ein anderer ergänzte: „Kino ist laut, da ist Action!“ Auf den Einwand, es gebe auch langweilige Filme, erwiderte ein Junge: „Ich würde auch nicht in Filme gehen, die mich bilden, die sind auch langweilig.“ Quer durch alle Schulformen definieren die Jugendlichen Kultur in Abgrenzung zum eigenen Leben.

Kultur ist für die Jugendlichen etwas, das sie eher weitgehend passiv konsumieren, über sich ergehen lassen. Das zeigt sich in den Antworten auf die Frage, welche Gefühle oder Verhaltensweisen sie mit Kultur verbinden. Häufig genannt wurden Begriffe wie „zuhören“, „ruhig sein“, „nachdenklich“. Im Gegensatz dazu stehen Begriffe wie „etwas unternehmen“ oder „aktiv sein“, die ebenfalls, aber weitaus seltener genannt wurden. Wenn sie an ein Kulturereignis denken, dann an eines, bei dem sie das Tempo nicht mit bestimmen können, das ihnen (meist gegen ihren Willen) vermittelt wird. Das kann zwar manchmal interessant sein und ist „mal etwas anderes“ – doch gefühlsmäßig sind die Jugendlichen weit weg.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics