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Ergänzungen zum Stand der Theoriebildung

Im Rahmen der Sichtung des theoretischen Forschungsstandes wurden einige Konfliktlinien der aktuellen stadtsoziologischen Diskussion herausgearbeitet. Von der hier vorgestellten Typologie und dem Abgleich der Untersuchungsergebnisse mit den von städtischer Seite initiierten Maßnahmen ausgehend ist es nun möglich, diese Uneinheitlichkeiten der Theoriebildung 'im Lichte der Daten' kritisch zu würdigen, indem empirisch begründet hinterfragt wird, ob und inwiefern welche hypothetischen Postulate als (vermutlich) zutreffend angesehen werden können und welche (vermutlich) zu erweitern, zu spezifizieren oder ggf. auch abzulehnen sind.

Die als zentral erachteten Unterschiede zwischen den Beschreibungsund Erklärungsangeboten werden im Folgenden zur Erinnerung nochmals wiederholt. Hierauf aufbauend werden dann auf Grundlage der eigenen empirischen Erkundungen Vorschläge unterbreitet bzw. Hypothesen formuliert, um die Widersprüche aufzulösen oder zumindest zu differenzieren.

Historizität vs. Relationalität

Ein Unterschied zwischen den theoretischen Beiträgen besteht in dem Stellenwert, der der Historizität einerseits und dem relationalen Gefüge, bezüglich dessen Städte zu betrachten sind, andererseits beigemessen wird. Während CHRISTMANN in erster Linie auf die historische Genese von Stadtkultur und städtischer Identität fokussiert, betont vor allem LÖW die Bedeutsamkeit des relationalen Gefüges, in dem die Städte untereinander stehen. Der Vorschlag IPSENS lässt sich als Mittelweg zwischen beiden Positionen verstehen.

Im Rahmen der Typologisierung der Identifikation mit der Stadt Hagen hat sich gezeigt, dass letztlich sowohl die Betrachtung des historischen Gewordenseins der Stadt als auch die Konstruktion des relationalen Gefüges, in dem die Stadt gesehen wird, von Bedeutung sind. Über diese versöhnliche Position des 'Sowohl-als-auch' hinaus gibt es allerdings durchaus Unterschiede hinsichtlich des Stellenwertes der Relationalität, also der Art und Weise des Hinzuziehens von Bezugsräumen bei Fragen der räumlichen Identifikation, gegenüber der Einordnung der Stadt in das historische Nacheinander. Dies deshalb, weil die Wahrnehmung der historischen Bedeutsamkeit einer/seiner Stadt zumeist voraussetzt, dass mehr oder weniger intendiert und oftmals mit einem gezielten Aufwand verbunden (historisches) Wissen erarbeitet werden muss. Der Abgleich der eigenen Stadt mit anderen Städten hingegen kann auf Grundlage alltäglicher Erfahrungen erfolgen und ist mit weniger Aufwand verbunden. Vor allem aber ist dieser Abgleich dann letztlich nicht bzw. weniger vom Bildungsgrad bzw. dem hierdurch indizierten intellektuellen Potential abhängig. Da die Typologie räumlicher Identifikation in Hagen gezeigt hat, dass zwischen den Typen der jeweilige Bildungsgrad ein wesentlicher Differenzierungsfaktor die Art der räumlichen Identifikation betreffen ist, so kann die Vermutung angestellt werden, dass für formal niedriger Gebildete die räumliche Relationalität der Stadt einen stärkeren – oder zumindest einen differenziert zu gewichtenden – Identifikationsprädikator darstellt, als die wissensbasierte Historizität der Stadt, während dies für formal höher Gebildete nicht der Fall ist. Der Stellenwert von Historizität und Relationalität (im Vergleich) wäre demnach an den formalen Bildungsgrad und das hierüber zu indizierende Reflexionspotential zu koppeln.

 
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