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Theoretische Rückbezüge und weiterführende Hypothesen

Neben dem praktischen Anwendungsbezug der Arbeit, ist es auch ein Ziel dieser Arbeit, auf rein innerwissenschaftlich-soziologischer Ebene punktuell Beiträge zur theoretischen Weiterentwicklung zu leisten. [1]

Ergänzungen zum Stand der Forschung

Es war ein Ergebnis der Rekapitulation des Forschungsstandes, dass einige Faktoren zur Beschreibung und Erklärung dessen, was räumliche Identifikation bewirkt, in ihrer Wirksamkeit Studien übergreifend nicht einheitlich eingeordnet wurden. Diesbezüglich haben sich hinsichtlich der soziostrukturellen Variablen des Alters und des Bildungsgrades sowie der Frage danach, ob Kinder im Haushalt leben, im Rahmen der eigenen empirischen Erkundungen weitergehende Einsichten ergeben. Diese werden im Folgenden genannt.

Studien übergreifend uneinheitliche Positionen

Die eigenen empirischen Arbeiten lassen den Schluss zu, dass das Alter für die konkrete Ausgestaltung der räumlichen Identifikation von Bedeutung ist. Dies nicht unbedingt in dem Sinne, wie HANS GEBHARDT U.A. dies bezüglich verschiedener Raumbezugsebenen angeben[2], sondern ganz grundsätzlich deshalb, weil die Typen sich indiziert über das typische Alter (bzw. eine Altersspanne) voneinander unterscheiden lassen. Beispielsweise ist der typische Regionalpatriot mittleren oder höheren Alters (gleiches gilt für den Verwurzelten), während der typische Mobile eher jüngeren oder mittleren Alters ist.

Letztlich scheint die Differenzierungskraft der Variable „Alter“ daran zu hängen, ob nur die verschiedenen Intensitätsgrade räumlicher Identifikation untersucht werden, oder die konkreten Ausformungen verschiedener Arten räumlicher Identifikation. Wenn die (qualitativen) Ausformungen untersucht werden, dann hat das Alter als Differenzierungsfaktor Gewicht; wenn die quantitativen Intensitätsgrade untersucht werden, vermutlich nicht.

Auf Grundlage der Typologie lassen sich Anhaltspunkte finden, die die Bedeutsamkeit des Merkmals „Bildungsgrad“ als Indikator für weitergehende Prozesse räumlicher Identifikation hervorheben. Insbesondere fußt die spezifische Ausprägung räumlicher Identifikation des Regionalpatrioten u.a. auf dessen Reflexionsniveau und -kompetenz. Diese Reflexionskompetenz wiederum lässt sich sehr gut durch den formalen Bildungsgrad indizieren und auch ansonsten ist auffällig, dass die Typen sich durch tendenziell verschieden hohe Bildungsgrade voneinander unterscheiden lassen. Es handelt sich hierbei z.B. gerade um einen der Unterscheidungsfaktoren zwischen dem Typus des Regionalpatrioten – der sich stark identifiziert – und dem des Nicht-Identifizierer – der sich nicht oder nur sehr schwach identifiziert – und der deshalb und weil die beiden Typen ansonsten häufige Überschneidungen offenbaren gut zur Beschreibung und Erklärung räumlicher Identifikation eignet.

Letztlich herrscht in der Forschung keine Einigkeit darüber, ob und inwiefern das Vorhandensein von Kindern im Haushalt die Prozesse räumlicher Identifikation beeinflussen. In der Typologie räumlicher Identifikation in Hagen bildet dieses Merkmal eine Kriterium, das interne Homogenität beim Typus des Nicht-Identifizierers herstellt. D.h., dass alle Fälle, die diesem Typus zugeordnet wurden, Kinder unter 19 Jahren im Haushalt leben haben. Mit GEBHARDT U.A. übereinstimmend kann auf Grundlage der eigenen Analysen davon ausgegangen werden, dass Kinder deswegen eine bedeutsamer Faktor räumlicher Identifikation sind, weil sie als Mobilitätsund Flexibilitätseinschränkung aufgefasst werden können. Hieraus hat sich aber vorliegend kein verstärkter Bezug auf das Stadtoder Wohnviertel ergeben, sondern hiermit geht eine negative Bezugnahme auf den Raum bzw. eine Nicht-Identifikation einher. Insofern kann – sicherlich auch durch weitere Umstände bedingt – davon ausgegangen werden, dass eben dieses Merkmal einen negativen Einfluss auf die räumliche Identifikation ausübt bzw. unter bestimmten Voraussetzungen ausüben kann.

  • [1] Aufgrund des methodischen Zuschnitts der Arbeit ist unbedingt darauf hinzuweisen, dass das Folgende in jeder Hinsicht zwar empirisch begründet, gleichsam aber nicht als – in empirisch-falsifikatorischem Sinne – gesichert gelten kann und dem entsprechend weitergehender empirischer Prüfung bedarf
  • [2] Demnach bezögen sich Jüngere eher auf die Gesamtstadt, während Ältere sich eher auf das direkte Wohnumfeld bzw. den Stadtteil bezögen
 
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