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Räumliche Identifikation und Kultur in Hagen als Gegenstände städtischer Inwertsetzung

Jasper Böing

Einleitung

Um Ansatzpunkte und Grenzen für eine Inwertsetzung der Stadt Hagen als kulturellem Erlebnisraum zu gewinnen, wurde die räumliche Identifikation in Hagen unter besonderer Berücksichtigung kultureller Aspekte untersucht. Im Zentrum der Untersuchung steht deswegen zunächst die forschungsleitende Fragestellung:

Wie und warum identifizieren sich die Bewohner Hagens (nicht) mit ihrer Stadt?

Dass diese Fragestellung im Zentrum des Interesses steht, impliziert, dass hiermit am Rande auch andere Fragen mit bearbeitet werden sollten und mussten. Dies ergibt sich aus der Interdependenz der verschiedenen Bedeutungsebenen räumlicher Identifikation. Insbesondere muss in diesem Zusammenhang immer auch berücksichtigt werden, wie die Bewohner die Stadt selbst identifizieren, welche Wesensund Besonderheiten also der Stadt selbst (und deren Bewohnern) zugeschrieben werden, was die Stadt auszeichnet und besonders macht und wie diese verschiedenen Bedeutungsebenen miteinander in Zusammenhang stehen.

Vorausgesetzt wurde bei dieser Fragestellung zudem eine Fokussierung auf kulturelle Aspekte – sowohl der Stadt, als auch der Bewohner. Es wird also nicht nur gefragt, wie und warum die Bewohner Hagens sich mit ihrer Stadt identifizieren, sondern diese Frage wird zugespitzt darauf, welche Bedeutung dem Aspekt des Kulturellen in diesem Zusammenhang zukommt.

Mit der Arbeit und den resultierenden Ergebnissen ist forschungsleitend ein praktischer Anwendungsbezug verbunden, der sich im Haupttitel der Arbeit niederschlägt. Die Ergebnisse der Erkundung der Modi räumlicher Identifikation dienen keinem Selbstzweck, sondern sie fungieren als Grundlage für die Inwertsetzungsüberlegungen. Sie sollen dazu genutzt werden können, die Stadt Hagen in bestimmtem Sinne, insbesondere für die Bewohner, aufzuwerten und deren Attraktivität zu steigern. Es ist beabsichtigt, auf soziologischer Basis mögliche Anknüpfungspunkte und Grenzen der Inwertsetzung Hagens als kulturellem Erlebnisraum aufzuzeigen. Hierbei handelt es sich nicht um konkrete Handlungsempfehlungen, sondern um sich aus der Empirie ergebende inhaltliche Ansätze zur Inwertsetzung. Zu diesem Zweck wird nach den Modi der räumlichen Identifikation in Hagen gefragt. Auf der ersten angegebenen Fragestellung aufbauend konnte anschließend die Frage untersucht werden:

Welche Ansatzpunkte lassen sich aus den empirischen Erkenntnissen zur räumlichen Identifikation in Hagen für eine Inwertsetzung der Stadt Hagen als kulturellem Erlebnisraum ableiten?

„Inwertsetzung“ bedeutet hierbei allgemein, gegebene Ressourcen und Potentiale, die bisher nicht oder nicht hinreichend genutzt wurden, im Hinblick auf ein zu bestimmendes Ziel einer Nutzung zugänglich zu machen. Auf die vorliegende Untersuchung bezogen bedeutet dies, Anknüpfungspunkte aufzuzeigen, insbesondere die kulturellen Ressourcen und Potentiale der Stadt Hagen im Hinblick darauf einer (besseren) Nutzung zugänglich zu machen, dass die Identifikation der Hagener mit ihrer Stadt ermöglicht, gefestigt oder gesteigert werden kann.

Um die Modi räumlicher Identifikation in Hagen zu erkunden, wurde eine empirisch begründete Typologie räumlicher Identifikation unter besonderer Berücksichtigung kultureller Aspekte in Hagen erstellt.

Die Datengrundlage dieser Typologie besteht aus 17 leitfadengestützten Interviews, die 2012 mit Hagenern geführt wurden. Aufgrund des Zuschnittes der Untersuchung als qualitativer Exploration und der damit einhergehenden Datengrundlage können die im Rahmen der Untersuchung erzielten Erkenntnisse keinen Anspruch auf gesicherte Generalisierbarkeit erheben. Gleichwohl können aber theoretisch und begrifflich gerahmte und empirisch begründete Vermutungen formuliert werden, die dann wiederum weitergehende Prüfungen ermöglichen und erforderlich machen.

Den Kern der Untersuchung stellt die empirische Untersuchung der räumlichen Identifikation Hagens zum gegenwärtigen Zeitpunkt dar.

Die sich aus der Typologie ergebenden Erkenntnisse wurden dann im Hinblick auf mögliche Folgerungen für die Stadtentwicklung diskutiert, um Ansatzpunkte und Grenzen der Inwertsetzung offen zu legen. Zudem wurden die Ergebnisse der Typologie im wissenschaftsinternen Zusammenhang dazu genutzt, einige der im Forschungsfeld der räumlichen Identifikation kursierenden Hypothesen, empirischen Erkenntnisse und theoretischen Positionen im Lichte der Daten zu reflektieren und so – neben dem praktischen Anwendungsbezug – einen Beitrag zur theoretischen Weiterentwicklung zu leisten.

 
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