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Kultur und Stadtentwicklung

Folgenden Fragen soll in diesem Abschnitt in der gebotenen Kürze nachgegangen werden:

• Welche Kultur und welche Kultureinrichtungen sind in diesem Zusammenhang heute gemeint?

• Von welcher Stadtentwicklung ist dabei die Rede?

• Welche Rolle kann die Ausrichtung eines Kulturhauptstadt Europas Programms spielen, welche Kulturentwicklungspläne?

Kultur und Kultureinrichtungen

Ausgelöst von den in den 1960erJahren beginnenden kulturpolitischen Veränderungen geht es für die Städte nicht mehr ausschließlich um Hochkultur und die allgemein bekannten Maßnahmen, einer breiteren Bevölkerung Zugang und dann auch Teilhabe zu ermöglichen.

Der erweiterte Kulturbegriff sorgt für kulturelle Vielfalt. Initiativen verfolgen das Ziel, Strukturen des Kunstund Kulturbetriebs neu zu definieren, was sich auch in neuartigen Einrichtungen und so manchem Festival niederschlägt.

Beispiele aus Österreich sind das bereits 1968 gegründete Avantgarde Festival „Steirischer Herbst“ oder „Wien modern“ (seit 1988). In Linz wurde die Neupositionierung von Kunst, Kultur und Gesellschaft in den 1970er Jahren nicht nur heiß diskutiert, sondern es gelang auch, sie zu realisieren: Mit Initiativen wie „Forum Design“, „Andere Avantgarde“, „ars electronica“ oder dem Themenkomplex „Freie Szene/Offene Räume“ wurden in einer europäischen Kleinstadt auch international relevante Impulse gesetzt, die nachhaltig auf den Kulturstandort Einfluss genommen haben[1] Spartenübergreifende Aktivitäten oder das Sichtbarmachen von Prozessen künstlerischer Produktion bestimmen die Programmatik häufig basisdemokratisch geführter „Kunstund Kulturhäuser“[2] oder „Kulturund Werkstättenhäuser“[3], die ab den 1980er Jahren in leer stehende Industriebauten, Schulen oder Geschäftslokale einziehen. Viele Städte investieren aber auch in neue Orte – Adaptierungen oder Neubauten – und reagieren mit neuen Förderrichtlinien und Begutachtungsverfahren für die Förderanträge auf die Entwicklung einer diversifizierten kulturellen Landschaft.

Die klassischen Einrichtungen der Hochkultur verlieren jedoch deswegen nicht an Bedeutung, auch wenn z.B. die Museen sich maßgeblich gewandelt haben, beginnend mit der Öffnung und der Reflexion und Revision ihrer Aufgaben, gibt es daneben die überkommenen bildungsbürgerlichen Ansprüche, auf die sich so manches Museum oder Theater gerne beruft – nicht zuletzt mit dem Hinweis auf den Kulturtourismus. Aber auch in diesem Segment – man denke an den Festivalund Eventtourismus – zeichnen sich Trends in Richtung Vielfalt von Kulturangeboten ab.

  • [1] Siehe dazu Rainer Zendron: “Linz – von der Industriestadt zur Kulturstadt? In: Konrad Becker, Martin Wassermair (Hrsg): “Phantom Kulturstadt. Texte zur Zukunft der Kulturpolitik II“, Wien 2009, Seite 40ff
  • [2] Z.B. das OK-Offenes Kulturhaus in Linz, 1989 im Gebäude der ehemaligen Ursulinenschule eröffnet. In dieser Kunstinstitution des Landes Oberösterreich wird ein experimentierfreudiges, offenes Konzept verfolgt. Junge internationale KünstlerInnen werden eingeladen im OK zu produzieren und auszustellen
  • [3] Z.B. das WUK 1981 in einer ehemaligen Lokomotivfabrik in Wien gegründet – ist eines der größten unabhängigen Kulturzentren Europas, Heimstätte für Musik, Performance/Tanz/Theater, Kinderkultur, bildende Kunst sowie für rund 150 autonom organisierte Gruppen und Einzelinitiativen sowie Träger von 13 arbeitsmarktpolitischen Bildungsund Beratungseinrichtungen
 
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