Desktop-Version

Start arrow Kultur arrow Internationales Kulturmanagement

< Zurück   INHALT   Weiter >

Sammeln

Das Sammeln kultureller und natürlicher Objekte geht bis in die Anfänge menschlicher Gesellschaften zurück. Die „Aneignung“ der Welt oder der Wunsch, die Zeit durch materielle Belege festzuhalten, sind nur einige Motive privaten Sammelns, die vielfach den Grundbestand heutiger Museen bilden. Ein Blick zu der Ethik, die die ICOM Richtlinien erwähnen muss aber immer geworfen werden.

Im Museum erfolgt das Sammeln zielgerichtet und dient der Erweiterung, Zusammenführung und Ergänzung der bestehenden Sammlungsbereiche. Ausgehend vom wissenschaftlichen Erkenntnisstand und den gesellschaftlichen Gegebenheiten sammelt das Museum Kulturgut, um es für die Nachwelt zu erhalten, zu erforschen bzw. vor dem Verfall oder der Vernichtung zu bewahren.

Die meisten Ethik-Codices fordern eine verbindliche Satzung, die vor allem auch die Sammlungspolitik definiert. Diese ist zwar immer wieder zu überprüfen und ggf. zu modifizieren, muss aber im Grundsatz auf lange Sicht angelegt sein. Die langfristige Sammlungspolitik geht allen eventuellen Vorlieben, auch wissenschaftlichen Spezialinteressen, der Museumsmitarbeiter vor. Im Gegensatz zum privaten Sammeln scheiden beim Sammeln des Museums alle Spekulationen um Wertsteigerung aus. Aus der Verpflichtung des Bewahrens resultiert, dass Erwerbungen immer eine Ergänzung der Sammlung auf lange Sicht bedeuten. Daraus ergibt sich auch, dass Erwerbungen nur vertretbar sind, wenn die sachgemäße Lagerung und Behandlung gewährleistet ist.

Grundsätzlich ist bei jeder Erwerbung – gleichgültig, ob durch Kauf, Stiftung oder Schenkung in die Sammlung gelangt – die Legalität des Erwerbs zu prüfen. Bei zweifelhafter Herkunft verbietet sich die Aufnahme in die Sammlung. In diesem Zusammenhang sind z. B. auch Denkmalund Bodendenkmalschutz, die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten, UNESCO-Konventionen, das Unidroit-Übereinkommen über gestohlene oder rechtswidrig ausgeführte Kulturgüter oder das Washingtoner Artenschutzabkommen zu beachten. Darüber hinaus haben verschiedene Fachverbände ihre Mitglieder durch Erklärungen und Codices zur Einhaltung ethischer Grundsätze verpflichtet.

Unrechtmäßig und unethisch sind Erwerbungen aus Diebesgut oder aus Raubgrabungen oder von illegal aus anderen Ländern eingeführten Objekten. Eher aus ethischen Gründen als aufgrund von Gesetzen betreiben Museen zunehmend Provenienzforschung: Damit soll sichergestellt werden, dass es sich bei Objekten in Museumsbesitz oder bei angebotenen Objekten nicht um kriegsbedingt verlagertes Kulturgut („Beutekunst“) oder um verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut, insbesondere aus jüdischem Besitz, handelt. Es besteht Konsens darüber, dass solche Objekte zurückzugeben sind, wenn ein nachweisbarer Besitzer oder Erbe bekannt ist bzw. ermittelt werden kann. Ein besonderes Problemfeld sind Objekte aus ehemaligen Kolonien, deren Erwerb in vielen Fällen ethisch nicht vertretbar war, oder Objekte, die schon vor sehr langer Zeit unter Umständen, die nach heutigen Maßstäben als unethisch angesehen würden, in die Museen kamen.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics