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100 Meine Tochter wird immer dünner – hat sie eine Essstörung?

An Anorexie (Magersucht) erkranken jährlich 0,5-1 Prozent der Kinder, die meisten im Alter zwischen 14 und 18. (Seit einigen Jahren sind vermehrt auch Jungen betroffen. Das Folgende gilt im Wesentlichen auch für sie, auch wenn hier der Fokus auf den Mädchen liegt.)

Erste Krankheitsanzeichen zeigen sich weniger beim Gewicht als an einem gesteigerten Interesse an Diäten und Inhaltsstoffen der Nahrung. Das Essverhalten wird immer komplizierter und wählerischer, Mahlzeiten werden ausgelassen. Gefährdet sind vor allem Mädchen, die hohe Erwartungen an sich stellen bzw. die hohen Erwartungen von Eltern im Besonderen und der Gesellschaft im Allgemeinen verinnerlicht haben. Ihr Selbstwertgefühl ist entsprechend gering, ihr Perfektionswahn dafür umso ausgeprägter.

Dass fast zwei Drittel aller Mädchen ein verzerrtes Körperbild haben, ist auch eine Folge der medialen Botschaften, wie eine Frau heute angeblich auszusehen hat. Jedes dritte Mädchen achtet aufs Essen, manchmal schon lange bevor sich die natürlichen Rundungen der Pubertät überhaupt zeigen.

Über 70 Prozent der Zwölfjährigen finden Aussehen und Styling «total» wichtig. Die intensive Auseinandersetzung mit sich und dem eigenen Körper ist eine Besonderheit der Pubertät. Doch manche Mädchen verbringen mehr Zeit vor dem Spiegel als mit Schularbeiten, Hobbys, Familie und Freunden.

Deshalb raten Psychologen: weg vom Spiegel, runter von der Waage. Statt sich mit ihrem Aussehen zu befassen, sollten Mädchen Gelegenheit haben, Verantwortung zu übernehmen und ihr kreatives, geistiges, soziales Potential zu entfalten. Vor allem aber müssen sie lernen, sich etwas zu erarbeiten und mit Hindernissen, Zurückweisungen und Enttäuschungen zurechtzukommen - mit anderen Worten, ein stabiles Selbstbewusstsein ausbilden. Nichts senkt besser das Risiko für die Entwicklung einer Essstörung!

Damit Mädchen lernen, mit (pubertärem) Stress in positiver Weise umzugehen, brauchen sie zuverlässige Methoden, um zur Ruhe zu kommen und zu entspannen. Yoga und Autogenes Training wirken sich positiv auf die Wahrnehmungsfähigkeit und die Konzentration aus und helfen, ein gesundes Körpergefühls zu entwickeln: Man akzeptiert, wer man physisch ist, und erhält genügend Raum in seinem Selbstbild, um Unregelmäßigkeiten, Unvollkommenheiten und Veränderungen zu ertragen. Auch Sport ist ein sehr gutes Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Er sorgt für einen verstärkten Muskelaufbau und modelliert sanft und gesund den Körper, man wird elastischer und energiegeladener. Wer sich bewegt, ist besser gelaunt und hat mehr Appetit.

Es wäre gut, wenn Mädchen wenigstens einmal im Jahr ein Timeout hätten, wo sie keine Zeit und Gelegenheit haben, sich im Spiegel zu betrachten. Vermutlich sind sie von einem Segeltörn in der eisigen Ostsee oder einer mehrtägigen Wanderung von Hütte zu Hütte erst mal weniger begeistert, im Nachhinein finden die meisten solche Erfahrungen aber super und berichten übereinstimmend, wie entlastend es ist, sich zur Abwechslung einmal nicht über ihr Gewicht und Klamotten zu unterhalten, sondern darüber, wie man Segel vertäut.

Es ist erwiesen, dass Mädchen umso unzufriedener mit sich und ihrem Aussehen sind, je öfter sie Sendungen wie «Germany’s Next Top Model» sehen und Fashionblogs oder -magazine lesen. Da sich das vermutlich nicht ganz verhindern lässt, kann man wenigstens darauf hinweisen, dass Fotomodelle und Schauspielerinnen einen hohen Preis für ihr Aussehen zahlen. Und dass Fotos grundsätzlich bearbeitet sind. Im wirklichen Leben sind die Abgebildeten kaum wiederzuerkennen.

 
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