Desktop-Version

Start arrow Pädagogik arrow Kinder erziehen

  • Increase font
  • Decrease font


<<   INHALT   >>

91 Wie helfe ich meinem Faulpelz?

Kinder sind nicht faul. Eigentlich. Sie können problemlos vier Stunden mit dem Skateboard «Ollis» üben oder Witze erzählen. Aber wenn die elterlichen «Sklaventreiber» mahnen, dass der Meerschweinchen-Käfig frisch eingestreut werden muss und im Gang offenbar eine Mega-Tüte Popcorn explodiert ist, rappelt sich der Nachwuchs in Slow-motion hoch. Dann muss er erst mal aufs Klo. Das kann dauern. Macht er sich schließlich ans Werk, seufzt und stöhnt er, als müsse er mit bloßen Händen in der ägyptischen Wüste nach Öl graben. Deshalb hier ein paar Tricks, wie der Faulpelz in die Puschen kommt:

Tempo drosseln und auf die innere Uhr hören. Auf die eigene und die seines Kindes. Kinder wollen schlafen, wenn sie müde sind, essen, wenn sie hungrig sind, spielen, lachen, träumen, wenn sie Lust dazu haben - nicht, wenn es in den Zeitplan der Erwachsenen passt. Wenn sie ständig unter Zeitdruck stehen, verlieren sie die Freude an den kleinen Dingen und schalten irgendwann ab. Mit Faulheit hat das nichts zu tun.

Interessante und anspruchsvolle Aufgaben verteilen. Faulpelze langweilen sich schnell. Immer nur Spielzeug in Kisten werfen ist in der Tat öde. Beim Wort «Bohrmaschine» hingegen kommen sie sofort in die Gänge. Selbstverständlich dürfen sie damit nicht allein hantieren, aber Schrauben zureichen ist auch wichtig, und mit der Hilfe eines Erwachsenen kann man ab einem gewissen Alter durchaus auch Löcher bohren.

Fähigkeiten richtig einschätzen. Zu hohe oder zu niedrige Erwartungen sind frustrierend und lösen Reaktionen aus, die leicht mit Desinteresse und Faulheit verwechselt werden.

Regelmäßig auftanken. Wenn Kinder hungrig, durstig oder unausgeschlafen sind, geht gar nichts mehr. Sechs- bis Siebenjährige brauchen täglich noch zehn Stunden Schlaf und 3000 Kalorien! Zwischendurch gesunde Snacks anbieten.

Lachen und Geselligkeit. Wenn Kinder länger als einen Nachmittag desinteressiert und lethargisch wirken, ist meistens was im Busch. Faulheit ist eine Möglichkeit, Leiden auszuweichen, die durch schulische oder familiäre Probleme verursacht wurden. Hier heißt es herauszufinden, was das Kind bedrückt, und eine heitere Atmosphäre schaffen. Lachen und Geselligkeit bringen auch den größten Faulpelz wieder auf Trab.

Keine Arbeit auf drängen, die total gegen den Strich geht. Das lässt sich nicht immer machen, aber wenn möglich sollte man berücksichtigen, dass auch Kinder bestimmte Vorlieben haben. Wenn der Faulpelz lieber Unkraut rupft als sein Zimmer aufräumt, kann man damit doch leben.

Keine Bevormundung und kritischen Bemerkungen. Die erzeugen das Gefühl, nicht kompetent zu sein. Irgendwann verhalten sich Kinder dann nach der Devise «wer nichts macht, macht nichts falsch». Kinder wollen die Arbeiten auf ihre Weise erledigen und für ihre Anstrengung gelobt werden. Auf Defizite weist man möglichst kurz und sachlich hin. So entwickelt der Faulpelz ein positives Selbstbild, und das ist der beste Motor überhaupt! Geht es nicht ohne klare Ansage, sorgt man für genaue Zielvorgaben und setzt ein zeitliches Limit: «Die Bücher für die Stadtbibliothek müssen bis Donnerstag zurückgebracht werden.» «Die Tränke im Meerschweinchenkäfig ist schmutzig. Du musst sie sofort sauber machen und auffüllen.»

 
<<   INHALT   >>

Related topics