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85 Sind Reisen wichtig für die Horizonterweiterung?

Für Kinder bringen Reisen herrliche Abenteuer- und Robinson-Erfahrungen, die ganz nebenbei oft ein lebenslanges Interesse an Geschichte, Geographie, Biologie oder Sprachen wecken können. Auf Reisen ist alles neu und fremd, sogar Eltern und Geschwister sind anders. Auf Reisen lernt man überdies Zusammenhalt und Verzicht, weil man nicht alles, was man vergessen hat und braucht, nachkaufen kann. Man muss improvisieren und mit Vorräten sparsam umgehen. Sich an fremden Orten einzuleben und einzurichten ist eine wichtige

Erfahrung, auch um sich später in der Welt zurechtzufinden.

Wenn man Cluburlaub in Antalya macht, ist das zwar auch eine andere Welt, aber eben eine reine Urlaubswelt. Kinder erleben dort vermutlich keine großen kulturellen Unterschiede zu ihrem sonstigen Leben. Reist man dagegen mit einem bayrischen Kind nach Föhr und macht eine Wanderung ins Watt, hat es einen Zugewinn über seine bisherigen Erlebnisgrenzen hinaus. Ähnlich ist es, wenn man Urlaub auf einem Campingplatz im Perigord macht, unter vielen französischen Familien. Dort kann ein Kind erleben, dass anders gesprochen und gefrühstückt wird, dass die Mahlzeiten zu anderen Zeiten eingenommen werden, dass man abends länger aufbleibt und die Kinder immer überallhin mitkommen.

Heimweh gehört mit zu den Erfahrungen des Reisens, die Sehnsucht nach dem eigenen Bett mit den Kuscheltieren, nach dem Garten mit der Hängematte. Ist man dann wieder zu Hause, sehen auch Kinder das Vertraute mit neuen Augen und genießen das Gewohnte mit einem kleinen inneren Abstand.

Für Kinder liegt das Fremde auch direkt vor der Haustür, in einem anderen Stadtviertel oder an einem schönen Platz in der näheren Umgebung. Um zu verreisen, braucht man also nicht unbedingt Auto, Bahn oder Flugzeug. Man kann in Bus oder Straßenbahn oder aufs Rad zu steigen und die heimische Umgebung erkunden. Es wäre doch schade, wenn man beispielsweise in Aachen lebt und ständig am Dom vorbei-, aber nie hineingeht und seinem Kind die Sage von dem Wolf erzählt, der dort steht.

Mit Kindern unter sechs sollte man generell lieber nach Mecklenburg-Vorpommern oder in die Karnischen Alpen als nach Neuseeland reisen. Lange Anreisen sind nur empfehlenswert, wenn man wenigstens drei Wochen bleibt. Nur dann können sich Kinder einer neuen Umgebung anpassen und haben wirklich etwas von der Reise.

Egal, wohin die Reise geht, Kinder wollen an den Vorbereitungen beteiligt sein, vom Kofferpacken bis zur Planung von Ausflügen. Es steigert die Vorfreude, wenn man sich gemeinsam vor der Abreise mit der Geschichte, der Sprache, den Essgewohnheiten und Traditionen der Reiseregion vertraut macht.

Was reiselustige Familien sonst noch unternehmen können? Mit ihrem Kind über das Fremde staunen. Im Atlas blättern. Von fremden Ländern, Menschen, Tieren erzählen. Mit dem Finger auf dem Globus verreisen. Auf einen Turm klettern und einen vertrauten Ort aus einer neuer Perspektive betrachten.

 
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