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84 Muss ich jede Kinderfrage beantworten?

«Wissen resultiert aus Fragen, Fragen sind das bedeutsamste intellektuelle Werkzeug, das Menschen zur Verfügung steht», sagt Neil Postman, der amerikanischer Medienexperte.

Zwischen zwei und drei Jahren lernen Kinder, die verschiedenen Funktionen von Sprache zu erfassen und anzuwenden: Sprache gibt kund («ich will ein Eis»), bildet etwas ab («das ist meine Puppe») und löst etwas aus («komm zu mir», «warum regnet es?»). In dieser Phase entwickeln sie eine große Leidenschaft für Fragen. Erstmals erleben die Kinder Sprache als Möglichkeit, Dinge zu klären und zu verstehen, und entdecken, dass Fragen ein Weg sind, ein Gespräch anzufangen und aufrechtzuerhalten. Jede Frage erweitert ihr Wissen und generiert eine neue Frage. Fragenstellen macht Kinder wirklich schlau, weil nichts besser ihre Aufmerksamkeit, Neugier und Kreativität trainiert.

Auch wenn es manchmal anstrengend und lästig ist, sollten Eltern Kinderfragen ernst nehmen und versuchen, darauf einzugehen. Hartnäckiges Nachfragen ist ein großartiges Training in Sachen Ausdauer, Willenskraft, Selbstbewusstsein und Zielstrebigkeit. Das monotone, durchaus auch nervige Wiederholen von «Waruhum?», ohne auf die Antwort zu achten, ist allerdings weniger Frage als Bitte um Aufmerksamkeit. Dann kann man sich auch mal aus dem Frage-Antwort-Kreisel lösen.

Ansonsten sollten Fragen kindgerecht und korrekt beantwortet werden. Darüber hinaus kann man auch schon Dreijährigen zeigen, wie und wo man selbständig nach Antworten suchen kann: zum Beispiel durch Beobachtung, auch in Bilder-, Tier- und Pflanzenbüchern. Mit Sechsjährigen kann man auch im Netz Erklärungen finden.

Beschäftigungen, die Kindern in der Frage-Phase besonderen Spaß machen, sind: Rätsel raten, Zoo- und Museumsbesuche und einfache Experimente mit Naturmaterialien.

 
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