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76 Ab wann sind gute Manieren wichtig?

Von Anfang an. Gute Manieren sind kein Selbstzweck, sondern untrennbar mit dem Respekt vor anderen verbunden. Es geht also letztlich nicht um die Form, sondern um das Einfühlungsvermögen. Es bildet sich nicht von selbst aus, sondern muss vorgelebt und geübt werden.

Sichere Umgangsformen sind eine gute Basis, um zu einem freundlichen, emotional stabilen Erwachsenen heranzuwachsen. Gute Manieren haben nämlich eine Echowirkung: Freundliche, einfühlsame, rücksichtsvolle Kinder werden von anderen freundlich aufgenommen. Das positive Feedback ermöglicht es ihnen, sich frei und sicher zu bewegen, unkompliziert mit anderen in Kontakt zu treten und Freundschaften zu schließen.

Kinder mit schlechten Umgangsformen stoßen dagegen häufig auf Ablehnung, sie werden oft kritisiert und in Auseinandersetzungen verwickelt. Um gute Gewohnheiten zu entwickeln, braucht es Zeit und Geduld. Am besten sagt man sich, dass keine böse Absicht dahintersteckt, wenn ein Kind «schon wieder» mit offenem Mund kaut, in der Nase bohrt oder mit den Fingern isst, sondern dass es einfach nur schrecklich vergesslich ist. Das hat eine für alle entspannende Wirkung.

Anstandsregeln werden leider oft in Form von Verboten ausgedrückt, effektiver ist es jedoch, wenn man sagt, was man will: «Benutze bitte Messer und Gabel.» «Nimm den Finger aus der Nase/die Hände aus den Hosentaschen.»

Hier ein paar grundsätzliche Benimm-Fragen:

Was ist, wenn man Gähnen, Niesen und Husten muss? Dann hält man die Hand bzw. ein Taschentuch vor Nase und Mund und wendet sich ab. Man gähnt nicht mit offenem Mund und putzt seine Nase möglichst geräuscharm.

Muss ich pünktlich sein? Ja. Möglichst immer. Verspätet man sich um mehr als zehn Minuten, gibt man Bescheid.

Muss man jedem Hallo sagen? Jeder, der ins Haus kommt, wird begrüßt, damit er sich willkommen fühlt. Erwachsenen, die man nicht so gut kennt, gibt man die Hand. Neben Hallo, Tschüss und Ciao sollte man auch die konventionellen Grußformeln kennen.

Darf man am Telefon Hallo sagen? Ja, dann nennt man seinen Namen, erklärt kurz, was man will oder erkundigt sich, was der Anrufer möchte.

Darf ich flüstern? In Gesellschaft gilt das als unhöflich. Wird man gefragt, spricht man deutlich. Es heißt übrigens «wie bitte?», nicht «was?».

Muss man immer Bitte, Danke und Entschuldigung sagen? Ja, damit zeigt man anderen seine Wertschätzung. Wenn jemand anderer einem einen Gefallen tut, der etwas länger dauert, schickt man eine Karte oder eine Mail. Für Geschenke und Einladungen bedankt man sich innerhalb von drei Tagen.

Muss man die Tür aufhalten? Ja. Nach Möglichkeit lässt man sie auch nicht dem Nachfolgenden ins Gesicht fallen, sondern hält sie auf, bis er sie erreicht hat.

Muss man in öffentlichen Verkehrsmitteln aufstehen? Wenn alte Menschen keinen Sitzplatz haben oder eine Mutter mit einem Baby stehen muss, wäre das schon nett, falls man nicht gerade selbst sehr müde ist. Die Füße gehören unter, nicht auf den Sitz. Man sitzt einigermaßen gerade und nicht mit weit gespreizten Beinen. Die Musik so einstellen, dass der Nachbar nicht mithören muss.

Umgangsformen in aller Kürze, die Kinder beim Schuleintritt beherrschen sollten:

  • * Bitte und danke sagen.
  • * Begrüßen, verabschieden, sich mit Namen vorstellen.
  • * Begrüßungs- und Abschiedsformeln kennen, nicht nur «Hallo» und «Tschüss».
  • * Die Hand geben. Kinder müssen und sollten auch nicht jeden umarmen und küssen! Das dient ihrem persönlichen Schutz.
  • * Sich entschuldigen, wenn man jemand im Gespräch oder bei einer Tätigkeit unterbrechen muss.
  • * Erwachsene, die nicht zur Familie und zum Freundeskreis gehören, siezen.
  • * Sich für Einladungen und Geschenke bedanken. Auch schriftlich. (Kinder, die noch nicht schreiben können, malen ein Bild.)
  • * Wissen, dass das Telefon kein Spielzeug ist. Man meldet sich mit

Namen und fragt, ob man etwas ausrichten kann.

  • * Fragen, bevor man etwas anfasst, was einem nicht gehört.
  • * Geliehene Dinge zurückzugeben. Sich entschuldigen, wenn man etwas kaputt gemacht hat.
  • * Anderen helfen oder etwas leihen. Auch dann, wenn sie nicht beste Freunde sind.
 
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