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68 Muss ich alles wissen, was mein Kind im Internet macht?

Früher gab es ein Telefon, und das stand in der Diele. Jeder in der Familie konnte mithören, wenn Freunde anriefen. Heute hat beinahe jedes Kind nicht nur ein eigenes Zimmer, sondern auch ein eigenes Handy und einen eigenen Computer mit Internetanschluss. Ein paar Zahlen:

Kinder zwischen vier und fünf Jahren haben zu 23 Prozent Computererfahrung. 14 Prozent finden sich schon im Internet zurecht.

Kindern ab sechs Jahren haben zu 80 Prozent einen Computerzugang und nutzen das Internet zu 74 Prozent (4,5 Millionen Kinder).

Von den Kindern ab zehn Jahren ist etwa jedes zweite fast täglich «online».

Während Eltern früher die Freunde und Klassenkameraden und deren Eltern kannten, pflegen Kinder heute eine Vielzahl von «medialen» Kontakten und Freundschaften, von denen ihre Eltern keinen blassen Schimmer haben. Das ist natürlich beunruhigend, und das dringende Bedürfnis, zu erfahren, mit wem bzw. womit sich ein

Kind da eigentlich stundenlang beschäftigt, mehr als verständlich.

Aber Kinder haben auch ein Recht auf eine Privatsphäre. Sie können nur lernen, sich autonom und vertrauenswürdig zu verhalten, wenn man sie nicht ständig kontrolliert, weder im Netz noch auf dem Handy. Kinder verlagern die Suche nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit gerade deshalb gern ins Netz, weil sie wissen, dass Eltern dort nicht so ohne weiteres reinschauen können. Nicht zuletzt sind die Kontrollmöglichkeiten begrenzt, zur Not wird eben beim Freund gesurft.

An dieser Stelle deshalb erst einmal Entwarnung: Über 60 Prozent der Dinge, die Kinder und Jugendliche ins Netz stellen, sind kreative Arbeiten, Songs, Witze, Zeichnungen, kleine Filme und Geschichten. Aber Achtung: Das, was man ins Netz stellt, bleibt dort - im Prinzip für immer. Eltern sollten sich einmal mit den Kindern gemeinsam die WaybackMachine anschauen. Das Internetarchiv speichert seit 1996 weltweit Ansichten und Information von allen auffindbaren Webseiten.

Nicht nur deshalb müssen Eltern allen minderjährigen Kindern hin und wieder über die Schulter schauen. Diese Aufsichtspflicht schreibt ihnen der Gesetzgeber nämlich vor. Sie sollten wissen, wo sich ihre Kinder im Netz bewegen, und klarmachen, dass sie von Zeit zu Zeit die Netzaktivitäten unangekündigt kontrollieren. Das ist auch notwendig, um bei Verdacht auf anstößige Inhalte und Cyber-Mobbing möglichst sofort reagieren zu können. Wenn Gefahr im Verzug ist, wendet man sich umgehend an den Jugendschutzbeauftragten des jeweiligen Netzbetreibers. Aber auch andere Fallstricke des weltweiten Netzes sollte man mit den Kindern besprechen, etwa wie man auf Belästigungen, Verletzung der Netiquette, unerwünschte Werbung oder elektronische Kettenbriefe reagiert.

Die größten Gefahren lauern beim Datenschutz, Persönlichkeitsrecht und Urheberrecht. Durch Datenmissbrauch können Kinder Opfer werden oder selbst, bewusst oder unbewusst, Persönlichkeitsrechte verletzen, etwa wenn sie ein Foto ins Netz stellen, auf dem sie mit Freunden zu sehen sind. Oft schmücken sich

Kinder auch mit Zitaten aus Massenmedien oder gruppieren in ihren Profilen Cartoons oder Musikgruppen um sich und reichen sie damit weiter. Für Kinder ist schwer nachvollziehbar, was daran problematisch sein soll, weil es ja alle machen. Doch Urheberrechtsverletzungen können unter Umständen sehr teuer werden, und die Eltern haften. Man kann gar nicht früh genug über diese Sachverhalte aufklären.

Kinder unter dreizehn dürfen soziale Netzwerke wie Facebook nicht nutzen; wenn sie es dennoch tun (Facebook kontrolliert die selbst gewählte Alterseinstellung nicht!), ist das allein deshalb problematisch, weil sie in aller Regel keine Sicherheitsvorkehrungen treffen. Kinder melden sich am besten von einem Elternteil begleitet an (wichtige Hilfestellungen bietet dolphinsecure.de).

Viele Kinder chatten gern; dagegen ist nichts einzuwenden, sofern sie sich in moderierten oder betreuten Chats aufhalten. Hier werden Beiträge erst veröffentlicht, nachdem sie ein Moderator geprüft hat, und sie können zumindest nachträglich gelöscht werden, wenn sie gegen die Regeln verstoßen. Jeder Chat sollte eine Ignore-Funktion haben, dann kann jemand, der einem lästig ist, einen nicht mehr anschreiben.

Für Kinder nicht empfehlenswert sind die bekannten «Instant Messengers» wie ICQ, Skype u.a. Hier gibt es keine Moderatoren, wenn auch zumindest ein «Ignorieren». Instant-Messenger-Nummern/Namen dürfen auf keinen Fall in Online-Communities veröffentlicht werden.

Insgesamt gilt: Eltern sollten gut über die Medienräume und ihre Möglichkeiten, Risiken und neuesten Entwicklungen informiert sein; dann zeigen Kinder eine höhere Bereitschaft, zuzuhören und Ratschläge zu befolgen.

 
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