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67 Games und Apps – leben Kinder heute in einer virtuellen Welt?

Für Kinder gibt es nicht zwei Welten. Sie erweitern nur ihr soziales Leben ins Netz und in die digitale Welt. Für viele Eltern ist das schwierig zu akzeptieren, weil sie das so nicht kennen. Bedenken, ob die Beschäftigung mit «neuen» Medien «gesund» ist, sind nichts

Neues. Der Dichter Matthias Claudius machte sich schon vor 250 Jahren Gedanken darüber, ob seine ständig schmökernden Söhne Johannes und Fritz nicht den Kontakt zum wirklichen Leben verlieren, sich die Augen verderben und ob Seele und Schulnoten Schaden nehmen würden. Auch damals haben Kinder zwischen Buchseiten gesucht, was sie heute in modernen Medien finden: Information, Wissen, Unterhaltung und manchmal auch Trost.

Seit der Erfindung von Buchdruck, Fotografie, Film und Fernsehen haben Medienerfahrungen den Lebensalltag mitgeprägt. Heute gibt es durch die vielen interaktiven Möglichkeiten eine neue, faszinierende Dimension der Wissensvermittlung und natürlich auch der Unterhaltung.

Um mediale Informationen oder Erfahrungen zu verarbeiten und sinnvoll zu nutzen, brauchen Kinder allerdings ganz besonders viele reale Tätigkeiten. Nur zuzuschauen, wie «virtuelle» Kinder am Bach spielen oder einen Drachen bauen, kann die Erfahrung Wasser und Drachenbauen nicht ersetzen, sondern im besten Fall dazu anregen, selbst tätig zu werden. Gefragt sind also aktive Eltern, die ihr Kind unterstützen, mediale Erfahrungen in die Realität umzusetzen.

Die Mediennutzung sollte immer nur eine Aktivität neben anderen sein, eingebettet in ein vielseitiges, anregendes Umfeld, das zum Lernen animiert, aber auch Faulenzen, Unterhaltung und Spaß zulässt. Das ist wichtiger als die Frage, wie lang genau sich ein Kind mit einem Computerspiel oder einer App beschäftigen darf.

Trotzdem sollte man Spielzeiten vereinbaren und darauf achten, dass sie eingehalten werden. Für Kinder von drei bis vier empfehlen Experten insgesamt 15 Min pro Tag «Screen-Time», das heißt also inklusive Fernsehen! Bei den Vier- bis Sechsjährigen nicht länger als insgesamt 30 Minuten (ausschließlich im Beisein eines Elternteils), für Grundschulkinder bis zwölf maximal 60 Minuten. Daran sollte man sich im Interesse seines Kindes halten, auch wenn man damit auf Widerstand stößt.

Viele Auseinandersetzungen um Computer und Spielkonsole rühren daher, dass die Geräte im Kinder- oder Arbeitszimmer stehen. Die Kinder ziehen sich zurück und spielen dann oft viel zu lange. Hier ein

Trick: Spielgeräte, egal ob Nintendo, Spielkonsole oder Tablet, an dem Platz aufstellen, wo am meisten los ist, zum Beispiel in der Küche. Und dann am besten noch den Ton ausschalten. Es hält die emotionale Temperatur erfreulich niedrig, wenn nichts kracht, dröhnt oder piepst. Außerdem halten Familiengespräche und die Katze, die nach der Milch jault, die reale Welt außerhalb des Bildschirms präsent. Und wenn Eltern, Freunde oder Geschwister im Vorübergehen sagen, «super, du hast Joshi, den Dino, besiegt», erfüllen diese Spiele sogar eine soziale Funktion.

Gefährlich wird es, wo die mediale Welt so attraktiv wird, dass sich ein Kind nur noch im Netz aufhält. Vor allem Onlinespiele sind Zeitfresser und oft auch vom ethischen Ambiente her eher fragwürdig. Wenn sich Kinder ins Netz zurückziehen, muss man der Sache nachgehen. Die Gründe liegen dann allerdings nicht in den Medien, sondern in der Realität, und müssen dort bearbeitet werden.

 
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