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62 Richtig Theater spielen – was ist so schön daran?

Theaterspielen macht nicht nur Spaß, sondern auch fantasievoll und einfühlsam. Es fördert Ausdrucksvermögen und Teamgeist und ist nicht nur für schüchterne, unsichere Kinder eine tolle Gelegenheit, selbstbewusste, starke Auftritte zu trainieren. Man darf dabei richtig über die Stränge schlagen. Man darf gemein sein, mit Ausdrücken um sich werfen und handfeste Auseinandersetzungen vom Zaun brechen. Und mit Geschlechtszugehörigkeiten spielen: mal ist man Räuber, mal «feine Dame».

Für Kinder heißt Theaterspielen, sich zu verkleiden und so zu tun, als sei man eine andere Person. Dann gesellen sich andere Personen dazu, es passiert etwas, und danach ist alles vorbei. Das Publikum applaudiert (wichtig, man braucht mindestens einen Onkel oder Opa!). Im Prinzip funktioniert das so auch auf der richtigen Bühne.

Natürlich braucht man ein Handlungsgerüst: Welche Personen spielen mit? Gibt es in dem Stück Gute und Böse? Wie verhalten sie sich? Klug, ängstlich, gemein? Wo befinden sich die Personen am Anfang, wo gehen sie hin? Haben sie ein Problem? Wer ist schuld daran? Wie versuchen sie, es zu lösen? Wer hilft ihnen? Was passiert zum Schluss?

Je nach Wetter kann man die Bühne drinnen oder draußen aufbauen. Ideal ist eine Bühne mit Tür, durch die die Schauspieler auf- und abtreten können. Im Gang oder Zimmer dahinter deponiert man Kostüme und Requisiten. Für einen Nebenraum kann man auch den hinteren Teil der Bühne abtrennen, in dem man eine Schnur spannt und ein Laken als Sichtschutz darüberhängt. Sobald das Stück und die Rollen feststehen, macht man eine Liste der benötigten Möbel und Gegenstände. Nicht zu viele oder sperrige Requisiten auswählen, damit das Aufstellen und Abräumen bei der Aufführung wie am Schnürchen klappt. Nun die zur Rolle passenden Kostüme aussuchen. Die Prinzessin trägt ein helles, langes Kleid und Krone, der Räuber Hut und Bart. Und der Erbschleicher steckt in einem Sakko und hat glatt nach hinten gegeltes Haar. Geschminkt wird mit Faschings- oder Theaterschminke. Normales Make-up ist nicht ausdrucksstark genug.

Schauspieler müssen sich auch ausdrucksstark bewegen. Besonders beliebt: der Bühnenkampf. Damit niemand verletzt wird, braucht man viel Körperbeherrschung und Geschicklichkeit. Zuerst trainiert man Zweikämpfe. Massenschlägereien ä la Bud Spencer & Terence Hill hebt man sich für später auf.

Boxen: Fäuste ballen, mit einer Faust ausholen und auf den Gegner zielen. Bevor man den anderen berührt, den Schlag abstoppen und sich gleichzeitig mit der anderen Faust selbst gegen das Schlüsselbein schlagen.

Ohrfeigen: Kräftig ausholen, kurz vor der Wange abstoppen und dabei laut «paff» rufen. (Oder das Opfer jault «autsch!») Immer auf die Wange, die vom Publikum abgewandt ist, zielen, damit die Zuschauer den Trick nicht sehen.

Irgendwann geht einer zu Boden. Auch das muss man üben: Langsam auf die Knie gehen und seitwärts hinsetzen. Jetzt die eine Hand ans Herz drücken. Mit der anderen stützt man sich ab und schiebt dann den Unterarm vor, bis Arm, Oberkörper und Beine ausgestreckt sind. Dann den Kopf auf die Schulter sinken lassen.

Jetzt braucht es noch Geräusche, am besten live selber machen. Donner: Mit einem großen Stück dünnem Blech die Luft fächeln. Rascheln und knisterndes Feuer: Zeitungs- oder Backpapier zusammenknäulen. Pferdegetrappel: Mit zwei leeren Plastikbechern, offene Seite unten, rhythmisch auf den Tisch trommeln. Regen: Butterbrotpapier mit einem Gummiring über ein leeres Glas spannen und darauf Reisekörner rieseln lassen. Gespensterstimmung: Langsam in die Öffnung einer dickbauchigen, leeren Flasche blasen. Metallketten schütteln.

Vorhang auf: Applaus!

 
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