Desktop-Version

Start arrow Pädagogik arrow Kinder erziehen

  • Increase font
  • Decrease font


<<   INHALT   >>

55 Wie finde ich das richtige Spielzeug?

Gutes Spielzeug entspricht den alterstypischen Spielbedürfnissen und macht Kindern lange Freude. Es ist anregend, vielseitig, herausfordernd und regt zum Ausprobieren, Nachdenken, Diskutieren und Lachen an. Soweit die Theorie. In der Realität waten Eltern knietief durch einen Berg von zerbrochenen Plastikbeinen, zerquetschten Farbstiften, halbfertigen Modellwindmühlen und funktionsuntüchtigen Puppenkühlschränken, um ein übel gelauntes Kind aufzumuntern, das schrecklich gelangweilt ist, weil es nichts zum Spielen hat.

Wie lässt sich das verhindern? Indem man versucht, die Welt mit den Augen seines Kindes zu sehen, um herauszufinden, was ein Kind neugierig macht und zum Träumen, Lachen und Nachdenken bringt. Liebt es Geheimnisse? Dann begeistert es sich vielleicht für einen Zauberkasten, eine Schneekugel mit Märchenmotiv oder eine Schatzkiste, natürlich mit Schlüssel. Ist das Kind dynamisch und risikofreudig? Dann springt es vielleicht auf eine Slackline oder ein Diabolo an. Oft werden auch ganz einfache Dinge, die Kinder selbst entdecken, zu Lieblingsspielsachen. Eine Kiste mit alten Knöpfen oder Münzen, Opas Reiseschreibmaschine oder das ausrangierte Rollbrett im Keller.

Muss Spielzeug pädagogisch wertvoll sein? Nein. Unlängst hat der simple Holzstock den Weg in die US National Toy Hall of Fame gefunden. Bekanntlich wird er bevorzugt als Ritterschwert und Laser-Säbel in Star Wars-Kämpfen eingesetzt und ist damit alles andere als «politisch korrekt». So wenig, wie im Kinderzimmer ausschließlich Plastikmonster und elektronischer Schnick-Schnack zu finden sein sollten, so wenig muss alles «bio» und pädagogisch wertvoll sein. Spielen ist etwas höchst Individuelles, «pädagogisch-wertvoll» somit alles, womit ein Kind oft und gern spielt. Mit einer Einschränkung: bei Video- und Computerspielen.

Für Drei- bis Fünfjährige Für draußen genügen ein einfacher, fahrbarer Untersatz, (Drei-)Rad, Roller, Tretauto, Schlitten oder Leiterwagen. Dazu Ball, Schaufel und Eimer, um die Schätze, die man unterwegs findet, nach Hause zu tragen. Und Spielsachen zum Toben - zum Beispiel eine Kunststoff-Schale, mit der man drinnen und draußen, im Schnee und im Wasser schaukeln, kreiseln, balancieren und verstecken spielen kann.

Für drinnen zwei, drei Kuscheltiere, Puppe, Spielfiguren, Hand- und Fingerpuppen, Autos und Bagger, die beladen werden können. Formen aus Holz und Plastik (Kinder mischen gern). Einfache Alltagsgegenstände in Kindergröße wie Kochtöpfe oder Kehrschaufel und Besen. Kaufmannsladen. Spielfiguren mit Zubehör. Bücher zum Anschauen, Vorlesen und für erste Selbstleseversuche.

Für Sechs- bis Achtjährige Anspruchsvolle Bausätze, einfache Versuchskästen, Werkzeugkasten. Mal- und Zeichenutensilien. Buntes Papier, Schere, Kleber. Origami. Würfel, Karten- und Gesellschaftsspiele, bei denen gezählt und gerechnet werden muss, wie «Monopoly» oder «Siebzehn und vier».

Spielzeug, mit dem man draußen Spaß haben kann: Drachen zum selbst Zusammenbauen, großer Fallschirm, an den man etwas dranhängen kann. Fußball, Kegel, Bocciakugeln, Rad und Schlittschuhe. Sachbücher mit großformatigen Abbildungen zu verschiedenen Themen. Spannende Bücher, Krimis, fremdsprachige Bücher.

Für Neun- bis Zwölfjährige Anspruchsvolle Bausätze, Experimentierkästen und Sachbücher. Ein Zauberkasten. Material zum Bauen, Nähen, Schmuck herstellen, Töpfern etc. Ein Computer mit Textverarbeitung und gleicher Software, wie sie in der Schule verwendet wird. Elektronisches Spielzeug in überschaubarer Menge. Gute Computer- und Videospiele, die man auch zu zweit oder zu dritt spielen kann. Spielzeug, das Kinder in Gruppen nach draußen lockt, etwa Slacklining; dabei wird zwischen zwei Bäumen oder Pfosten ein Gurtband zum Balancieren gespannt. Oder Bouldern: Geklettert wird in Absprunghöhe an natürlichen Felsblöcken oder -wänden oder in Kletterhallen ohne technische Hilfsmittel. Ansonsten Einrad, Devilsticks, Diabolo, Astrojax, Yo-Yo, Bumerang.

Für Elf- bis Vierzehnjährige Bücher: Klassiker, Bestseller, Krimis, Sachbücher. «Welt-Musik», also nicht nur Pop, Techno, Rap und Hip Hop.

Anspruchsvolle Computer- und Geschicklichkeitsspiele wie Dice Stacking, bei dem kleine unberechenbare Würfel innerhalb eines Bechers gestapelt werden müssen. Sportliches Spielzeug: Poi

Swinging, ein Sport- und Artistikgerät, dessen Kopf per Zentripetalkraft in schnelle Flugbahnen gelenkt wird. In Deutschland ist der Poi bisher vor allem in der Techno-Szene bekannt.

Schwinglieren, eine Bewegungskunst mit Keulen, Stäben, Tüchern, die Jonglieren und Schwingen verbindet.

Grundsätzlich sollte man eher zu Spielsachen für Jungen greifen. Die sind zwar durchschnittlich teurer als Mädchen-Spielsachen, dafür aber variationsreicher und aktivierender. Im Übrigen gilt: Weniger ist mehr. Kein Kind braucht dreißig Stofftiere oder fünfzig Autos. Lieber tauscht man mal etwas aus. Tipp: Alles, womit ein Kind schon länger nicht mehr spielt, verstaut man in einer Kiste, und diese in Keller, Kammer oder Garage. Manches wird wieder spannend, wenn man es nach ein paar Monaten noch einmal hervorholt.

Da erfahrungsgemäß ständig neuer Junk ins Kinderzimmer strömt, durchforstet man das Spielzeug am besten alle drei Monate, sortiert Einzelteile in Baukasten, Burgbefestigungen, Puppenzubehör etc. und entsorgt, was das Kind nicht mehr braucht - möglichst ohne die Umwelt über Gebühr zu belasten. Flohmarkt ist eine Idee, wobei man hier oft auf Bekannte trifft, die versuchen, den gleichen Kram loszuwerden wie man selbst. Ist das Spielzeug in gutem Zustand und sauber, dann wäre Verschenken eine sehr gute Idee.

 
<<   INHALT   >>

Related topics