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52 Was brauchen Jungen ganz besonders?

Gelassenheit. Bis ins junge Erwachsenenalter tun sich Jungen mit emotionaler Selbstregulierung oft schwer. Reagiert man darauf mit Reglementierungen, verstärken sich problematische Verhaltensweisen in aller Regel. Besser bekommen ihnen gelassene, freundliche Reaktionen, wo sie zur Ruhe kommen und über sich nachdenkenkönnen. Sehr männlich auftretende Jungen profitieren besonders von Geduld, Trost, Fürsorge und Unterstützung. Umgekehrt schadet jede Form von Gewalt, Drohungen, barschen Befehlen oder «Kleinmachen» gerade aggressiven Jungen besonders.

Empathie. Einfühlsamen, intelligenten Erziehern und Lehrern kann es gelingen, Konflikte, Lebhaftigkeit und Aggressionen zu bändigen. Untersuchungen zeigen, dass Jungen, die bereits in Kindergarten und Grundschule erfolgreich eingebunden werden, später weniger Probleme haben als die, bei denen das nicht geklappt hat. Geht es in einer Gruppe drüber und drunter, sollte man rasch eine Alternative suchen.

Ansporn. Von klein auf sollten Jungen eine positive Haltung gegenüber Anstrengung und Lernen erleben. Jungen brauchen die Botschaft: «Auch wenn du begabt bist, fällt dir nicht alles zu. Es schadet deiner Autonomie nicht, wenn du dich anstrengst.»

Caring. Gelegenheiten, wo fürsorgliches Verhalten gefragt ist, sollten für Jungen bewusst geschaffen werden (Mädchen suchen sie sich von allein): beim Fußballspielen mit Jüngeren, bei der Pflege eines Haustiers, beim Babysitten.

Fingerarbeit. Viele Jungen sind feinmotorisch ungeschickt. Die beste Gegenmaßnahme sind hin und wieder Bastelarbeiten und von klein auf regelmäßige Mithilfe im Haushalt: Gemüse schnipseln, Kochzutaten abmessen, Bügeln, Nähen und Ähnliches. Damit stärkt man gleich auch noch ihre fürsorgliche Ader.

Aufwärmzeit: In der Gruppe fällt es vielen Jungen leichter, wenn sie anfangs für sich sein dürfen und erst später, wenn sie selbst entscheiden, dass sie so weit sind, an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen.

Gewaltlosigkeit: Jungen sollten weder Zeuge von realer noch von medialer Gewalt werden. Eltern müssen ein Auge darauf haben, welche Filme, Videos und Musik konsumiert werden, auch wenn der Sohn bereits ein Teenager ist.

Doppelleben: Jungen sollten sich in der Öffentlichkeit so verhalten dürfen, wie es (angeblich) alle Jungen tun, und im geschützten Rahmen der Familie ihre weiche Seite zeigen. Den morgendlichen

Abschiedskuss kann man ja schon zu Hause austauschen.

Gespräche ohne Augenkontakt: Jungen öffnen sich leichter und sprechen mehr, wenn man ihnen nicht gegenübersitzt, sondern mit ihnen gemeinsam etwas unternimmt. Eine Autofahrt ist eine gute Gelegenheit, miteinander zu reden.

Lachen: Jungen brauchen viele Gelegenheiten zum Blödeln, Scherzen, Witze erzählen. Auch das ist eine Art der verbalen Kommunikation.

Risikoabwägung: Jungen verhalten sich oft sehr risikofreudig, weil sie glauben, dass sie sich nicht wehtun können. Verbote bringen da wenig. Besser, man klärt sachlich und kurz über mögliche Gefahren auf. So lernen Jungen nachzudenken.

Bewegung: Jungen brauchen täglich einen «Raum», möglichst draußen, wo sie unter sich bleiben und ungestört spielen dürfen. In Großstädten ist das nicht so leicht zu finden, aber wenn sich Eltern zusammenschließen, lässt sich vielleicht ein unbebautes Gelände in der Nachbarschaft zurückerobern. Da sich viele Jungen am liebsten in gleichgeschlechtlichen Gruppen bewegen, sollten Eltern darauf achten, dass sie immer wieder auch in gemischten Teams aktiv sind sowie in Einzelsportarten wie Klettern oder Leichtathletik.

 
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