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48 Haben es Mädchen leichter?

Das ist pures Wunschdenken. Die veränderten gesellschaftlichen Erwartungen und Rahmenbedingungen machen auch Mädchen zu schaffen, und zwar schon früh.

Mädchen hören immer früher auf zu spielen. Mit zehn Jahren und damit drei Jahre früher als Jungen macht «Ronja Räubertochter» keine Schneeballschlacht mehr, klettert nicht mehr auf Bäume und lässt ihre Puppen links liegen. Sie hat anderes zu tun. Lipgloss und Nagellack ausprobieren, in Modemagazinen blättern, Freundinnen zum Shoppen treffen. Jedes dritte Mädchen hungert oder hält Diät. Zwei Drittel haben ein verzerrtes Körperbild. Fast 100 Prozent der 15-bis 25-Jährigen sind mit ihrem Aussehen unzufrieden, hat eine Kosmetikfirma herausgefunden. Magermodels in Superklamotten untergraben nicht nur das ohnehin wacklige Selbstbild, sondern erzeugen auch das Gefühl der Unzulänglichkeit hinsichtlich Finanzen und Geschmack.

Immer mehr Mädchen entwickeln massive Stresssymptome. Sie leiden unter Kopfweh, Nervosität und Magenschmerzen, kämpfen mit Schlaflosigkeit, Depressionen und Erschöpfung und mit dem Drang, sich selbst zu verletzen.

Mädchen fällt es oft schwerer als Jungen, mit unangenehmen und schwierigen Situationen fertigzuwerden, ohne in Panik zu geraten oder in Depression zu verfallen. Sie brauchen eine Menge Rückendeckung, Verständnis und Techniken, wie man mit Misserfolgen und Zurückweisung umgeht. Sonst halten sie ständig in der Außenwelt Ausschau nach Anerkennung und laufen Gefahr, ihr

Selbstbewusstsein in die Hände des erstbesten Jungen zu legen. Dem Kompetenzverlust geht immer ein Vertrauens Verlust voraus. Das gilt nicht nur für Mathematik und Naturwissenschaften.

Doch Mädchen müssen sich in einer komplexen, hoch technisierten Welt zurechtfinden und eines Tages darin auch Geld verdienen. Ihr zukünftiger Chef, egal ob männlich oder weiblich, wird ihnen keine Privilegien einräumen, nur weil sie Frauen sind. Darauf müssen sie vorbereitet sein.

Eltern sollten Töchter zu festem, freiem Auftreten ermuntern, damit sie lernen, auf Zurückweisung und Ruppigkeit nicht überempfindlich zu reagieren, und sie darin unterstützen, sich nicht nur über Beziehungen und Gefühle zu definieren, sondern über Sachinteressen.

 
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