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44 Die anderen haben, können, dürfen … Was tun, wenn die Peer Group mein Kind unter Druck setzt?

Zwar heißt es bei Wilhelm Busch, «er fühlte sich wie neu gestärkt, als er so viel Geld bemerkt», doch solch ein besseres Selbstwertgefühl ist nur von kurzer Dauer - sagen jedenfalls Wirtschaftsexperten und Glücksforscher. Die finanzielle Situation trägt nur unwesentlich zur Lebenszufriedenheit bei. Wer den Jackpot knackt, ist sechs Monate nach dem großen Coup wieder genauso glücklich bzw. unglücklich wie davor. Dauerhafter ist das Glück, wenn man sein Geld für andere ausgibt. Vielleicht stiften Bill Gates und Warren Buffet deshalb einen Großteil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke. Vielleicht liegt es auch daran, dass Geld eher fragwürdige Eigenschaften begünstigt: Faulheit, Oberflächlichkeit, Egoismus und das Misstrauen, betrogen und nicht um seiner selbst willen geliebt zu werden.

Aber wie erklärt man das einem Kind, das gerade heftig von einem iPhone träumt? «Alle in meiner Klasse haben eins, nur ich nicht...» Kein Wunder, dass immer mehr Kinder und Jugendliche klauen wie die Raben. Bei der Ursachenforschung weisen Sozial- und Markforscher gern darauf hin, dass der Druck in erster Linie von der Peer Group ausgeht, wobei die wahren Verursacher gnädig ausgeblendet werden. Mit mehr als 15.000 Werbespots monatlich baut das Fernsehen äußerst erfolgreich das Markenbewusstsein von Kindern und Jugendlichen auf.

Am besten reagiert man gelassen. Das ist nicht so leicht, vor allem dann nicht, wenn man sich teure elektronische Spielereien und Wochenendtrips nach Disneyworld Paris sowieso nicht leisten kann. Dann schleicht sich leicht ein gereizter Unterton ein, der dazu führen kann, dass es richtig kracht. Hier hilft nur eines: Verständnis und die Besinnung auf eigene Werte. Dann kann man einem Kind den Rücken stärken und ihm helfen, etwas Gleichwertiges mit Witz, Kreativität und Fantasie zu bekommen. Manchmal muss man Kinder auch daran erinnern, was sie schon alles haben: Geschwister, Eltern, die Spaß verstehen, eine schmusige Katze, einen Opa, der phantastisch Blitzschach spielen kann ...

Natürlich kann man auch mal einen Wunsch erfüllen. Man sollte dann aber klären, ob damit das Problem «Alle haben ...» erledigt ist. Wenn wenig später schon wieder etwas Neues angesagt ist, bespricht man am besten, inwieweit das Kind gewillt ist, sich an der Finanzierung von einem angeblichen Must-have zu beteiligen, und zwar ernsthaft.

Ältere Kindern darf man ruhig auch ein bisschen auf die Schippe nehmen: «Deine Freunde finden also, dass du unbedingt ein Smartphone und eine Longchamps-Tasche brauchst. Dann sind sie sicher bereit, dir diese Dinge zu finanzieren. Du kannst das Geld von ihnen ja schon mal einsammeln, ich steuere dann den gleichen Betrag bei.»

Solidarität mit anderen, die auch nicht alles haben oder dürfen, hilft ebenfalls. Wenn Kinder immer wieder damit hadern, dass ihre Eltern bestimmte Dinge nicht finanzieren oder erlauben wollen, sucht man am besten den Schulterschluss mit anderen Eltern, insbesondere wenn es um Dinge geht, die angeblich alle dürfen, wie etwa Party machen bis nach Mitternacht, selbstverständlich auch unter der Woche. In aller Regel stellt sich heraus, dass es sich allenfalls um eine Minderheit handelt.

 
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