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43 Ausgegrenzt, gehänselt, gemobbt. Wie hilft man einem Außenseiter?

Fast jedes Kind macht Phasen durch, wo es nicht so beliebt ist wie andere oder Schwierigkeiten hat, Anschluss zu finden. Das ist hart, aber zunächst kein Grund, sich Sorgen zu machen. Anders sieht es aus, wenn ein Kind über Monate keinen Kontakt findet. Fast immer geht es um Andersartigkeit in Aussehen oder Charakter. Mal ist es die Brille, mal Unsportlichkeit, mal Gewichtsprobleme, mal Sprach- oder Verhaltensschwierigkeiten. (Falls sich ein Kind nicht altersgerecht ausdrücken kann, wendet man sich möglichst bald an einen Logopäden.)

Ausgegrenzte Kinder können selten äußern, dass sie Kummerhaben. Wichtig ist daher, auf diese Signale zu achten:

Das Kind wird selten angerufen, trifft keine Verabredungen, wird nicht eingeladen. Es zieht sich zurück, wirkt traurig, abweisend, ängstlich, unsicher. Es ist häufig krank, meist mit diffusem Bauchoder Kopfweh. Es weigert sich, in die Schule zu gehen oder an einem bestimmten Unterricht teilzunehmen. Es versucht, Freundschaften mit Geschenken, Geld oder Gefälligkeiten zu kaufen. Damit kann es sich in echte Gefahr bringen. Es kommt immer wieder vor, dass Kinder erpresst, genötigt oder mit falschen Versprechungen in äußerst ungute Situationen gelockt werden.

Da Mobbing immer die ganze Gruppe oder Klasse betrifft, setzt man sich möglichst rasch mit Klassenlehrer, Schulleitung und Schulpsychologen in Verbindung. Das betroffene Kind muss jedoch sicher sein, dass man das Vorgehen mit ihm bespricht und seine Nöte sensibel und diskret behandelt.

Nicht hilfreich ist es, zu suggerieren, die anderen seien es nicht wert, umworben zu werden («du bist eben intelligenter, sensibler, lieber als andere»). Kinder brauchen die Zuneigung, Anerkennung und Freundschaft von Gleichaltrigen dringend, weil sie ihnen das Gefühl gibt, .

Isolierte Kinder leiden oft nicht nur unter einer emotionalen, sondern auch unter einer körperlichen Abwehrschwäche. Die kann mit Sport ganz gut «kuriert» werden. Meist werden Kampfsportarten empfohlen, aber Schwimmen, Hip Hop oder Hockey passen oft viel besser.

In jedem Fall müssen Eltern fest hinter ihrem Kind stehen. Weder sie noch ihr Kind haben Schuld. Dennoch ist es hilfreich, die spezifische Andersartigkeit zur Kenntnis zu nehmen - nicht zu bewerten! Am besten betont man Stärken und sucht nach Gelegenheiten, wo ein Kind außerhalb der Schule seinen Interessen nachgehen kann, zum Beispiel in einem Schach- oder Computerclub, in einer Theatergruppe oder Natur- oder Tierschutzorganisation. Über gemeinsame Hobbys lassen sich gut Brücken zu anderen Kindern bauen.

Andersartigkeit kann auch ein Privileg sein. Möglicherweise ist das betroffene Kind tatsächlich besonders empfindsam und klug, vielleicht hat es besondere Talente und ausgefallene Interessen. Unangepasstes Verhalten geht oft mit großer Intelligenz und Kreativität einher. Wissenschaftler vermuten, dass diese Kinder ihre rechte Gehirnhälfte intensiver nutzen. Wer zeitweise mit einer Außenseiterposition fertigwerden muss, ist überdies autarker. Das gilt insbesondere für Mädchen. Bei einer Untersuchung der Lebenswege besonders erfolgreicher Frauen ließ sich feststellen, dass sie selten zu den umworbenen «Stars» in der Peer Group gehörten. Zum Ausgleich suchten sie sich Nischen, wo sie in Ruhe sie selbst sein konnten. Sie lasen viel oder schlossen sich Gruppen an, in denen gemeinsame Interessen wie Musik, Kunst oder Naturwissenschaft im Vordergrund standen.

 
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