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33 Wieso haben Kinder einen so eigenartigen Geschmack?

Erst pappen scheußliche Werbe- und Bugs-Bunny-Abziehbilder am Kinderbett, dann fliegt überall hässlicher Plastikkram herum, und schließlich verwandelt sich das hübsche Kind in eine Vogelscheuche mit blauen Haaren. Warum regt Eltern das so auf, wo doch das Kind selbst offensichtlich glücklich damit ist? Was einen auf die Palme bringt, sind weniger die Geschmacksverirrungen an sich, als vielmehr die Vorstellungen, die man mit ihnen verbindet. Geschmacksfragen gehen tiefer, als man auf den ersten Blick meint.

«Was magst du denn so am liebsten?», will die Lehrerin im Vorstellungsgespräch von der sechsjährigen Lara wissen. «Spot-Splatter-Splash-Puppen», sprudelt Lara los, «und Hello-Kitty-Taschen mag ich auch.» Peinliches Schweigen. Mit dem Platz in der Waldorfschule wird es jetzt wohl nichts.

Ob man will oder nicht: Beinahe jeder zieht Rückschlüsse vom

Aussehen und Verhalten eines Kind auf dessen Eltern. Vor allem die Eltern selbst tun das. Da kann man sich hundertmal sagen «ich bin nicht mein Kind». «Selbst wenn man nicht der Versuchung erliegt, sich in unguter Verwechslung in seinem Kind wiederzufinden, und auch nicht erwartet, dass es zum getreuen Nachfolger der eigenen (unerfüllten) Wünsche wird, es bleibt die Tatsache, dass es zu einem gehört und damit ist», schreibt der Philosophieprofessor Dieter Thomä in seinem Buch «Eltern».

Diese Zugehörigkeit entsteht nicht nur aus biologischen Gründen, sondern auch dadurch, dass man sein Leben teilt. Deshalb geht es Eltern natürlich etwas an, was ihre Kinder anziehen, welche Musik sie hören, was sie lesen, womit sie spielen und welche Filme sie sich ansehen. Denn all diese Dinge formen - auch - ihre Persönlichkeit.

Trotzdem: Stil-Fanatiker sind im Kinderzimmer fehl am Platz.

Kinder lieben es knallig. Das hat sogar biologische Gründe. Weil die Augen von Kindern eine höhere Reizschwelle haben als die von Erwachsenen, bevorzugen sie kräftige Farben und starke Kontraste. Und sie wollen selber ausprobieren, was sie schön finden. Ausreißer sind unvermeidlich, erlaubt, sogar ausdrücklich erwünscht.

Temperamentvoll geführte Diskussionen, welche Spiele, Filme und Musikrichtungen cool sind und welche nicht, tragen zur Persönlichkeitsbildung bei. Kinder lernen, ihre Ansichten zu vertreten, zu argumentieren («Ihr sagt doch immer, man soll nicht so oberflächlich sein und Äußerlichkeiten nicht so hoch bewerten») und finden heraus, wer sie sind und was zu ihnen passt - nicht zu ihren Eltern!

 
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