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29 Tränen und Szenen – warum können sich Kinder so schwer trennen?

Vitali schluchzt jeden Morgen herzzerreißend an der Tür zur Kita, Mia klammert sich schreiend an ihre Mama, die auf eine Dienstreise muss. Trennungen, selbst die kurzen vorübergehenden, sind für manche Kinder nur schwer auszuhalten. Und nein, weinende, klammernde Kinder sind nicht notwendigerweise «schlecht gebunden», vielmehr sind Trennungsängste etwas ganz Natürliches.

Die Frage ist daher, wie man Trennungen so gestalten kann, dass sie einigermaßen erträglich sind. Obwohl häufig empfohlen und weit verbreitet, taugen folgende zwei Methoden eher nicht:

Appelle an die Vernunft. Wenn Eltern versuchen, die Dringlichkeit ihrer Abwesenheit vor Augen zu führen, reagieren gerade die Kinder, die ganz besonders mit Trennungsängsten zu kämpfen haben, aufgebracht. Es interessiert sie nicht die Bohne, dass man Geld verdienen muss oder nur kurz beim Arzt ist. Alles klingt wie: «Ich mache eine Weltreise und weiß noch nicht, wann ich dich wieder abhole.»

Den Abschied mit Geschenken versüßen. Es kann tröstlich sein, wenn sich ein Kind darauf freuen darf, dass Mama eine kleine Überraschung mitbringt. Regelmäßig eingesetzte süße Tröster können jedoch den Grundstein für zukünftige Gewichtsprobleme und ein problematisches Konsumverhalten legen. Die Betroffenen müssen sich dann immer, wenn sie sich allein fühlen, Trost kaufen oder essen.

Wie kann es dann gehen?

Warten, bis das Kind so weit ist. Wann ein Kind kurze, vorübergehende Trennungen verkraftet, ist sehr unterschiedlich. Bei manchen klappt das früher, bei anderen später. Die meisten Kinder haben mit zwei, drei Jahren einen gewissen Zeitsinn entwickelt. Wenn man erklärt, dass man am Nachmittag/Abend wieder zurückkommt, wissen sie zwar nicht, wie viele Stunden bis dahin vergehen müssen, aber dass sie vergehen und vor allem, dass die Eltern wiederkommen - nach Möglichkeit pünktlich.

Vertrauen in die eigenen Fertigkeiten stärken. Die Gewissheit, ich bin nicht mehr bei allen Dingen auf Mama oder Papa angewiesen, ermutigt und schenkt Sicherheit.

Rechtzeitig vorbereiten. In der Regel genügt es, ein, zwei Tage vorher die Sprache darauf zu bringen, wenn ein Kind für ein paar Tage ohne Eltern auskommen muss. Man kann erzählen oder im Internet zeigen, wo man ist, und fragen, ob es noch etwas braucht oder wissen will.

Gewohnte Umgebung. Abends und für mehrere Tage sollte man Kinder nach Möglichkeit zu Hause betreuen lassen. Auf Fremdbetreuung plus fremde Umgebung können selbst robuste Zwölfjährige noch empfindlich reagieren. Lässt es sich nicht anders machen, sollte man versuchen, vor der Abreise ein oder zwei Tage gemeinsam dort zu verbringen. Während der Abwesenheit kann man mit Telefon oder Skype Kontakt halten. Reagiert ein Kind darauf empfindlich, spricht man lieber nur mit der Betreuungsperson.

Kurzer Abschied, unaufgeregtes Wiedersehen. Liebevoll in den Arm nehmen reicht, ohne Dramatik («Ich hab dich so schrecklich vermisst!»). Auch was sich während der Abwesenheit des Kindes zugetragen hat, sollte man nicht in allzu lebhaften Farben schildern, damit es nicht denkt, es hätte etwas verpasst.

Nach ein paar Stunden großer Freude gibt es nicht selten aus nichtigem Anlass Tränen und Streit. Das ist normal. Auf diese Weise bauen Kinder die Spannung ab, die sich während der Abwesenheit der Eltern aufgeladen hat. Auch wenn sie eine schöne Zeit hatten, sind sie einem irgendwie doch ein bisschen böse. Eltern sind eben unersetzlich.

 
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