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16 Kann man Charakter erziehen?

Man muss! Ein gutes Herz und ein gerader Rücken sind der Schlüssel zu einem erfüllten, erfolgreichen Leben, nicht ein hoch dotierter Job als «Reality-Stylist» an der Börse.

Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit einem stabilen Wertesystem optimistischer und belastbarer sind und Kr isen besser meistern als Menschen, die moralisch im freien Raum flottieren. Eltern, die die Charakterbildung in den Mittelpunkt ihrer Erziehung stellen, sind ihren Kindern emotional näher als solche, deren Interesse überwiegend schulischen Leistungen und Freizeitinteressen gilt. Ihre Kinder wiederum beschreiben die Beziehungen zu Familie und

Freunden als gut bis sehr gut.

Die moralische Entwicklung durchläuft verschiedene Stufen, d.h., manche ethischen Fragestellungen verstehen Kinder erst in einem bestimmten Alter.

Für Kindergartenkinder ist es noch nicht ganz einfach, Realität und Fantasie auseinander zu halten. Somit ist ihnen auch nicht immer ganz klar, was gelogen und was wahr ist. Ansonsten verhalten sie sich nach dem Grundsatz «Wer stärker ist, hat Recht.» Dass die Stärkeren in der Regel die Eltern (oder andere Erwachsene) sind, ist auch hier von Vorteil. In Konflikten können sie eine Lektion in Friedfertigkeit und Selbstbeherrschung erteilen.

Auf der nächsten Moralstufe, mit etwa sechs bis sieben Jahren, heißt es «Auge um Auge, Zahn um Zahn»: «Wenn du mein Bild beschmierst, beschmier ich deins.» Aber auch: «Wenn du deine Gummibärchen mit mir teilst, teile ich meine Spielsachen mit dir.» Alles muss fair und gerecht sein. Ist das nicht der Fall, gerät die Kinderwelt aus dem Gleichgewicht. Diese Phase kann unter Umständen recht lange dauern.

Entwicklungspsychologen und Moralphilosophen empfehlen, möglichst immer an eine höhere Stufe des moralischen Denkens zu appellieren und sich mehr auf Liebe als auf Gerechtigkeit zu berufen: «Tu das, weil es richtig ist», oder «weil sie deine Schwester ist». Nicht: «Tu das für mich, weil ich das für dich tue.»

Abstrakte ethische Konzepte, etwa «Was wäre, wenn jeder so handeln würde wie ich?», verstehen Kinder mit neun, zehn Jahren. Bei gewissen Gelegenheiten muss man sie dazu auffordern, sich in die Lage eines anderen zu versetzen und sich damit zu befassen, wie die Familie, die Gesellschaft aussehen würde, wenn sich jeder so benehmen würde.

Mit der Pubertät ist die Moralentwicklung weitgehend abgeschlossen - darin sind sich die meisten Entwicklungs- und Verhaltenspsychologen einig. Wer mit 15 noch nicht mit normativen Konzepten wie Aufrichtigkeit, Einfühlungsvermögen oder Respekt vertraut ist, wird diese kaum noch verinnerlichen.

Der beste Rat in Sachen Charaktererziehung ist übrigens: «Behandle dein Kind so, als sei es bereits der gute Mensch, der es mal werden soll.»

 
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