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11 Tagesmutter, Au-pair, Babysitter oder Leihoma – wer betreut mein Kind?

Grundsätzlich gilt: Wem auch immer man sein Kind anvertraut, der braucht eine große Portion gesunden Menschenverstand, gute Nerven und ausreichend Fantasie. Dann wird sie (oder er) auch das Kind daran hindern, mit einem Bonbon im Mund oder einem Seil ins Bett zu gehen, obwohl das nicht auf der Liste der Verbote steht.

Die Tagesmutter ist insbesondere für Kinder unter drei Jahren geeignet, weil sie eine individuelle Betreuung bietet. Im Prinzip kann jede Frau, die die Schulungsstunden des Jugendamtes absolviert hat, Tagesmutter werden (es gibt auch Tagesväter). Daher muss man in einem persönlichen Gespräch klären, ob sie wirklich für die Kinderbetreuung geeignet ist. Beschreibt sie ganz normale Unternehmungen für den Alltag mit Kindern, ist das ein gutes Zeichen. Macht sie hingegen große Versprechungen, darf man misstrauisch werden. In keinem Fall reicht es, dass die Tagesmutter erklärt, sie sei gern mit Kindern zusammen. Es braucht große emotionale Belastbarkeit, professionelles Training und Erfahrung, um jedem Kind gerecht zu werden, wenn eines etwas kaputtmacht, während ein anderes die Hose voll hat und sich zwei weitere Kleinkinder in die Haare kriegen.

Wichtig zu wissen ist auch, ob die Kinder im Wohnzimmer oder in einem Extraraum betreut werden und was sonst noch in der Wohnung passiert. Gibt es eigene größere Kinder, die betreut werden müssen, ist der Mann krank oder arbeitslos und die ganze Zeit zu Hause? Manche Tagesmütter schließen sich zusammen, so dass eine Art Minikindergarten entsteht. Das ist eine gute Sache, weil Kinder dann auf unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Kompetenzen, Neigungen und Gewohnheiten treffen. Außerdem hat man so die Gewähr, dass es im Krankheitsfall eine Vertretung gibt.

Ein Au-pair ist eine Art Gasttochter, keine kostengünstige Nanny und Putzhilfe. Sie gehört mit zur Familie und sollte auch so behandelt werden. Oft ist sie zum ersten Mal von zu Hause weg; auch deshalb ist es wichtig, dass sie sich in der Gastfamilie wohlfühlt. Ein Au-pair hilft maximal sechs Stunden pro Tag und maximal insgesamt 30 Stunden pro Woche bei der Kinderbetreuung und im Haushalt. Vier Abende und einen Tag in der Woche sind frei, um Sprachkurse besuchen zu können und Land und Leute kennenzulernen. Basiskenntnisse im Deutschen sollte das Au-pair möglichst haben, wobei es manche Eltern gerade reizvoll finden, wenn ihr Kind schon früh mit einer Fremdsprache in tägliche Berührung kommt. Bleibt das Au-pair ein halbes Jahr, hat es Anspruch auf zwei Wochen bezahlten

Urlaub. Das Taschengeld beträgt monatlich etwa 350 Euro zzgl. Kranken- und Haftpflichtversicherung

Wann ist ein Au-pair das Richtige? Wenn man eine relativ flexible Kinderbetreuung braucht, ein eigenes Zimmer zur Verfügung hat und bereit ist, als eine Art große Schwester bzw. großer Bruder zu fungieren.

Die Kinderfrau betreut in erster Linie die Kinder, aber das rundum. Sie übernimmt Bring- und Abholdienste, kocht, kontrolliert Schulaufgaben und verrichtet Hausarbeit, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der Kinderbetreuung steht. Im besten Fall ist die Kinderfrau ausgebildete Kinderpflegerin oder Erzieherin, im schlechtesten Fall handelt es sich um eine Frau aus einem Entwicklungsland, die kaum Deutsch spricht.

Eine Kinderfrau bekommt abzüglich Steuern und Sozialversicherung zwischen neun und zwölf Euro netto pro Stunde. Hinzu kommen Haftpflicht- und Unfallversicherung. Bei einer 40-Stunden-Woche liegt der gesetzliche Mindesturlaub bei 24 Tagen im Jahr.

Wann ist eine Kinderfrau das Richtige? Wenn zwei und mehr Kinder unter zehn Jahren individuell betreut werden müssen und wenn man regelmäßige Arbeitszeiten im Zeitraum von 6 bis 20 Uhr zusichern kann.

Babysitter werden ausschließlich für Kinder angeheuert. Aufräumen, Putzen, Kochen gehören nicht zu ihren Aufgaben. Sie spielen, lesen vor, gehen mit den Kindern auf den Spielplatz und bringen sie abends zu Bett.

Die Vergütung ist Verhandlungssache. Sie liegt zwischen drei und zehn Euro pro Stunde und ist abhängig von der Kinderzahl, der Region und davon, ob ein Kind tagsüber betreut wird oder abends, wenn es bereits schläft.

Wann sind Babysitter das Richtige? Für unkomplizierte Kinder ab drei Jahren, wenn Eltern nur hin und wieder eine Betreuung suchen, bevorzugt abends und am Wochenende. Babysitter sollten mindestens zwölf Jahre alt sein.

Leihomas sind sogenannte Kinderpaten, keine kostenlosen Babysitter

(Leihopas gibt es auch, aber selten). In der Regel bekommen sie eine Aufwandsentschädigung oder Fahrtkostenerstattung, aber hauptsächlich machen sie es aus Freude an Kindern. Eine Leihoma kommt in einem mehr oder weniger regelmäßigen Rhythmus, springt auch gern mal ein, steht aber nicht immer parat. Das Kind steht im Mittelpunkt, trotzdem freut sie sich über Familienanschluss. Bei Leihomas sollte einem bewusst sein, dass sie eventuell Erziehungsauffassungen einbringen, die aus etwas länger zurückliegender Zeit stammen. Wer damit Probleme hat, verzichtet besser auf diese Betreuungsform.

Wann sind Leihomas das Richtige? Für Eltern mit Kindern zwischen drei und 14 Jahren, denen es in erster Linie um den Kontakt zur älteren Generation geht.

 
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