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7 Familienoberhaupt oder Kumpel – welche Rolle spielt der Vater?

Wohin man schaut, sieht man heute neue Väter: Mit Baby im Tragetuch holen sie morgens um sieben frische Brötchen. An der Supermarktkasse jonglieren sie mit zwei Kleinkindern im Schlepptau gekonnt ihre Einkäufe. Sie backen Pfannkuchen und suchen die passenden Socken zusammen. Sie schmusen und trösten, füttern und wickeln - lebende Beweise, dass ein Vater genauso gut bemuttern kann wie, nun ja, eine Mutter. Das ist nichts Neues. Die Brutpflege war zu keinem Zeitpunkt eine ausschließlich weibliche Angelegenheit. Schon vor über 200 Millionen Jahren kümmerte sich nicht die Dino-Mama, sondern der Dino-Papa um den Nachwuchs.

Auch wenn die Kinder älter werden, machen Väter mehr oder weniger das Gleiche wie Mütter. Sie bringen die Kinder in den Kindergarten, in die Schule und zum Kieferorthopäden, hören sich geduldig die langatmige Schilderung einer Löwenzahn-Sendung an, messen Fieber und braten Fischstäbchen.

Ist Papa also eigentlich dasselbe wie Mama? Nein. Ein Vater ist keine Mutter. Ein Vater hat ein anderes Verhältnis zu seinem Kind, das ist nun mal so. Alleinerziehende Mütter (und Väter) wissen das nur zu gut, weil sie oft beide Rollen übernehmen müssen.

Väter erziehen nicht besser oder schlechter, nur anders. Was das andere ist? Das ist sogar für Wissenschaftler schwer zu fassen. Deshalb hier meine Wahrnehmung - ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit!

Väter sind emotional anders gestrickt. Mütter fühlen sich ein, Väter zeigen Mitgefühl. Oft eignen sie sich besser dazu, Kinder zu Impfungen und Prüfungen zu begleiten.

Väter tun andere Dinge als Mütter. Sie spielen rauere und lautere Spiele. Sie sind nicht so schnell bereit, jedes kleine Wehwehchen zu beklagen. Sie geben nicht «einfach so» nach oder verlieren beim Mau-Mau, um ihr Kind bei Laune zu halten. Dafür lachen sie gern und viel, gelegentlich auch über die Mutter. Sie machen auch sehr gern Unsinn, um ihr Kind zum Lachen zu bringen, nicht zuletzt über sich selbst.

Väter können gut erklären. Klar, direkt, schnörkellos. Wie man einen wackligen Stuhl leimt, die Zähne putzt, sich bei einem Freund entschuldigt. Sie lassen Emotionen außen vor und konzentrieren sich darauf, «technische» Handgriffe zu vermitteln, ob es sich nun um Fußball, Liebeskummer oder das Einräumen der Spülmaschine dreht. Mütter können das selbstverständlich auch. Aber es hat eine andere Note, wenn ein Vater seinem Kind solche Dinge näher bringt, und auf diese Note kommt es an.

Väter sind konsequent. Das ist nicht nur ein großes Plus bei der Einhaltung von Haushaltspflichten, sondern auch bei schulischen, sportlichen und anderen Angelegenheiten. Väterliche Abmachungen werden in aller Regel sehr ernst genommen. Bei Müttern gibt es oft noch ein Hintertürchen.

Väter sind engagiert, wenn es darum geht, «erwachsenes» Verhalten zu fördern, einzufordern und zu belohnen. Sie denken nicht so häufig, , sondern eher,

Väter erwarten für ihre Dienste eine gewisse Gegenleistung. Wenn’s sein muss, fordern sie diese sogar ein. Insgesamt scheint das Verhältnis von Geben und Nehmen bei Vätern und ihren Kindern ausgewogener zu sein als bei Müttern. Irgendwie sind Väter vielleicht doch eine Art Vorhut zur Welt außerhalb der familiären Kuschelzone.

Kuschelzone? Da ist es wieder, das Klischee vom Vater, der die raue Wirklichkeit repräsentiert, während die Mutter das heimische Bullerbü hegt und pflegt. Und wie an jedem Klischee ist etwas dran. Eins steht jedenfalls fest: Ein Vater ist kein Mutter-Duplikat.

Papa sollte daher besser Mama nicht nachahmen. Man kann ein fürsorglicher Vater sein, auch wenn man keine Windeln wechselt, sich beim Barbiespielen entsetzlich langweilt und viel lieber Fußball schaut, als mit einem aufsässigen Teenager über die Unordnung in seinem Zimmer zu diskutieren.

Auch das Modell «Mama ist zuständig, Papa hilft aus» ist überholt. Damit der «eigenständige Vater», wie ihn sich der amerikanische Erziehungsexperte Ron Taffel wünscht, eine Chance hat, müssen Mütter von ihrem Einfluss abgeben und Verantwortung teilen. Unabhängig davon, ob Eltern zusammen oder getrennt leben.

 
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