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Start arrow Kultur arrow Die 101 wichtigsten Fragen

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51. Wann kann man im Kloster ganz für sich sein?

Der ganz persönliche Rückzugsort für jeden Einzelnen im Kloster ist die Zelle. Dies ist der private Bereich, in dem jedes Konventsmitglied für sich sein kann. In der Regel zieht man sich dorthin nach der Komplet, dem Nachgebet, zurück. In manchen Klöstern findet danach noch eine Rekreation (lateinisch recreare = sich erholen) statt, also ein ungezwungenes Beisammensein, beispielsweise bei Kartenspiel oder Fernsehen. Spätestens nach Beendigung dieser gemeinschaftlichen Zeit zieht man sich in die Zelle zurück und bleibt dort bis zum gemeinsamen ersten Morgengebet mit der Klostergemeinschaft. Auch die morgendliche Meditation, mit der viele Ordensleute den Tag beginnen, findet meist allein im privaten Bereich statt. Eine weitere Rückzugsphase ist die Mittagszeit. Nach dem Mittagsgebet, der Mittagshore, und dem gemeinschaftlichen Essen im Refektorium zieht man sich zur Mittagsruhe auf das eigene Zimmer zurück. Zwischen 12 und 14 Uhr sind Klosterpforte und -telefon in der Regel unbesetzt. Da die Ordensleute sehr früh aufstehen, brauchen sie in der Mitte des Tages eine Pause. Gerade weil Sie sehr viel Zeit in der Gemeinschaft verbringen, ist es wichtig, täglich auch Zeit ganz für sich zu haben. Darüber hinaus gibt es im Kloster sogenannte «Wüstentage», an denen man sich zurückziehen kann. Vier bis fünf sind es in der Regel pro Jahr.

52. Haben Ordensleute Urlaub?

Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten haben Nonnen und Mönche heutzutage Urlaub. Wie jeder von uns brauchen auch Ordensleute einmal einen Ortswechsel, um Abstand vom Alltag zu bekommen. In der Regel beträgt die offizielle Urlaubszeit zwei bis drei Wochen. Für diese Zeit erhalten die Ordensleute ein relativ bescheidenes Taschengeld. Die Nonnen eines Klosters in einer mitteldeutschen Großstadt bekommen beispielsweise 150 Euro, die Mönche einer Abtei im nördlichen Bayern bereits 300 Euro. In jedem Fall sind die Beträge so, dass man keine großen Sprünge machen kann. Deshalb fahren viele Ordensleute zu ihrer Familie oder besuchen Freunde. Sehr häufig machen sie Ferien in befreundeten Klöstern, manchmal auch im Ausland. Vor allem in Frauenklöstem gibt es auch den «Urlaub in den eigenen vier Wänden». Man bleibt im Kloster, klinkt sich aber aus dem gemeinsamen Tagesablauf aus und gestaltet den Tag nach eigenen Wünschen, beispielsweise mit Ausflügen oder Wanderungen. Im Kloster Bernried gibt es sogar ein kleines Ferienapartment, das Schwestern des Hauses an ihren Urlaubstagen nutzen und in dem sie sich selbst verpflegen können. In der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld steht im Garten der weitläufigen Klosteranlage das «Haus Emmaus». Es ist ein sehr geschmackvoll und gemütlich ausgestattetes kleines Häuschen mit Schlafräumen und eigener Küche, in dem die Schwestern ihren Urlaub verbringen können, ohne die Klosteranlage verlassen zu müssen. Gerade für ältere Ordensmitglieder ist dies eine gute Alternative.

 
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