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Start arrow Kultur arrow Die 101 wichtigsten Fragen

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5. Warum haben sich Menschen in Ordensgemeinschaften zusammengeschlossen?

Menschen, die in Einöde und Askese lebten, gab es lange vor dem Christentum. In Indien existierten asketische Ordensgemeinschaften seit dem siebten vorchristlichen Jahrhundert, im Buddhismus etwa ab dem fünften Jahrhundert vor Christus. Mose und der Prophet Elia aus dem Alten Testament gelten als Eremiten.

Die ersten Christen, die sich von der Gesellschaft zurückzogen, um ein Leben in Einsamkeit zu führen, sahen sich in der Nachfolge Christi. Manchmal schlossen sie sich zu Einsiedlerkolonien zusammen und zogen bald andere Menschen an, die von ihrer Lebensform und ihrer Weisheit lernen wollten. So entstanden im Verlauf des dritten Jahrhunderts nach Christus die ersten Gemeinschaften. Das Leben in der Gruppe vereinfachte viele Abläufe des Alltags und ermöglichte es trotzdem, sich auf Gebet und Askese zu konzentrieren. Die in Gemeinschaft lebenden Mönche werden «Koinobiten» genannt (von griechisch koinos bios = gemeinsames Leben) im Gegensatz zu den alleine lebenden Eremiten (von griechisch eremos = wüst, unbewohnt). Pachomius (um 290 - um 347) gründete um 320 in Oberägypten das erste christliche Kloster. Er schuf um 350 auch eine Mönchsregel, die heute noch der Mehrzahl der orthodoxen Klostergemeinschaften als Leitfaden dient.

6. Wann entstanden die ersten Klöster?

Das früheste Kloster geht auf Pachomius (um 292 - um 347) zurück. Der Sohn eines heidnischen Vaters sollte Soldat werden, aber seine Söldnerkarriere war nur kurz. Nach seiner Entlassung ließ er sich taufen und gründete am rechten Nilufer in der Nähe des heutigen Dandara 320 ein Kloster. Der Sage nach soll ihm ein Engel dies befohlen haben. Das Leben einer Mönchsgemeinschaft in einem eigens dafür bebauten Areal gab es bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Vorher lebten Mönche in Einsiedeleien. Das von einer hohen Mauer umgebene Kloster des Pachomius hatte neben der Kirche bereits eine Küche mit Vorratskammer und Speisesaal, eine Krankenstation, Bibliothek, Werkstätten und eine Herberge für Gäste. Die Gemeinschaft, die nach Ordensregeln lebte, die Pachomius angeblich ebenfalls von einem Engel eingegeben wurden, wuchs zügig. Weitere Klostergründungen folgten. Bei seinem Tod gab es zwei Frauen- und neun Männerklöster mit rund 9000 Mönchen.

Die Entwicklung setzte sich fort: Es entstanden aus den anfänglichen Einsiedeleien zunehmend Gruppen, die sich zusammentaten, um ihr Leben in Gebet und Arbeit zu teilen. Auch Basilius (um 330-379), der zunächst als Mönch in Ägypten und Syrien lebte, gründete um 355 in Kappadokien in der heutigen Türkei ein Kloster. Dort widmete man sich nicht nur dem Gebet und der körperlichen Arbeit, sondern auch dem Bibelstudium. Basilius lebte nur fünf Jahre in seinem Kloster, schrieb in dieser Zeit aber seine Mönchsregel, die bis heute für die orthodoxe Kirche maßgebend ist.

 
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