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Nationale und europäische Identitäten und politische Unterstützung der Europäischen Union im Kontext der Wirtschafts- und Finanzkrise

Zusammenfassung Die Bürger in der EU wurden seit dem Ausbruch der Finanzkrise Ende 2007 und deren realwirtschaftlichen Folgen mit sich stark wandelnden ökonomischen Bedingungen konfrontiert. Diese Verschlechterung der ökonomischen Lage wurde nicht selten von politischen Eliten mit dem Euro in Verbindung gebracht, weshalb mit Folgen für die EU und ihre politische Unterstützung zu rechnen sein sollte. Vor diesem Hintergrund wird die Frage untersucht, wie die Determinantenmuster der politischen Unterstützung der EU auf die Veränderungen reagiert haben, wobei die Wirkungen nationaler und europäischer Identitäten den Analysefokus bilden. Die Resultate untermauern eine Reihe bekannter Erklärungsmuster. Eindeutige Trends sind im Zeitverlauf der „Euro-Krise“ kaum zu erkennen, wobei die Effekte nationaler Identitäten und Parteisignale im Zeitverlauf an Stärke hinzugewinnen. Die Wirkungen der restlichen Erklärungsfaktoren bleiben kurzfristig gesehen konstant.

Schlüsselwörter Nationale Identität • Europäische Identität • Politische Unterstützung • Europäische Integration

National and European identities and political support for the European Union within the context of the economic and financial crisis

Abstract Since the outbreak of the financial crisis in late 2007 and the economic consequences, citizens of the EU have been confronted with dramatically changing economic conditions. Political elites and mass media have often linked these negative economic consequences to the euro. Lower support for the EU and its institutions may be one of its consequences. Within this context, the paper addresses the question of how the pattern of political support for the EU responds to the changes in contextual conditions. The analysis focuses on the effects of national and European identities. The results substantiate several familiar patterns. Clear trends throughout the “euro crisis” are barely distinguishable. The impact of national identities and party signals increases over time, whereas the explanatory power of other variables remains constant in the short term.

Keywords National identity • European identity • Political support • European integration

1 Einleitung

Ende 2006 platzte in den USA die „Immobilienblase“, was in der Folgezeit die Weltwirtschaft in die verheerendste Wirtschaftskrise seit der Rezession in den 1930er Jahren stürzte (Zimmermann 2009, S. 3). Nahezu jeder Wirtschaftssektor in Europa war von der ab Herbst 2008 folgenden realwirtschaftlichen Krise betroffen, was die nationalen Regierungen zwang, Milliardensummen zur Rettung der Banken zu investieren. Die Konjunkturentwicklung brach über alle Länder hinweg ein, die Arbeitslosigkeit erhöhte sich massiv (Eurostat 2013). Spätestens seitdem ist die Finanzkrise auch im Bewusstsein der europäischen Bevölkerung angekommen. Die Verschlechterung der ökonomischen Lage wurde von politischen Eliten und den Massenmedien nicht selten mit dem Euro assoziiert, was sich auch auf die Wahrnehmung der Bürger niederschlug (Rosenthal 2012, S. 55), weshalb aus der Wirtschaftseine „EuroKrise“ wurde. Den Mitgliedern der Eurozone wurde im Zuge dessen eindrucksvoll das Problem verdeutlicht, dass im Krisenfall alle Bürger der Europäischen Union (EU) für die finanziellen Probleme einzelner Mitgliedstaaten haften. Insgesamt gesehen musste nicht viel geschehen, um aus einer „erfolgreich agierenden Währungsunion einen Club in Schockstarre zu machen“ (Welfens 2012, S. 7). Es erscheint daher zweifelhaft anzunehmen, diese Entwicklungen blieben für die EU und ihre politische Unterstützung seitens der Bevölkerung gänzlich folgenlos.

Vor diesem Hintergrund geht der vorliegende Beitrag der Frage nach, wie die Erklärungsmuster der politischen Unterstützung der EU auf die Kontextveränderungen, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise hervorgerufen wurden, reagiert haben. Im Fokus der Untersuchung stehen dabei Effekte nationaler und europäischer Identitäten. Zur Klärung der Fragestellung werden zunächst relevante theoretische Ansätze zur Erklärung von Einstellungen zur europäischen Integration skizziert, die sich in vergangenen Studien als einflussreich erwiesen haben. Anschließend erfolgt die Formulierung theoretischer Erwartungen, die nach Beschreibung des Datenmaterials und der Operationalisierung empirisch überprüft werden. Im Fazit werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst und Grenzen dieser Arbeit aufgezeigt.

 
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