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4.2.2 Auswirkungen transaktionaler Governance auf Zuliefererkooperationen

Die zuvor beschriebenen Mechanismen kommen in Zuliefererkooperationen zum Einsatz, um Effizienzverluste zu verhindern. Mit steigenden Transaktionskosten sollte demnach ein vermehrter oder differenzierterer Einsatz dieser Mechanismen in der Kooperation erfolgen.

Tab. 4.1 Transaktionale Governancemechanismen

Die zumeist über vertragliche Regelungen umgesetzte transaktionale Governance wirkt auf die Verhaltensweisen des Partners kontrollierend, indem Konsequenzen bei Abweichungen von Vorgaben spezifiziert werden. Hieraus resultiert ein sehr begrenzter gestalterischer Spielraum für die Transaktionspartner. Damit das Verhalten und die Ergebnisse kontrolliert werden können, gilt es, die Rechte und Pflichten der Partner ex ante möglichst präzise und objektiv festzuhalten. Im Ernstfall können Vertreter des Rechtssystems zur Durchsetzung von Forderungen eingeschaltet werden.

Damit ein Vertrag als hinreichender Mechanismus eingesetzt werden kann, müssen die Bedingungen der Transaktion eine vertragliche Regelung zulassen. Die Möglichkeit, die Rechte und Pflichten der Partner in vertraglichen Dokumenten und Vorgaben zu spezifizieren, erfordert, dass diese im Vorfeld objektiviert werden können. Problematisch ist dies in Situationen, in denen eine Bewertung der Leistung des Partners nicht möglich ist. Sind Transaktionen durch eine hohe Verhaltensunsicherheit gekennzeichnet, wird die Möglichkeit zur formalen Kontrolle deutlich eingeschränkt. Aus diesem Grund eignet sich die Detaillierung vertraglicher Spezifikationen besonders dann, wenn die Transaktion Leistungen umfasst, deren Effizienzparameter im Vorfeld festgelegt werden können.

Die formale Kontrolle erfordert, dass zwischen den Partnern die Möglichkeit besteht, die relevanten Informationen vollständig auszutauschen, insbesondere dann, wenn es sich um kodifizierbare Informationen handelt. Dies beschränkt den Umfang der vertraglichen Regelungen auf Formen der Zusammenarbeit, in denen primär tangible Ressourcen ausgetauscht werden. Angemessen erscheinen diese, sofern Effizienzziele wie Kostenreduzierung, Qualitätssicherung und Lieferpünktlichkeit verfolgt werden. Implizite Bestandteile wie der Know-howoder Wissensaufbau können in formalen Regelungen nur unzureichend berücksichtigt werden und bleiben innerhalb der transaktionalen Kooperation schutzlos.

Auf die Performance kann vertragliche Absicherung insbesondere dann positive Effekte entfalten, wenn die zu spezifizierende Leistung weitgehend standardisierbar ist. Dies gibt den Parteien die Möglichkeit, im Rahmen der vertraglichen Rahmenbedingungen aufgrund von Größenvorteilen oder Lernkurveneffekten eine effiziente Verbesserung der Abläufe zu erzielen. Das ist dann gegeben, wenn die Zusammenarbeit darauf abzielt, Beschaffungsvorgänge nach vordefinierten Plänen möglichst kostengünstig durchzuführen und sich Fixkosten der Transaktion mit wiederholter Durchführung verteilen.

Aus den Limitationen transaktionaler Governancemechanismen leitet sich ab, dass diese naturgemäß primär für das Management von Kooperationen mit effizienzorientierten Zielsetzungen geeignet sind. Strategische Effektivitätsziele, deren konkrete inhaltliche Ausgestaltung ungewiss ist, können inhaltlich nicht oder nur unzureichend formal fixiert werden und bedürfen der Bereitschaft von Akteuren, sich über den formalen Rahmen hinaus für gemeinsame Ziele zu engagieren.

 
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