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1.3 Systematisierung von Innovationswettbewerben

Auf Basis der Definitionen von Innovationswettbewerben gibt es verschiedene Ansätze, um Innovationswettbewerbe nach ihren Gestaltungsmerkmalen zu systematisieren. Anhand der vorgestellten Definitionen von Innovationswettbewerben lassen sich verschiedenste Zielsetzungen ausweisen:

• eine Liste von Ideen für ein spezielles oder auch offenes Thema zu erhalten,

• den besten Lieferanten zu finden, um ihn zu beauftragen,

• die begabtesten und engagiertesten Studenten zu entdecken und zu fördern,

• die attraktivsten Designs zu bekommen,

• genügend realisierbare Architekturvorschläge zu erhalten, um eine Auswahl zu

treffen,

• Schüler durch Ideenwettbewerbe („Jugend forscht“) für das Lernen zu begeistern,

• alle Mitarbeiter einer Stadtverwaltung an der Verbesserung der Abläufe aktiv zu

beteiligen,

• die besten, qualifiziertesten und engagiertesten Mitarbeiter anzuwerben,

• die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes durch Projektwettbewerbe zu fördern,

• alle Einwohner für eine Landschafts- und Dorfverschönerung zu aktivieren und

• den technischem Fortschritt durch eine Anschubfinanzierung für die Realisierung des besten Konzeptes zu unterstützen.

Diese Liste umfasst eine Reihe von Zielsetzungen, die aus der Praxis abgeleitet sind. Sie ist bei weitem nicht vollständig, sie soll aber zeigen, in welchen unterschiedlichen Themenfeldern sich Innovationswettbewerbe finden.

Verschiedene Forschergruppen haben sich mit der Einteilung von Innovationswettbewerben beschäftigt. Anhand ihrer Studien und Ausarbeitungen lassen sich Innovationswettbewerbe in verschiedene Grundtypen einteilen.

Hallerstede et al. beschreiben drei Typen von Innovationswettbewerben, welche sich anhand des Ausarbeitungsgrades von gering (Idee) bis hoch (Lösung) und an-

Abb. 1.1 Systematisierung von Innovationswettbewerben. (Vgl. Hallerstede et al. (2010), S. 10.)

hand des benötigten Fachwissens von gering („für Normalos“), über mittel („für Tüftler“) bis hoch („für Profis“) unterscheiden. Abbildung 1.1 verdeutlicht diese drei unter-schiedlichen Typen und ihre Einordnung nach Ausarbeitungsgrad und benötigtem Fachwissen.

Beim Typ 1 („Innovationswettbewerbe für Normalos“) sind die Themenstellungen bevorzugt offen und erfordern kein besonderes Fachwissen für die Lösung.

Eine typische Aufgabe lautet z. B. „Wie kann man Wintersportler für die Unfallrisiken auf und neben der Skipiste sensibilisieren?“. Die Fragestellung kann von einer breiten Masse an Innovatoren beantwortet werden, da sie sich mit Fragen des täglichen Lebens beschäftigt. Die Teilnehmer sind meist interessierte Laien. Hier werden vornehmlich Ideen generiert, die nachfolgend vom Organisator detailiert ausgearbeitet werden können. Dementsprechend wird entweder eine grundsätzliche Idee oder ein kurzes Konzept als Beitrag erwartet. Der Ausarbeitungsgrad und somit der benötigte Zeitbedarf für die Erstellung eines Beitrags bleibt gering.

Beim Typ 2 („Innovationswettbewerbe für Tüftler“) sind die Themenbereiche allgemein gehalten, erfordern aber eine genauere Auseinandersetzung mit der Materie als im Typ 1.

Typisch sind Fragen nach innovativen Produkten oder Geschäftsmodellen für eine Branche. Als Beitrag wird ein ausgearbeitetes Konzept erwartet. Der Zeitbedarf für die Erstellung der Konzepte ist mittel, da zwar detaillierte Überlegungen in die Entwicklung einfließen, aber keine praktische Umsetzung erfolgen muss.

Beim Typ 3 („Innovationswettbewerbe für Profis“) sind die Themenstellungen sehr spezifisch und erfordern ein hohes Fachwissen im jeweiligen Bereich.

Sie befassen sich z. B. oft mit komplexen Spezialgebieten innerhalb einer Disziplin, wie beispielsweise der Suche nach speziellen Proteinen, um ein Problem in der Chemie zu lösen. Dementsprechend stammen die Beiträge hier vor allem von Unternehmen oder Fachleuten. Meist werden Prototypen oder fertige Lösungen erwartet. Folglich entsteht ein hoher Zeitbedarf, um einen Beitrag auszuarbeiten.

Auch Ebner beschäftigt sich mit der Systematisierung. Er unterteilt die Wettbewerbe unter anderem nach Typen von Veranstaltern (Einzelveranstalter, Partnerschaft, staatlicher Veranstalter, professioneller Veranstalter), nach Typen von Wettbewerbsnamen (kein Eigenname, thematischer Name, eigener Name, Fantasie-Name), nach der Klassifikation nach Zielgruppen (Allgemeinheit, Mitarbeiter von Organisationen, Personen in Aus- und Weiterbildung unterteilt nach Schüler und Studierenden) und nach dem Grad der Realisierungsabsicht und der Spezifikation.

Auch andere Forschungsarbeiten ordnen Innovationswettbewerbe nach Typen ein. Diener und Piller systematisieren in ihrer Marktstudie acht Typen von Innovationswettbewerben. Sie unterscheiden die Typen nach dem Start der Zusammenarbeit („open search“ versus „open call“), nach der Art des gesuchten Wissens (Bedürfnisoder Lösungsinformation) und nach der Art des Zugriffs auf die Plattform (keine Einschränkungen versus Einschränkungen).

Eine Studie von Bays et al. hat im Speziellen philanthropische Innovationswettbewerbe untersucht. Sie unterscheidet dabei sechs Grundtypen. Tabelle 1.2 zeigt einen Überblick.

Tab. 1.2 Überblick über Grundtypen philatrophischer Wettbewerbe. (Vgl. Bays et al. (2009),S. 48 ff.)

Grundtyp Zielsetzung Haupthebel zur

Der Grundtyp Exemplar will die Aufmerksamkeit auf ein besonderes Vorbild richten und in einem Themenfeld Standards. Das wohl bekannteste Beispiel hierzu ist der Nobelpreis.

Der Grundtyp Exposition will best practices in einem Themenfeld hervorheben

und damit ggf. Kapital mobilisieren, um dieses Themenfeld weiter zu entwickeln. Ein Beispiel ist der PICNIC Green Challenge.

Der Grundtyp Network zielt darauf ab, bestimmte Communities zu fördern und

eine höhere Interaktion zu erreichen. Exzellente Leistungen werden hervorgehoben, um Kapital zu mobilisieren. Die El Pomar Awards sind ein Beispiel dafür.

Der Grundtyp Participation bildet im Rahmen des Wettbewerbsprozesses die

Teilnehmer aus und verbessert deren Fertigkeiten. Die Community wird gefördert. Dazu zählen in der Regel schulische oder studentischen Wettbewerbe. FIRST Robotics ist ein Beispiel dafür.

Ein weiterer Grundtyp ist Market stimulation. Er bildet Marktanreize nach,

reduziert Kosten durch einen höheren Wettbewerb und deckt dabei verborgene Nachfrage auf. Er mobilisiert dadurch Talent und Kapital. Die Wettbewerbe der X Prize Foundation sind typische Beispiel dafür.

Der letzte Grundtyp ist Point Solution. Hierbei werden herausfordernde, genau

definierte Aufgaben gestellt und dabei innovative Ansätze gesucht. Typische Beispiele sind hier Innocentive und NineSigma.

Bays et al. stellen mit diesen sechs Grundtypen ein Grundraster für die Einordnung der Innovationswettbewerbe vor. Im Folgenden werden die verschiedenen Systematisierungen von Innovationswettbewerben zu einer Liste von Grundtypen konsolidiert.

 
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