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6 Fazit und Ausblick

Durch die umfangreiche Änderung der Bilanzierung von Joint Ventures sind Änderungen im Hinblick auf die Bilanz- und GuV Struktur von DAX 30 Unternehmen zu erwarten. Ziel dieser Arbeit war es, basierend auf einer Simulation, diese Veränderungen in Bezug auf Financial Covenants zu quantifizieren. Dazu wurden eingangs die aktuellen Bilanzierungsstandards für Joint Ventures analysiert und anschließend wurden die Veränderungen durch den neuen Standard erarbeitet. Die wesentlichste Änderung betrifft hierbei die Abschaffung der Quotenkonsolidierung und die verpflichtende Anwendung der Equity Konsolidierung bei der Bilanzierung von Joint Ventures. Durch diese Änderung waren grundsätzlich Änderungen in der Bilanz und der GuV zu erwarten. Dadurch, dass die anteiligen Vermögenswerte nicht mehr in den Konzernabschluss einbezogen werden, ist mit einer Verkürzung der Bilanzsumme zu rechnen. Des Weiteren kommt es zu einer Reduktion des EBIT, da die Equity Bewertung grundsätzlich als Teil des Finanzergebnisses dargestellt wird.

Die Simulation zeigte, dass die Auswirkungen auf die Financial Covenants von DAX 30 Unternehmen stark divergieren. Wie bereits im vorigen Kapitel dargestellt, werden von lediglich fünf Unternehmen die Joint Ventures anteilig in den Konzernabschluss einbezogen. Weitere 20 DAX Unternehmen bilanzieren ihre Joint Ventures bereits nach der Equity Methode bzw. haben in ihrem Konzern keine solchen Beteiligungen.

Bei zwei der untersuchten Unternehmen (Bayer und Deutsche Post) lag der Anteil der Joint Ventures an der Gesamtbilanzsumme bzw. an der GuV bei unter einem Prozent. Hierdurch waren für diese Unternehmen ebenfalls keine wesentlichen Veränderungen zu erwarten. Diese Vermutung hat sich ebenfalls im Rahmen der Simulation bestätigt.

Im Rahmen der Simulation konnten die folgenden Punkte bezugnehmend auf Bilanz und GuV festgestellt werden:

- Die Bilanzsumme der Unternehmen verringert sich tendenziell, da die anteiligen Vermögenswerte und Schulden nicht mehr in den Konzernabschluss übernommen werden.

- Sofern das Ergebnis der Equity Bewertung im Finanzergebnis dargestellt wird und die quotal einbezogenen Unternehmen ein positives operatives Ergebnis erwirtschaften, ist von einem Rückgang des EBIT bzw.

EBITDA auszugehen. Sollten diese Unternehmen bisher ein negatives Ergebnis erwirtschaftet haben, tritt hier ein umgekehrter Effekt auf.

Bezugnehmend auf Financial Covenants ergaben sich die folgenden Feststellungen durch die Simulation:

- EBIT Interest Cover Ratio sowie EBITDA Interest Cover Ratio haben sich in drei der fünf Fälle wesentlich verändert. Die Bandbreite der Veränderung der EBITDA Interest Cover Ratio reichte hierbei von einem Absinken um 0,07% Prozent bei Bayer bis zu einem Rückgang von 17,31% bei Volkswagen.

- Im Bereich der Leverage Ratio kam es ebenfalls zu einer deutlichen Veränderung, da auch hier die Darstellung der Bewertung im Finanzergebnis eine wesentliche Rolle spielt. In diesem Bereich war jedoch festzustellen, dass die Veränderung durch die Verkürzung der Bilanzsumme abgeschwächt wurde. Durch die allgemeine Verkürzung der Bilanz fiel der Effekt in diesem Zusammenhang nicht so drastisch aus. In diesem Fall reichte die Bandbreite der Veränderung von einem Rückgang um 0,04% im Falle der Deutschen Post bis zu einer Steigerung um 7,83% bei Heidelberg Cement.

- Im Bereich des Working Capital waren grundsätzlich keine größeren Änderungen zu erwarten. Da sowohl die anteiligen kurzfristigen Vermögenswerten als auch die anteiligen kurzfristigen Verbindlichkeiten im Rahmen der Umstellung der Konsolidierungsform nicht mehr in den Konzernabschluss mit einbezogen werden, ergibt sich hier grundsätzlich keine bedeutende Veränderung. Hierbei konnte nur für Heidelberg Cement eine wesentliche Veränderung festgestellt werden, da in den Joint Ventures ein überproporzional hoher Anteil an kurzfristigen Verbindlichkeiten vorhanden war. Dadurch kam es zu einer Steigerung des Working Capital um ca. elf Prozent. Bei allen anderen untersuchten Unternehmen lag die Veränderung unter zwei Prozent.

Im Bereich der Kapitalstruktur kam es aufgrund der Annahmen, welche für die Simulation getroffen werden mussten, grundsätzlich zu einer Verbesserung. Dadurch, dass sich das Konzerneigenkapital durch die Annahme, dass der Equity Ansatz dem errechneten Eigenkapital entspricht, nicht verändert hat und die Verbindlichkeiten tendenziell sinken, ergibt sich eine Verbesserung der Eigenkapitalquote und des Verschuldungskoeffizienten in allen Fällen.

Abschließend ist daher festzustellen, dass sich der Zinsdeckungsgrad durch das Absinken des EBIT tendenziell verschlechtert. Im Bereich des Working Capital sind keine wesentlichen Veränderungen zu erwarten, sofern die kurzfristigen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten im Bereich der Joint Ventures nicht deutlich divergieren. Im Bereich der Kapitalstruktur ist grundsätzlich von einer Verbesserung auszugehen, da in dieser Annahme das Eigenkapital unverändert war und sich dadurch eine Verbesserung der Eigenkapitalquote ergab.

6.1 Einschränkungen der Arbeit

Für die Berechnung der Financial Covenants mussten vor und nach der Simulation einige Annahmen getroffen werden, da die Informationslage in den jeweiligen Abschlüssen nicht ausreichend war. In weiterer Folge mussten auch Annahmen zu den genauen Daten der Umstellung getroffen werden, da diese Daten nicht zur Verfügung standen. Aus diesem Grund eignet sich diese Arbeit nur bedingt für allgemeine Handlungsempfehlungen, da hierfür die Datenqualität nicht ausreichend ist. Ebenso waren in der finalen Analyse nur fünf Unternehmen enthalten, da im DAX keine weiteren Gesellschaften vorhanden waren, welche ihre Joint Ventures anteilig einbezogen haben. Durch diese geringe Stichprobe können keine ausreichend fundierten Empfehlungen abgegeben werden.

6.2 Handlungsempfehlung

Die empirische Untersuchung der Geschäftsberichte zeigte ein sehr divergierendes Bild der Auswirkungen von IFRS 11 auf die Financial Covenants der Unternehmen. Insgesamt sind bei 3 von 25 Unternehmen größere Auswirkungen durch die Umstellung zu erwarten, da der Anteil der Joint Ventures bei über 5% der Gesamtbilanzsumme liegt. In allen anderen Fällen kommt es zu keiner Veränderung aufgrund der zukünftigen Bilanzierungsstandards oder der Anteil der Joint Ventures am Gesamtkonzern kann als unwesentlich betrachtet werden, da dieser bei unter einem Prozent der Gesamtvermögenswerte liegt.

Aus Sicht des Autors ist es daher notwendig, frühzeitig mit einer Analyse der Auswirkung der Umstellung zu beginnen. Sollte in diesem Rahmen festgestellt werden, dass die Veränderungen in Bilanz und GuV marginal sind, so sind keine weiteren Schritte erforderlich. Sollte es jedoch zu drastische Auswirkungen auf gängige Financial Covenants kommen, so ist eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit den Kapitalgebern ratsam, um hier eine entsprechende Anpassung der Covenants zu erwirken, damit ein Breach of Covenants durch die Umstellung der Rechnungslegungsstandards vermieden wird.

 
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