Desktop-Version

Start arrow Finanzen arrow Konzernabschlüsse unter Berücksichtigung von IFRS 11

  • Increase font
  • Decrease font


<<   INHALT   >>

4.5 Verstoß gegen Covenants

Durch die Definition von Covenants wird dem Gläubiger ein Mechanismus zur Früherkennung einer möglichen Zahlungsunfähigkeit des Schuldners gegeben. Um das Kreditausfallsrisiko zu reduzieren, muss jedoch definiert werden, welche Maßnahmen ergriffen werden, sofern es zu einem Verstoß gegen die vereinbarten Auflagen, zum sog. Breach of Covenants, kommt. Hierfür hat sich ein breiter Maßnahmenpool herausgebildet, welcher in der nachfolgenden Grafik dargestellt ist.

Abbildung 14: Breach of Covenants

Eine Kündigung des jeweiligen Vertrages stellt im Maßnahmenpool die drastischste Maßnahme des Gläubigers dar. Ein Breach of Covenants führt jedoch nur selten zur Kündigung bzw. ist dieses Recht auch auf eine Vertragsverletzung von wesentlichen Covenants beschränkt. Ein Verzicht auf das Kündigungsrecht des Gläubigers wird über einen sog. Waiver geregelt. Kommt es zu einer Verletzung von unkritischen Covenants, so wird auf Antrag des Schuldners ein Waiver von der Bank erteilt, wobei hierfür jedoch Gebühren erhoben werden können, welche als Waiver Fees bezeichnet werden. Zudem ist zu beachten, dass auch wenn auf die Kündigung des Vertrages verzichtet wurde, weitere Maßnahmen des Gläubigers ergriffen werden können.

Diese Maßnahmen beginnen üblicherweise mit der Nachverhandlung der bestehenden Finanzierungslinie zwischen dem Kapitalgeber und dem Schuldner. Sollte es sich um einen kritischen Fall handeln, so werden vom Gläubiger teilweise bereits bestehende Kreditlinien eingefroren, um so seine Verhandlungsposition für die Nachverhandlung zu stärken.

Als weitere Maßnahmen des Gläubigers zur Ahndung des Breach of Covenants können ebenso zusätzliche Sicherheiten vom Schuldner verlangt werden. Ebenso ist es denkbar, dass eine Erhöhung des Eigenkapitals vorgeschrieben wird, eine Beschränkung von zukünftigen Investitionen vereinbart wird oder, dass der Schuldner dazu verpflichtet wird, nicht betriebsnotwendiges Vermögen zu veräußern, um so seine Kapitalstruktur zu stärken.

4.6 Bedeutung von Covenants in Kreditverträgen

Bereits im Jahr 1992 wurde von David B. Citron die Bedeutung von Financial Covenants untersucht. In dieser Untersuchung wurden 33 englische Banken über die Anwendung von Financial Covenants in Kreditverträgen sowie die möglichen Kosten bei einer Verletzung der vertraglichen Vereinbarungen befragt. Diese Studie stellt nach Aussage des Autors die erstmalige empirische Erhebung der Verwendung von Financial Ratio Covenants (FRC) in britischen Kreditverträgen dar. Die empirische Erhebung kam zu dem Resultat, dass die Verwendung von FRC maßgeblich vom Kreditvolumen, dem Verschuldungsgrad des Kreditnehmers, den Kreditvereinbarungen sowie den gestellten Sicherheiten abhängt. Während die ersten drei Faktoren in einer positiven Korrelation zum Vorhandensein von FRCs stehen, stellt der vierte Faktor, das Vorhandensein von Sicherheiten, eine negative Korrelation dar, da diese das Risiko des Kreditnehmers einschränken. Die Studie kam zu dem Resultat, dass bei Darlehen, welche eine Million Pfund übersteigen, für besicherte Kredite in 67% der Fälle und für unbesicherte Kredite in 72% der Fälle FRCs in den Verträgen vereinbart wurden.

In einer weiteren Studie von Citron/Robbie/Wright aus dem Jahr 1997, in welcher 25 Banken zur Buyout-Finanzierung in Großbritannien befragt wurden, zeigte sich eine hohe Bedeutung von Financial Covenants in diesem Zusammenhang. Es zeigte sich, dass sowohl Financial Covenants als auch Affirmative Covenants von einer bedeutenden Mehrheit der Banken in ihren Kreditverträgen verwendet wurde. Das Ergebnis der Studie ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.

Abbildung 15: Erhebung Covenants

In einer Studie von Mather und Peirson aus dem Jahr 2006 wurden 36 Kreditverträge aus dem öffentlichen Bereich sowie 41 Kreditverträge aus dem Privatbereich untersucht. Die Autoren kamen hierbei zu dem Schluss, dass im Bereich der öffentlichen Verträge die Covenants im Vergleich zu einer vorhergehenden Studie aus dem Jahr 1986 weniger restriktiv wurden. Im privaten Bereich hingegen ging die Entwicklung Richtung einer größeren Anzahl und restriktiveren Covenants. Im privaten Bereich wurde in 78% der Fälle eine Mindestdeckung der Zinsaufwendungen (Interest Cover Ratio) vereinbart. In 46% der Fälle wurde für das Working Capital ein Minimalverhältnis festgelegt. Zudem wurde in 42% der Fälle eine Besicherung in Form einer Anlagendeckung (Verbindlichkeiten zu Anlagevermögen) vereinbart.

Eine umfangreiche Untersuchung über die Kreditvergabe in den Jahren 1994 bis 2005, welche im Journal of Finance von Chava und Roberts publiziert wurde, zeigte folgendes Bild über die Relevanz von Debt Covenants.

Covenant

Anzahl der

Kredite

Anzahl der Kreditpake-

te

Gesamtkreditsumme (in Milliar-

den $)

Max. Debt to EBITDA

7.544

4.417

1.480,53

Min. (Tangible) Net Worth

7.196

4.931

926,67

Min. Fixed Charge Coverage

6.064

3.514

842,95

Min. Interest Coverage

5.856

3.486

1.299,70

Max. Leverage Ratio

2.401

1.748

758,06

Max. Debt to Tangible Net Worth

2.331

1.677

137,90

Min. Current Ratio

2.098

1.455

126,45

Min. Debt Service Coverage

1.906

1.186

126,08

Max. Senior Debt to EBITDA

1.654

857

231,34

Min. EBITDA

1.556

886

135,32

Min. Quick Ratio

779

555

19,16

Min. Cash Interest Coverage

321

165

60,70

Max. Debt to Equity

169

119

27,95

Max. Senior Leverage

20

10

4,54

Max. Loan to Value

19

8

0,97

Tabelle 2: Untersuchung Debt Covenants

Auch hier zeigte sich, dass die Leverage Ratio und die Interest Cover Ratio eine wesentliche Rolle spielen. Kennzahlen wie eine Cash Interest Cover Ratio oder absolute Ergebnisgrößen haben eher eine untergeordnete Rolle.

Im Zuge der letzten Wirtschaftskrise wurde vom Unternehmensberatungsinstitut Roland Berger die Studie „Financial Covenants in der Unternehmensfinanzierung“ durchgeführt. Hierbei wurden insgesamt 500 Chief Financial Officers von führenden Unternehmen befragt. Die Studie brachte das Ergebnis, dass die Unternehmen für die nächsten 6-12 Monate weitere Schwierigkeiten in der Kapitalbeschaffung erwarten, jedoch der Meinung sind, sich den Zugang zu Eigen- und Fremdkapital durch Gläubigerschutzmechanismen wie Financial Covenants weiterhin sichern zu können. Die Unternehmen gaben im Rah-men der Studie an, dass 96% in ihren Kreditverträgen positive Covenants vereinbart haben. In 76% der Fälle wurden Financial Covenants vereinbart. Hierbei zeigte sich, dass vor allem Covenants in Bezug auf die Schuldendienstfähigkeit von großer Relevanz sind, da insgesamt 64% eine EBITDA Interest Cover Ratio vereinbart haben. Des Weiteren kommen Verschuldungskennzahlen wie die Leverage Ratio in 59% der Fälle zum Einsatz. Eigenkapitalklauseln wie Debt / Equity Ratio kommen immerhin noch bei 28% der Verträge zum Einsatz.

Der Ratingagentur Moody's zufolge hatten im Jahr 2008 45% der Gesellschaften mit einem niedrigen Ausfallsrisiko (Investment Grade) Kreditverträge, welche Covenants enthalten und 75% der Gesellschaften mit einem hohen Ausfallsrisiko (Non-Investment Grade) Covenants in ihren Verträgen. Die Korrelation zwischen Schuldendienstfähigkeit sowie Financial Covenants wurde ebenso von Citron in seiner Studie 1992 festgestellt. In ihrem Artikel Financial Covenant Management aus dem Jahr 2012 werden von Hannen die folgenden relevanten Kennzahlen für Unternehmen angeführt:

- Eigenkapital und Verschuldung: absolute Höhe des Eigenkapitals, Gearing Ratio (Verhältnis Eigenkapital zu Fremdkapital)

- Ertrag: Debt Service Cover Ratio, Leverage Ratio, Interest Cover Ratio

- Liquiditätskennzahlen: Current Ratio (Verhältnis kfr. Verbindlichkeiten zu kfr. Umlaufvermögen), Capex Limit

 
<<   INHALT   >>

Related topics