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4.4.2 Verschuldung

Einen weiteren Bestandteil von Financial Covenants in Kreditverträgen stellen Klauseln bezüglich der Verschuldung, dem sog. Gearing, des Kreditnehmers dar. Bei diesen Covenants wird darauf abgestellt, dass das Verhältnis des Eigenkapitals zum Fremdkapital eine gewisse Grenze nicht überschreiten darf.

Durch die Ausgestaltung der Verschuldung als Relation zum Eigenkapital des Schuldners wird eine weitere Finanzierungsfreiheit sichergestellt, da sich die mögliche Fremdkapitalaufnahme linear zum jeweiligen Eigenkapital verändert. Des Weiteren wird durch eine solche Klausel verhindert, dass der Schuldner versucht, sinkende Erträge durch die weitere Zuführung von Fremdkapital in das Unternehmen zu verschleiern.

Nach Preißler sind die folgenden Kennzahlen für die Verschuldung eines Unternehmens anwendbar:

Formel 2: Verschuldungskoeffizient Für die Definition des Eigenkapitals, siehe Kapitel 4.4.1.

Der Verschuldungskoeffizient errechnet das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital im Unternehmen. Hieraus kann abgeleitet werden, in welcher Höhe Außenstehende zur Finanzierung des Unternehmens beitragen.

Formel 3: Dynamischer Verschuldungsgrad

Der dynamische Verschuldungsgrad gibt die fiktive Schuldentilgungsdauer eines Unternehmens in Jahren an. Ein zunehmender Verschuldungsgrad zeigt eine abnehmende Verschuldungsfähigkeit sowie eine zunehmende Abhängigkeit von Fremdkapitalgebern an. Als Cash Flow werden hierbei alle Einzahlung- und Auszahlungen einer Periode betrachtet. Alternativ hierzu kann der Verschuldungsfaktor in Jahren berechnet werden:

Formel 4: Verschuldungsfaktor in Jahren

Durch die Leverage Ratio wird die Nettoverschuldung (Net Debt) eines Unternehmens in das Verhältnis zu seinem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) gesetzt. Als Nettoverschuldung sind die Finanzverbindlichkeiten eines Unternehmens abzüglich der liquiden Mittel zu verstehen. Da das EBITDA annähernd dem Bruttocashflow entspricht, kann dadurch die Rückzahlungsfähigkeit des Unternehmens gemessen werden.

Formel 5: Leverage Ratio

4.4.3 Liquidität bzw. Kapitaldienstfähigkeit

Die Liquidität eines Unternehmens bzw. dessen Bestand an liquiden Mitteln bestimmt in einem hohen Ausmaß das Ausfallrisiko des Gläubigers. Ein Absinken des Nettoumlaufvermögens unter eine bestimmte Grenze kann, unabhängig von anderen Kennzahlen, bereits ein kritisches Zeichen für eine drohende Zahlungsunfähigkeit sein. Aus diesem Grund werden in Kreditverträgen ebenso Financial Covenants, welche sich mit der Liquidität eines Unternehmens beschäftigen, vereinbart.

Innerhalb der Klauseln werden die kurzfristigen liquiden Mittel im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten betrachtet. Diese dürfen ein bestimmtes Verhältnis nicht übersteigen, um so die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Sollten die kurzfristigen Verbindlichkeiten die kurzfristigen liquiden Mittel übersteigen, so wird von einer fristeninkongruenten Bilanz gesprochen, bei welcher die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit steigt.

Alternativ zur Betrachtung der liquiden Mittel und kurzfristigen Verbindlichkeiten kann auch ein bestimmtes Working Capital festgelegt werden. Diese Definition erfüllt weitestgehend mit der eingangs genannten Anforderung. Um die Mittel des Gläubigers abzusichern, findet sich häufig zusätzlich zu den genannten Verhältniszahlen des weiteren noch eine Obergrenze für Investitionen. Diese Obergrenze dient einerseits dazu, den Gläubiger zu schützen und andererseits den Handlungsspielraum der Gesellschaft nicht zu stark einzuschränken. .

Die folgenden Kennzahlen lassen sich hierfür definieren:

Formel 6: Working Capital Aus dem Working Capital lässt sich die zukünftige Liquiditätslage des Unternehmens ableiten. Sollte das Working Capital unter 100% liegen, müsste es theoretisch zum Verkauf von langfristigem Vermögen kommen, um kurzfristige Verbindlichkeiten tilgen zu können.

Das Working Capital in Prozent wird in der Literatur teilweise auch als Liquidität 3. Grades verstanden. Ebenso wird auch häufig noch die Liquidität 1. und 2. Grades angeführt. Die Definitionen dieser Kennzahlen sind im Folgenden angeführt.

Formel 7: Liquidität 1. Grades

Formel 8: Liquidität 2. Grades

Formel 9: Liqudität 3. Grades

Um den Grad der Verschuldung zur Ertragsfähigkeit zu messen, wird die Debt Service Cover Ratio (DSCR) herangezogen. Hierbei wird die Relation zwischen Schuldendienst und dem verfügbaren Cash Flow gemessen. Diese berechnet sich folgendermaßen:

Formel 10: Debt Service Cover Ratio


4.4.4 Ertragslage

Im Bereich der Ertragslage ist es für den Gläubiger vor allem relevant, dass die Ertragskraft des Unternehmens ausreichend ist, um das zugeführte Fremdkapital im vereinbarten Zeitraum zurückführen zu können. Diese Klauseln werden auch als Zinsdeckungsklauseln oder Interest Cover Ratio bezeichnet. Die Bedeutung für die Gläubiger ergibt sich daraus, dass eine Gesellschaft bei Nicht-Erfüllung ihrer Fremdkapitaldienste in eine Überschuldung geraten kann und sich dadurch ein Kreditausfall für den Kapitalgeber ergeben würde. Zudem wird auch das Verhältnis zwischen Gewinn und Zinsaufwendungen einer Gesellschaft überprüft. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Sensitivität der Gesellschaft bei einem eventuellen Anstieg des Zinsniveaus ableiten.

Im Folgenden sind die Berechnungsmethodiken für die relevanten Kennzahlen angeführt:

Formel 11: Zinsdeckungsquote

Die Zinsdeckungsquote setzt das EBIT (Earnings before Interest and Taxes) in das Verhältnis zum Zinsaufwand der jeweiligen Periode. Ein Zinsdeckungsgrad von Eins gibt an, dass ein Unternehmen das komplette Ergebnis aus dem operativen Bereich in die Zinstilgung investieren muss. Sollte die Deckungsquote unter Eins liegen, ist davon auszugehen, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen aus dem Fremdkapital nicht mehr nachkommen kann.

Nach Ellenberger und Haghani hat eine durchgeführte Studie ergeben, dass das EBITDA (Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization oder Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) Interest Cover für 93% der befragten Bankmanager eine sehr hohe bzw. hohe Relevanz hat. Die EBITDA Interest Cover Ratio berechnet sich folgendermaßen:

Formel 12: EBITDAIC

Formel 13: Schuldendienstquote

Die Schuldendienstquote berücksichtigt zusätzlich zur Zinsdeckungsquote ebenfalls die anfallenden Tilgungen einer Periode. Grundsätzlich unterscheiden sich die beiden Kennzahlen nicht von der Interpretation.

 
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