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3.5 Neuregelung der Konzernabschlussstandards

Mit Mai 2011 wurden vom IASB drei neue Standards zur Konzernrechnungslegung veröffentlicht. Diese umfassen IFRS 10 – „Consolidated Financial Statements“, IFRS 11 „Joint Arrangements“ sowie IFRS 12 „Disclosure of Interests in Other Entities“.

Die Abbildung 9 zeigt den Zusammenhang zwischen den neuen Standards.

IFRS 10 ersetzt die bisherigen Standards IAS 27 für Konzernabschlüsse sowie SIC-12. Damit wird in IAS 27 künftig ausschließlich die Bilanzierung von Tochtergesellschaften, gemeinschaftlich geführten Unternehmen sowie assoziierte Unternehmen im IFRS Einzelabschluss geregelt. IFRS 11 löst IAS 31 sowie SIC-13 ab und in IFRS 12 werden zukünftig alle Angabevorschriften in den Anhangsangaben bezüglich Konzernabschlüssen sowie die Angaben, welche bisher in IAS 31 und IAS 28 geregelt waren, enthalten sein.

Abbildung 9: IFRS 10, 11 und 12

3.6 IFRS 11

Bereits im September 2007 wurde vom IASB mit ED 9 „Joint Arrangements“ ein Entwurf zur Neuregelung der bilanziellen Darstellungen von Joint Ventures vorgelegt. In der darauffolgenden Kommentierungsphase wurde dieser Entwurf mehrheitlich vom Grundsatz her unterstützt, jedoch stießen die konzeptionelle Umsetzung sowie die Abschaffung des Wahlrechtes für die Quotenkonsolidierung für Gemeinschaftsunternehmen auf heftige Kritik im Schriftum und in der Praxis. Die Sinnhaftigkeit der Abschaffung wird auch von früheren Studien nicht unterstützt. Hierbei wurde festgestellt, dass die Quotenkonsolidierung beispielsweise sinnvoll ist, da sie zusätzliche Informationen zur Verfügung stellt.

Mit 12.05.2011 wurde vom IASB der Standard IFRS 11 „Joint Arrangements“, welcher auf dem ED 9, basiert, veröffentlicht. Zeitgleich zu dieser Veröffentlichung wurden ebenfalls IFRS 10 „Consolidated Financial Statements“ sowie IFRS 12 „Disclosure of Interests in Other Entities“ vorgestellt, welche eine umfassende Reform der Konzernrechnungslegung nach IFRS darstellen und daher erhebliche Auswirkungen auf die Abschlussersteller, -prüfer sowie

-adressaten haben werden. Im veröffentlichten Standard wurde zwar auf die

eingangs erwähnte Kritik Rücksicht genommen und es kam zu einer konzeptionellen Überarbeitung des Standards IFRS 11, jedoch ist auch in dem finalen Standard das Wahlrecht zur Quotenkonsolidierung nicht mehr vorgesehen. Die Anforderungen von IFRS 11 führen nach Ansicht des IASB zu einer zunehmenden Konvergenz der IFRS mit den Rechnungslegungsvorschriften des US-GAAP.

Gegenstand des Standards IFRS 11 ist die bilanzielle Darstellung von gemeinschaftlichen Vereinbarungen sowohl im IFRS Einzelabschluss als auch im Konzernabschluss. Zum Zwecke der Bilanzierung wird im Standard der Begriff der „gemeinschaftlichen Beherrschung (joint control)“ definiert und es erfolgt eine Verpflichtung für alle beteiligten Parteien, innerhalb einer gemeinschaftlichen Vereinbarung eine Typisierung der Rechte und Pflichten der Vereinbarung vorzunehmen. Hierbei ist die rechtliche Form, in welcher es zur Ausübung der gemeinschaftlichen Beherrschung kommt, für die Klassifikation nicht entscheidend. Die Anwendung von IFRS 11 ist für alle Unternehmen, welche einen IFRS Abschluss erstellen, verpflichtend und es existieren keine Sonderregelungen für Wagniskapitalgesellschaften, Investmentfonds oder fondsgebundene Versicherungen. Damit haben auch diese ihre gemeinschaftlichen Vereinbarungen nach IFRS 11 zu bilanzieren.

Eine gemeinschaftliche Vereinbarung definiert sich dadurch, dass zwei oder mehrere Parteien gleichzeitig in einer beherrschenden Stellung sind. Hierfür ist charakteristisch, dass es einen Vertrag gibt, welcher allen Vertragsparteien die gemeinschaftliche Beherrschung einräumt. Diese beiden Merkmale einer gemeinschaftlichen Vereinbarung gelten unabhängig davon, ob es sich bei der Vereinbarung um eine gemeinschaftliche Tätigkeit (joint operation) oder ein Gemeinschaftsunternehmen (joint venture) handelt.

In der folgenden Grafik sind die konzeptionellen Unterschiede zwischen IAS 31 sowie IFRS 11 zusammengefasst.

Abbildung 10: Abgrenzung IAS 31 zu IFRS 11

Die Klassifikation nach IAS 31 wurde in der Arbeit bereits in Kapital 3.4 abgehandelt. Für die bilanzielle Darstellung kann auf die Kapitel 3.4.1 bis 3.4.4 verwiesen werden. Aus diesem Grund werden diese im Folgenden nicht näher behandelt.

Die folgende Grafik zeigt einen Entscheidungsbaum zur Abgrenzung zwischen joint operations und joint ventures:

Abbildung 11: Abgrenzung Joint Venture und Joint Arrangement

 
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