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3.4.2 Gemeinschaftlich geführtes Vermögen

Sofern im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes zwischen mehreren Unternehmen ein gemeinsames Eigentum an einem oder mehreren Vermögenswerten vorliegt, welches in ein gemeinschaftliches Projekt eingebracht wurde, so wird im Rahmen der IFRS von einem gemeinschaftlich geführten Vermögen oder einem „jointly controlled asset“ gesprochen. Jedem Partner, welcher ein Vermögen eingebracht oder zu diesem Zweck erworben hat, steht ein Anrecht auf die anteiligen Erträge und Aufwendungen, welche durch das gemeinschaftliche Vermögen erzielt worden sind, zu.

Im Einzel- und im Konzernabschluss werden daher nach IAS 31.21 die anteiligen Vermögenswerte, Schulden, Aufwendungen und Erträge bilanziert. Ebenso wie bei den gemeinschaftlich geführten Tätigkeiten müssen die Vertragspartner für das Vermögen keinen gesonderten Abschluss aufstellen, jedoch kann dies auf freiwilliger Basis zu Kontrollzwecken durchgeführt werden. Da die jeweiligen Posten bereits im Einzelabschluss verpflichtend aufzunehmen sind, sind im Rahmen der Konzernrechnungslegung keine gesonderten Anpassungen mehr notwendig. Die folgenden Posten sind in den Abschluss mit einzubeziehen:

- Das anteilige eingesetzte Vermögen, welches nach Art des Vermögenswertes klassifiziert werden muss und nicht als Finanzanlagevermögen geführt werden darf.

- Die Schulden, welche für das Joint Venture gemeinsam mit dem Partnerunternehmen aufgenommen wurden.

- Die Schulden, welche das Unternehmen in seinem eigenen Namen zur Finanzierung des Joint Ventures eingegangen ist.

- Anteilige Erträge sowie Aufwendungen, welche in der jeweiligen Berichtsperiode durch das gemeinschaftliche Vermögen angefallen sind.

- Eigene Aufwendungen, welche aus der Kooperation resultieren.

3.4.3 Gemeinschaftsunternehmen

Gemeinschaftsunternehmen stellen den Haupttyp von Joint Ventures dar. Bei dieser Form handelt es sich um eine Partnerschaft, in welcher jeder Partner eher einen beherrschenden als einen maßgeblichen Einfluss hat.

Das Gemeinschaftsunternehmen ist ein rechtlich selbständiges Unternehmen, an welchem beide Partner zu gleichen Teilen Anteile halten. Hierdurch ist keiner der Anteilseigner in der Lage, bedeutende Entscheidungen alleine zu fällen, da jeder Partner die Möglichkeit hat die Entscheidung zu blockieren, wodurch Entscheidungen nur mit der Zustimmung beider Parteien getroffen werden können. Obwohl diese Konstruktion als Modell für ein Gemeinschaftsunternehmen gedacht ist, kommt es in der Realität häufig vor, dass an einem solchen Unternehmen mehr als zwei Partner beteiligt sind. Hierbei werden entsprechende vertragliche Vereinbarungen getroffen, in welchen festgehalten wird, dass wichtige Entscheidungen nur mit der Zustimmung aller Partner getroffen werden dürfen und eine einfache Mehrheit nicht ausreichend ist.

Im Gegensatz zu gemeinschaftlich kontrollierten Vermögenswerten oder gemeinschaftlichen Aktivitäten muss bei einem Gemeinschaftsunternehmen ein gesonderter Einzelabschluss nach jeweiligen Rechnungslegungsvorschriften des Landes, in welchem das Joint Venture seinen Sitz hat, erstellt werden, da es sich um ein rechtlich selbständiges Unternehmen handelt. Im Einzelabschluss der Partnerunternehmen werden Joint Ventures entweder als Beteiligung at cost bzw. als Finanzinstrument nach IAS 39 bilanziert. Für den Konzernabschluss besteht derzeit noch ein explizites Wahlrecht zwischen der Quotenkonsolidierung nach IAS 31.30 oder der Anwendung der Equity Methode nach IAS 31.38. Sofern von diesem Wahlrecht gebraucht gemacht wurde, ist es zwingend für alle Gemeinschaftsunternehmen gleich anzuwenden.

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Sofern Anteile an einem Joint Venture ausschließlich zur Weiterveräußerung erworben wurden, sind diese nach IFRS 5 zum Fair Value abzüglich Veräußerungskosten zu bilanzieren. Dies betrifft den Einzelsowie den Konzernabschluss gleichermaßen.

3.4.4 Bilanzielle Darstellung von Joint Ventures

Wie bereits im vorangegangenen Kapitel erwähnt, existiert nach IAS 31.30 ein Wahlrecht für die Bilanzierung von Joint Ventures. Diese können entweder nach der Equity Methode oder im Rahmen der Quotenkonsolidierung im Konzernabschluss dargestellt werden. Da die Equity Methode bereits erschöpfend im Bereich der assoziierten Unternehmen dargestellt wurde, wird in diesem Kapitel ausschließlich die Quotenkonsolidierung behandelt.

Bei der Quotenkonsolidierung werden von jedem Partnerunternehmen im Rahmen der Konzernbilanz die anteiligen Vermögenswerte und Schulden des jeweiligen Joint Ventures dargestellt. Ebenso werden für die Konzern Gewinn- und Verlustrechnung die anteiligen Aufwendungen und Erträge miteinbezogen. Das Verfahren entspricht im Wesentlichen der Vollkonsolidierung, wobei die Werte der quotenkonsolidierten Unternehmen entweder mit den übrigen Posten des Konzernabschlusses gemeinsam dargestellt oder von diesen getrennt ausgewiesen werden können.

Im Konzernanhang sind von jedem Partnerunternehmen zudem die Anteile an wesentlichen Joint Ventures und gemeinschaftlich geführten Unternehmen anzugeben. Sofern innerhalb der Konzernbilanz und der Konzerngewinn- und Verlustrechnung die Posten der Joint Ventures nicht getrennt von den übrigen Posten angeführt wurden, sind diese in den Anhangsangaben anzuführen. Diese Angabe muss unterteilt sein in:

- Kurzfristige und langfristige Vermögenswerte

- Kurzfristige und langfristige Schulden

- Aufwendungen und Erträge

 
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