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5. Schlusswort

Im folgenden Kapitel sollen nun die Forschungsfragen beantwortet und ein Fazit formuliert werden.

Wie bereits in der Analyse erwähnt, ist die Ressortverteilung sehr stark auf hard news fokussiert – die höchsten Prozentsätze erreichen International, Wirtschaft und Inland beim Standard und Österreich, Welt und Sport bei der Krone. Es ist jedoch zu beachten, dass die Krone kein eigenes Ressort für Wirtschaft aufweist.

Hier ist Optimierungsbedarf in der Ressorteinteilung erkennbar – es hat den Anschein, dass Ressorts bei jeder Zeitung einer Willkürlichkeit folgen und selbst in der Zeitung selbst nicht immer durchgängig verwendet werden. Hierbei liegt aber schon eines der Hauptprobleme. Viele Artikel, die beispielsweise Österreich/Inland oder Welt/International zugeordnet werden, sind schwer als hard news einzusortieren – sie bestehen häufig auch aus Zerstreuungsthemen, Skandalen, Katastrophen und Ähnlichem was nach verschiedensten Definitionen jedoch eher den soft news zuzuordnen wäre. Beim Standard ist ersichtlich, dass sich andauernd neue Ressorts herausbilden.

Betrachtet man die prozentuale Verteilung, lässt eine hohe Anzahl von hard news vermuten, dass journalistische Qualität im Bereich der Themenwahl erhalten bleibt. Die Erstannahme beziehungsweise Hypothese, dass der Standard im Gegensatz zur Krone einen stärkeren Schwerpunkt auf hard news setzt, kann nur bedingt bestätigt werden. Hierfür wäre es auch interessant, sich näher mit dem Thema zu befassen und eventuell mit einzubeziehen, wie die Artikel angeboten werden – Stil, Titel, Bild, etc.

Udris und Lucht, 2009 haben, wie in der Einleitung formuliert, eine zu bestätigende Annahme dargelegt. Hard news überwiegen gegenüber soft news – trotzdem sind die soft news nicht zu vernachlässigen und stets vertreten.

Ein interessanter Aspekt ist, dass bei der Print-Version erstmals das Ressort Inland/Österreich einen sehr hohen Stellenwert einnimmt – mit einem Anteil von über 50% bei der Krone weist die Print-Version hier ein klares Alleinstellungsmerkmal heraus. Dies könnte eventuell auf das ältere und traditionellere Publikum der Print-Version zurückzuführen sein. Es wäre interessant, hier die Faktoren der Themenwahl bei den Zeitungen zu untersuchen, um herauszufinden, ob solche Phänomene aufgrund dieser Zielgruppe herbeigeführt werden. Man könnte hier auch mit einbeziehen, dass bei der Krone die inländische Berichterstattung in der Ressortverteilung hierarchisch über der internationalen steht – beim Standard ist dies umgekehrt zu beobachten.

Auch bezüglich des Mediums Internet lassen sich einige interessante Gedanken festhalten. Ein „Problem“ stellte die unfassbare Aktualität dar, die merkbar wurde durch den schnellen Wechsel der Artikel. Ein großer Vorteil jedoch war die unfassbare Speichermöglichkeit – zum Zeitpunkt der Überarbeitung dieses Textes im Sommer 2013 konnten noch die meisten Artikel in voller Länge eingesehen werden.

Um Unterschiede in der Qualitätsdebatte erhalten zu können, sind die Unterschiede selten markant genug. Magin / Stark, 2011 formulieren im Rahmen dieser Fragestellung Folgendes:

„Die österreichischen Qualitätszeitungen sind aufgrund dieser starken Marktasymmetrien wettbewerbsverzerrenden Effekten ausgesetzt. […] Thematisiert wird nicht die Krise der Qualitätsmedien, sondern die grundsätzliche Absenz dieses Medientyps“

Vergleicht man diese Aussage mit den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchung, ist zu betonen, dass die Werte der Anzahl von hard news sehr ähnlich sind. Unterschiede sind erst bei den Leitartikeln zu erkennen. Die Krone weist die Tendenz auf, Leitbilder mit soft news-Themen zu publizieren – in allen anderen Aspekten sind auch bei der Krone hauptsächlich hard news zu finden. Auch der gegensätzliche Wert von 37,5% (Krone) zu 85,7% (Standard) der Print-Version weist darauf hin, dass die Krone prinzipiell weniger hard news im Leitartikel publiziert – die OnlineVersion zeigt hierbei jedoch ein anderes Bild und spricht der Krone knapp 10% mehr hard news zu.

Magin/ Stark, 2011 sehen publizistische Vielfalt als ein Qualitätskriterium. In ihrer Studie wurde deshalb die Vielfalt der politischen Berichterstattung untersucht – die Krone weist hierbei den niedrigsten Wert (0,70) auf – der Standard einen weitaus höheren (0,86 bei einem höchsten Wert von 0,87).

Lüger, 1995 spricht sich dafür aus, dass sich das Textsortensystem in informierend, meinungsbetont und eine Restgruppe, welcher die soft news angehören, einteilen lässt. Wie die Ergebnisse der Analyse im Rahmen dieser Arbeit gezeigt haben, lässt sich hier erkennen, dass ein Verschwimmen dieser Klassifikationen naheliegt.

Die beiden Blattlinien sprechen hier jedoch auch ihre Sprache. Der Standard bemüht sich um „gründliche und umfassende Berichterstattung sowie an eine fundierte, sachgerechte Kommentierung auf den Gebieten von Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft“. Die Krone setzt jedoch auf

„die Vielfalt der Meinungen ihres Herausgebers und der Redakteure“

Die Unterschiede zwischen Print- und Online-Version sind eher bei den Zeitungen getrennt zu beobachten. Das Verhältnis der publizierten Artikelteaser wandelt sich bei den beiden Zeitungen genau in die entgegengesetzte Richtung. Wie bereits erwähnt, setzt die Krone bei der Ressortwahl im Print-Bereich hauptsächlich auf Österreich – die internationale Berichterstattung verliert knapp 30%. Bei der Ressortwahl ist beim Standard beinahe kein Unterschied zu erkennen – auch hier ist jedoch tendenziell erkennbar, dass die Print-Version weniger auf internationale Berichterstattung setzt. Prinzipiell weisen die Online-Versionen einen höheren Anteil an hard news auf. Dies deckt sich nicht zwingend mit den Überlegungen zu den RezipientInnen – auch hier wäre ein interessanter Anknüpfungspunkt für weiterführende Studien.

Weitere Perspektiven wären zum Beispiel der direkte Vergleich der Themen (Weist die Online-Version dieselben Themen auf wie die Print-Version, oder sorgt die Aktualität des Mediums Internet hier für einen Unterschied?) oder eine Ausweitung auf die Untersuchung der Themenaufbereitung (Bild, Stil, Titel, Sprache, …).

 
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