Desktop-Version

Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Ressorts im Zeitalter von Medienwandel und Boulevardjournalismus

< Zurück   INHALT   Weiter >

2.3.2. Chancen und Risiken des Online-Journalismus

Günzel, 2007 gibt die Informationsflut im Online-Zeitalter zu bedenken – der gleichsame Vor- und Nachteil dieser technologischen Errungenschaft kann dafür sorgen, dass Information verlorengeht. Dies unterstützt auch das Problem der mangelnden Übersicht in diesem Datenuniversum.

Gleichsam ergeben sich daraus aber auch Chancen – Information kann rund um die Uhr gesendet und empfangen werden. Dies sichert auch die Aktualität. Unmengen von Daten können langfristig gespeichert und sogar im Nachhinein verändert werden.

Ein weiterer Faktor ist die fehlende Periodizität – das „tägliche Zeitungslesen am Frühstückstisch“ muss vom Rezipienten selbst geschaffen und eingehalten werden.

Im Gegensatz dazu sind Abläufe jedoch frei einteilbar – nicht vorgegeben, wie beispielsweise bei einer Radio-Sendung.

Bezogen auf das Verhältnis von Online und Journalismus sind zudem die Theorien von Christoph Neuberger interessant. Er formulierte ein negatives und ein positives Szenario für die Medien, welche hier zusammengefasst werden sollen:

• negatives Szenario

Das Internet stellt ein kostengünstiges Medium dar – somit ist es leistbar und vielerorts auch für „Nicht-Medienunternehmen“ zugänglich (wie beispielsweise Parteien oder Einzelpersonen). Dieser Umstand bringt mit sich, dass Anzeigen mit selektiver Wirkung rar und dementsprechend hart umkämpft sind.

Medien können die Reichweite vergrößern, ohne großen Aufwand zu betreiben – dies verstärkt den Wettbewerb zwischen den Medien (vor allem auch überregional).

Ein weiteres Risiko ist der Verlust von Publikum oder Anzeigen im Printbereich durch eigene Homepages.

• positives Szenario

Ein Vorteil ließe sich in der Mehrfachwertung erkennen – Inhalte, Redaktionen, Verwaltung, etc. kann mehrfach verwendet beziehungsweise eingesetzt werden. Auch Onlinefunktionen, wie Abobestellungen oder Inseratenannahme können sowohl neue Kunden gewinnen, als auch Arbeitsabläufe vereinfachen.

Der Markenname der Zeitung könnte einen Glaubwürdigkeitsbonus sichern – die zahlreichen Anbieter im Internet können dem schwer etwas entgegensetzen.

Der Bekanntheitsgrad könnte hierbei eine Orientierungshilfe sein – Rezipienten bevorzugen vielbesuchte Seiten. Auch der Faktor von „kostenlosen Nachrichten“ könnte Rezipientenbindungen schaffen.

Hierbei nennt Neuberger, 2005, S.168 auch den Umstand, dass journalistische Strukturen einer Tageszeitung leichter ins Internet zu übernehmen sind, als jene von Fernsehen oder Radio – dadurch wird vertraute Atmosphäre geschaffen.

In diesem Zusammenhang muss jedoch auf die Schnelllebigkeit des Internet geachtet werden. Text wird nicht Wort für Wort gelesen, sondern auf Schlüsselwörter oder Kernaussagen durchsucht und somit findet eine starke Selektion statt.

Hans-Jürgen Bucher, 1999 formuliert vier Verstehensprobleme:

• Orientierungsproblem – das Internet bleibt der Zeitung die Strukturierung des Print-Mediums schuldig. Der Nutzer verliert die gewohnte, überschaubare Einteilung und muss sich zuallererst mit dem Aufbau der Seite vertraut machen.

• Einstiegsproblem – es sind Nutzungsentscheidungen zu treffen. Sowohl hinsichtlich Themen, als auch hinsichtlich Habitus.

• Navigationsproblem – das Internet zwingt den Leser dazu, sich zu merken, was er bereits gelesen hat, beziehungsweise, zu wissen, wo sich welcher Hypertext gerade befindet.

• Sequenzierungs- und Einordnungsproblem – Leser besitzen stets eine unterschiedliche Wissensbasis, beziehungsweise unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit dem Internet, der Homepage sowie Hypertexten. Jeder Beitrag muss deswegen als eigene Kommunikationseinheit verstehbar sein, da die Verknüpfungen nicht für jeden gleich ersichtlich sind. Hierbei ist auch das Phänomen der selbstgewählten Rezeptionsabfolge wieder zu nennen.

Bucher formulierte diese Probleme bereits 1999 – heutzutage sind sie deswegen eventuell nicht mehr mit derselben Strenge zu sehen. Dadurch, dass vor allem die momentane Gesellschaft vielfach bereits mit dem Internet umgehen kann, schwinden einige der Probleme in bestimmten Bereichen. Trotzdem sind alle vier der komplexen Situationen auch heutzutage noch nicht außer Acht zu lassen.

Eine Chance stellt auch der zusätzliche Platz dar, da das Internet in dieser Hinsicht nicht annähernd so eingeschränkt ist, wie die Printausgabe einer Zeitung. Hierbei lässt sich auch festhalten, dass Online-Auftritte mittlerweile keineswegs Ergänzungen der Print-Version darstellen, sondern ihr beinahe schon „den Rang ablaufen“. Dies lässt sich auch anhand des Diagramms in Abbildung 1 erkennen.

Abbildung 1: Benutzerzahlen ausgewählter Online-Zeitungen von 1998-2008

In diesem Zusammenhang nennt Knaup auch das Risiko des Qualitätsverlusts. Die „unschlagbare Aktualität“ verhindert teilweise die Überprüfung der Quelle und fördert somit Falschmeldungen. Auch die Länge der Artikel durch Zeitdruck und Aufmerksamkeitsschwund kann darunter leiden.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics