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1.2. Begründung der Relevanz

Die Relevanz dieses Themas, vor allem auf dem Gebiet der Kommunikations- und Medienwissenschaft, entsteht daraus, dass jeglicher Wandel der Gesellschaft einen Wandel der Medienwelt/des Mediensystems (sowohl technologisch als auch inhaltlich) mit sich bringt - und auch umgekehrt. Vor allem anhand interdisziplinärer Anknüpfungspunkte lassen sich relevante Hintergründe herausarbeiten.

Hans-Dieter Kübler beschäftigt sich in seinem Werk „Mythos Wissensgesellschaft“ beispielsweise mit diesen beiden Wandlungsphänomenen.

Der Untertitel „Gesellschaftlicher Wandel zwischen Information, Medien und Wissen“ unterstreicht die oben formulierte Annahme.

„Wenn nicht in kausalen, so doch in funktionalen Zusammenhängen mit den gesellschaftlichen Transformationen stehen die (informationstechnischen) Innovationen und ihre kaum schwindende Dynamik, die aus Sicht vieler das Etikett der Revolution verdienen.“

Es lässt sich hieraus vermuten, dass die unterschiedlichen Veränderungen sich gegenseitig beeinflussen, abschwächen, stärken und/oder verändern.

Auch Raabe und Behmer, 2003 unterstützen diese These durch ihre Beschäftigung mit den „Zusammenhängen zwischen Wandlungsprozessen der Medien wie der Gesellschaft und den an diesen Prozessen beteiligten Akteuren“.

Jegliche Veränderung der Gesellschaft besitzt eine gewisse Relevanz in der Wissenschaft – sowohl ökonomisch, als auch interdisziplinär lassen sich wichtige Fragen verfolgen.

„Sozialer und gesellschaftlicher Wandel […] rückt zunehmend in das Zentrum der unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und Diskurse. Ohne die Berücksichtigung der Medien und ihrer gesellschaftshistorischen Rolle kann er kaum angemessen verstanden werden. Denn die Herausbildung neuer und der Funktionswandel bereits etablierter Medien vollzog sich stets in zeitlicher Parallele zu größeren gesellschaftlichen Veränderungen.“

Da Informationen als „Bausteine des Weltwissens“ betitelt werden und Massenmedien die Funktion zugesprochen wird, diese der Gesellschaft zugänglich zu machen, ist es auf jeden Fall relevant, sich in dieses Themengebiet einzuarbeiten. Bosshart, 2007 sollte hierbei jedoch die weltweit unterschiedlichen Möglichkeiten für den Empfang von Informationen und die daraus folgenden Konsequenzen beachten. Die gesellschaftlichen Phänomene des Wandels und die damit einhergehenden Medien bieten hierfür ein gänzlich neues Fundament, das wissenschaftlich erarbeitet werden sollte, um den Umgang mit diesen Neuerungen möglichst effizient und effektiv nutzen zu können.

Journalismus hat folglich unter anderem die Aufgabe, „wichtige“ Informationen einem möglichst großen Teil der Menschheit zugänglich zu machen

– das Internet bietet hierfür sowohl Möglichkeiten als auch Gefahren. Um mit diesem neuen „Schatz“ verantwortungsvoll umgehen zu können und den Nutzen nicht verkommen zu lassen, beziehungsweise in die „falsche“ Richtung laufen zu lassen, ist es notwendig, den Umgang damit zu lernen. Hierfür braucht es fundierte Theorien und Forschungen, die einen klaren Leitfaden liefern können.

Jarren und Vogel, 2011 sprechen hierbei beispielsweise von Leitmedien. Sie sehen es als eine Hauptaufgabe, dass Zeitungen Meinungen bilden und beeinflussen.

Medien lassen sich also als Vermittler zwischen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nennen, was im selben Werk durch folgende Aussage von Roger Blum unterstrichen wird:

„[…] gibt den klassischen Themenbereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft Priorität und konzentriert sich darauf, die Fakten zu referieren, zu interpretieren und zu kommentieren“

Auch die ständigen Reizüberflutungen in dieser momentanen Leistungsgesellschaft – im Sinne von Selektion bei Information und selbst bei der Wahl des Mediums – formulieren die Frage, wie Rezeption trotzdem

„gewonnen“ wird und dem Wunsch des Publikums nach Vereinfachung Rechnung getragen werden kann. Aufmerksamkeit bildet hier im Rahmen der Aufmerksamkeitsökonomie „knappe Ressource, ökonomisches Gut und Währung“.

Um bei dem Überangebot an Medien, Reizen und Information „mithalten“ zu können, greifen Zeitungen teilweise auf die (bisher „journalismusfremden“) „human-touch“-Themen zurück – ob dieses Phänomen für diesen kommunikationswissenschaftlichen Bereich zuträglich sein kann oder für weniger Qualität sorgt, sollte näher betrachtet werden, um medienwissenschaftlich darauf aufbauend Theorien erstellen zu können.

Wie bereits besprochen, kommt dem Medium Zeitung eine Leitfunktion und somit Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu. Dieser Umstand führt unweigerlich dazu, dass Veränderungen innerhalb dieses Mediums laufend betrachtet werden müssen, um darauf aufbauend den notwendigen Unabhängigkeits- und Qualitätsstandard zu halten.

Der gesellschaftliche Wandel, der den Medienwandel beeinflusst und von ebendiesem wieder beeinflusst wird, schafft sowohl für sozial-, als auch für geisteswissenschaftlichen Disziplinen Forschungsbedarf.

„Natürlich ist es eine empirisch zu klärende Frage, wie fundamental und auf welche Weise sich der derzeitige Wandel der Medien auf den Alltag und Gesellschaft auswirkt. […] Wir mögen generell auch dazu neigen, kurzfristige Entwicklungen über zu betonen, während wir den langfristigen Wandel unterschätzen, weil sich da nicht nur Figur und Bedeutung der Dinge, sondern auch der eigentlich kontrastierende Hintergrund verändern.“

Krotz, 2007 spricht sich dafür aus, dass die Kommunikations- und Medienwissenschaft als Wissenschaft in der Gesellschaft verstanden werden muss und sich als Sozialwissenschaft der Aufgabe bewusst sein muss, sich mit dem Wandel der Kommunikation zu beschäftigen.

Kommunikation als solche und der Wandel derer schafft Anknüpfungspunkte in alle Sozialwissenschaften – auch der Einbezug des „neuen Mediums“ Internet findet in zahlreichen Fragestellungen seine Gültigkeit. Dies besagt also, dass es gilt, den Forschungsbedarf sukzessive zu decken, um den langfristigen Wandel abschätzen zu können.

Die „Zeitungskrise“ als Begriff aus dieser Veränderung, ist durch die nachhaltige Wirkung (sowohl auf Zeitungen, als auch auf RezipientInnen) ein ebenso relevanter Forschungsbereich – nachdem sich zahlreiche Verlage lange nur mit Kostenbegrenzungen und Zusammenschlüssen beschäftigt haben, um die erste Phase dieser Veränderung zu überstehen, ist eine Momentaufnahme eines Online- und Printvergleichs zuträglich für effiziente und effektive Vorbereitung für die Zukunft der Printmedien.

„Auf der einen Seite finden sich Apokalyptiker, die mit einem drohenden (und baldigen) Verschwinden der Zeitung rechnen und damit auch das Ende der Qualitätspresse kommen sehen. Auf der anderen Seite gibt es die Euphoriker, die in den multimedialen und interaktiven Möglichkeiten des Internet neue Chancen für den Qualitätsjournalismus wittern.“

Mit diesen Aspekten möchte sich die vorliegende Arbeit befassen. Hierbei sei auch die Verantwortung des Mediums Zeitung erneut mit Nachdruck erwähnt – wie bereits Lünenborg, 2007 treffend formulierte:

„Demnach ist es Information, die den aufgeklärten Staatsbürger befähigt, kompetent am gesellschaftlichen Geschehen teilzuhaben.“

 
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