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3.3.2 Kernkompetenzen von Fachverlagen

Bevor in einem Verlag neue Titel veröffentlicht werden, müssen diese einen strengen Bewertungs- und Selektionsprozess durchlaufen (vgl. Prostka & Schmidt-Stölting 2009). Diese Auswahl erlangt in Fachverlagen eine besondere Bedeutung, da „Bücher und Fachzeitschriften im professionellen Umfeld zum Know-How-Erwerb beitragen“ (RoszinskyTerjung 2009, S. 49) und die Relevanz der Inhalte den Erfolg der Verlage bestimmt. In den vergangenen Jahren kam es jedoch zu einer Titelflut und folglich immer geringeren Durchschnittsauflagen[1] (vgl. Wilking 2009). Diese Situation kann am besten durch den von Anderson (2006) entwickelten Begriff „Long Tail“ beschrieben werden (siehe Abb. 8). Das Konzept entspricht einer klassischen Nachfragekurve und steht für die große Anzahl lieferbarer Titel, die jedoch nur für ein sehr begrenztes Publikum interessant sind. Vor allem Fachverlage haben daher ihre Produktportfolios bereits erweitert, neue Distributionswege erschlossen und dort, „wo Informationen hochgradig aktualisierungsbedürftig sind [...], haben sich Online-Angebote etablieren können“ (Roszinsky-Terjung 2009, S. 49). Es kann daher festgehalten werden, dass die Kernkompetenz von Fachverlagen darin besteht, Wissensinhalte zu bündeln und unter Verwendung verschiedener Medien für Lehrende und Lernende bereitzustellen.

Abbildung 8: Bedeutung der „Long Tail“ für Fachverlage

Quelle: Eigene Darstellung nach Hangenmüller & Künzel 2009, S. 261; Anderson 2006, S. 54-56

Die Stärken- und Schwächen-Analyse (siehe Abb. 7) bestätigt diese Aussagen und liefert Implikationen für eine mögliche Integration von Fachverlagen entlang der für den Weiterbildungsmarkt spezifischen Wertschöpfungskette. Speziell bei der Auswahl und Beschaffung geeigneter Lerninhalte und -ressourcen sind Fachverlage den Weiterbildungsanbietern überlegen und können somit einen Mehrwert schaffen. Abbildung 9 liefert einen Überblick für die mögliche Integration von Fachverlagen entlang der Wertschöpfungskette. Im Rahmen dieser Integration bündeln Fachverlage die Informationen verschiedener Autoren. Sie verwalten die damit verbundenen Rechte und können die Inhalte, unter Verwendung verschiedenster Medien, den Weiterbildungsanbietern zur Verfügung stellen. Speziell bei Fernunterrichtsanbietern (siehe Kap. 2.5), bei denen dem Einsatz geeigneter Medien eine besondere Bedeutung zukommt, stellt

die Entwicklung und Produktion von Lernmedien mit 13,4% nach Personal- und Betriebskosten den drittgrößten Kostenblock dar (vgl. Weiß 2009). Für Fachverlage hat die Zusammenarbeit mit Weiterbildungsanbietern, vor allem auf gering nachgefragten Spezialgebieten, zudem den Vorteil, dass sie ihre Titel potentiellen Kunden direkt anbieten können. Neue Titel können schließlich nur dann veröffentlicht werden, wenn die

„Auflagehöhe [...] die in der Verlagskalkulation ermittelte Deckungsauflage übertrifft“ (Kleine 2009, S. 73).

Abbildung 9: Integration von Fachverlagen in die Wertschöpfungskette

Quelle: Eigene Darstellung nach Clement et al. 2009, S. 20; Eggers 2009, S. 94

  • [1] Die Deutsche Nationalbibliothek zählt jährlich knapp 100.000 neue Publikationen (vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2012). Diese Entwicklung hat nicht nur zu einem zunehmenden Online-Angebot, sondern auch zu einer wachsenden Bedeutung von Print-on-Demand (POD) Technologien geführt (vgl. Hagenmüller & Künzel 2009).
 
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