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2.6 Ausblick und Trends

Während in den vorangegangenen Kapiteln die Weiterbildungsaktivitäten weitestgehend nach formalen und non-formalen Bildungsgängen segmentiert wurden, sollen im Folgenden eine Reihe von Trends betrachtet werden, die in der näheren Zukunft die gesamte Weiterbildungsbranche betreffen.

In den vergangenen Jahren ist die Durchlässigkeit verschiedener Bildungsebenen bereits stark liberalisiert worden. Unter bestimmten Voraussetzungen erhalten Absolventen beruflicher Fortbildungen oder dualer Ausbildungen die allgemeine HZB und können so ein Bachelor Studium aufnehmen. Zudem können bestimmte berufliche Kompetenzen in einem Studium angerechnet werden (vgl. Völk & Hartmann 2011). Jedoch ist festzustellen, dass der Umbau des Bildungssystems von einer angebotszu einer nachfrageorientierten Struktur in der WB erst in den Anfängen steckt (vgl. Nuissl & Brandt 2009; Achterberg et al. 2010). Experten plädieren daher weiterhin dafür, „die wissenschaftliche Weiterbildung an Hochschulen für nicht-traditionelle Studierende auszubauen und damit einen Beitrag zur Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung zu leisten“ (Dobischat et al. 2010, S. 23).

Zudem ist zu erwarten, dass die Bedeutung von Zertifikatskursen weiterhin zunehmen wird. Werden einzelne Module erfolgreich belegt, erhalten die Teilnehmenden ein Einzelzertifikat. Das Studium einer ausreichenden Anzahl von Modulen führt nach erfolgreicher Belegung, oft über viele Jahre, zu einem anerkannten Studienabschluss einer akkreditierten HS. Die Modularität dieser Angebote bietet Berufstätigen große Flexibilität und Freiheit bei der Gestaltung des Studienverlaufs (vgl. ZFH 2012).

Experten gehen davon aus, dass durch die zunehmende Forderung nach berufsbegleitender wWB im Bereich das selbstgesteuerten Lernens „verstärkt Anstrengungen unternommen werden“ (Nuissl & Brandt 2009, S. 69). Da diese Angebote jedoch oft mit der Implementierung eines ELearning-Angebotes einhergehen, bedürfen sie „einer grundsätzlichen Analyse und Unterstützung, damit sie wirksam sind“ (ebd.). In Deutschland sind etwa 250 E-Learning-Unternehmen aktiv und erwirtschaften einen hochgerechneten Gesamtumsatz von 348 Mio. Euro (vgl. MMBBranchenmonitor 2011; siehe Kap. 4.1 und Anhang XVIII).

Kooperationen zwischen Weiterbildungsanbietern, speziell im Hochschulsektor, werden vor allem dort immer wichtiger, „wo sich erwartbar nachhaltige, die eigene Aufgabe ergänzende und unterstützende Leistungs- und Nutzungsbeziehungen entwickeln können“ (Dollhausen & Weiland 2010, S. 3). Der Vorteil solcher Kooperationen besteht darin, dass sich Anbieter in das strukturierte Umfeld anderer Institutionen einbinden und ihre Angebotsentwicklung darauf abstimmen können. Kooperationen können sowohl mit Partnern außerhalb des Weiterbildungsmarktes zustande kommen als auch zwischen Anbietern innerhalb des Marktes geschlossen werden (vgl. Dollhausen 2010). Auch der Wissenschaftsrat (2006) hält in seinen Empfehlungen zur Differenzierung von HS „Kooperationen für ein geeignetes Instrument, auf veränderte Verhältnisse von Bildungsbereichen und Hochschultypen zu reagieren“ (S.71) und empfiehlt daher „die Ausdifferenzierung des Hochschulsektors durch die Stärkung der Verbundidee voranzutreiben“ (S. 72).

Wie bereits beschrieben unterliegt die heutige Arbeitswelt einem extremen Wandel und beeinflusst somit das Informationsverhalten von Entscheidern. In einer im Auftrag der Verlagsgruppe Deutscher Fachverlage (DFV) durchgeführten Studie wurde dieses Informationsverhalten „im Zeitalter der Spezialisierung und des Multitasking“ genauer untersucht (Kruse 2012, S. 7). Festgestellt wurde dabei, dass Entscheider selbst versuchen Kompetenzen zu erlangen, um durch Eigeninitiative diese Komplexität zu reduzieren. Im Rahmen dieses Megatrends[1] nehmen Fachmedien bei „der ständigen Suche nach glaubwürdigen, kompetenten und vertrauenswürdigen Informationsquellen“ eine Schlüsselrolle ein (ebd., S. 13). Entscheider sind auf der Suche nach einer fundiert recherchierten und akademischen Themendarstellung, bei der die Inhalte leicht verständlich, unterhaltsam und mit hoher Aktualität vermittelt werden. Der Autor der Studie fasst zusammen, dass die Herausforderung darin besteht, „crossmedial über alle Kanäle (Print, Online, Events) aufeinander abgestimmte Informationen zu liefern“ (ebd., S. 21).

  • [1] Kruse (2012) bezeichnet den Megatrend selbst als „Eigenaktivität“ (S. 17).
 
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