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2.2.3 Europäische Zentralbank (Eurosystem) – der „Förderer“

Zu den traditionellen Aufgaben der EZB hinzugekommen [1]sind seit Inkrafttreten der PSD und SEPA vor allem die Funktionen des Meinungsbildners und des Förderers von Entwicklungen. In diesem Kontext agiert die EZB als aufsichtsrechtliches Organ des Markts, [2] ihr obliegt zudem die Rolle des Operators oder Anbieters von neuen Zahlungsdienstleistungen, des Katalysators[3] bei der Umsetzung von Reformen im Rahmen von PSD und SEPA sowie die Nutzung der SEPA-Instrumente innerhalb der Organisation. [4]

Darüber hinaus veröffentlicht die EZB Fortschrittsberichte[5], um über den Stand der SEPA-Realisierung zu informieren. [6] Weiterhin fördert die EZB wissenschaftliche Arbeiten zum Thema der Liberalisierung bzw. Harmonisierung des SEPA-Zahlungsverkehrs. So sind bspw. unter der Schirmherrschaft der EZB in den Reihen der „Working Paper Series“ und der „Occasional Paper Series“ eine Vielzahl von Arbeiten zu unterschiedlichen Sachverhalten im Rahmen von PSD und SEPA veröffentlicht worden. Beispielhaft dafür haben (Rochet und Wright 2009), (BedreDefolie und Calvano 2009) sowie (Börestam und Schmiedel 2011) die Bildung der optimalen Interchange Fee und mögliche Auswirkungen der Höhe der Interchange Fee auf die Zahlungsverkehrsmärkte innerhalb der SEPA untersucht. Aber auch anderen Themengebiete wie die veröffentlichen Analysen von (Kalckreuth et al. 2009) über die Entwicklung der Zahlungsinstrumente in Europa oder die Untersuchungen von (Martin et al. 2005), (Schmiedel 2007) sowie (Carbó-Valverde et al. 2009) über die notwendigen regulatorischen Eingriffe bzw. deren Auswirkungen auf die Transformation des europäischen Zahlungsverkehrs sind ein Bestandteil möglicher wissenschaftlicher Marktanalysen im Rahmen von SEPA. Zudem erarbeitet die EZB in Zusammenarbeit mit den Marktteilnehmern Rahmenwerke für den Zahlungsverkehrsmarkt, insbesondere das Kartengeschäft wie das Oversight Framework for card payment schemes – standards.

  • [1] Eine wichtige Rolle der EZB, die historisch gewachsen und traditionell ist, besteht in der Funktion als zentrale Routingschnittstelle im Zahlungsverkehr und als Hüter der Währungsstabilität. In Bezug auf die Unterstützung der Vollendung der Währungsunion ist die EZB infolge ihrer Satzung sowie durch den EG-Vertrag und die in der Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken definierten Aufgaben in die Gestaltung des EuroZahlungsverkehrs eingebunden. Dabei ist die Einführung des Euro aus Sicht der EZB nur ein Schritt zur Integration des europäischen Zahlungsverkehrs in den EU-Binnenmarkt gewesen. Allerdings wird das Ziel der Realisierung einer SEPA erst mit der Schaffung eines gemeinsamen Währungsraums aus Sicht der EZB final umgesetzt. Deshalb bestehen weiterhin die Forderungen seitens der EZB an den Bankensenktor, eine Angleichung des Auslandsan den Inlandszahlungsverkehr herbeizuführen sowie eine Mini-SEPA zu vermeiden. Weiterhin wird die Integration der Euro-Zahlungsverkehrsmärkte zur Stabilisierung der Euro-Währung durch die EZB vorangetrieben. Vgl. Bankenverband (2009, S. 12 f.); EZB.int/EZB/html/index.de.html.
  • [2] Die Aufsichtsfunktion dient zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit des Zahlungsverkehrs und der Überwachung der laufenden Entwicklungen der Bankindustrie.
  • [3] Die Rolle des Katalysators hat das Ziel, einen integrierten Zahlungsverkehrsmarkt zu schaffen.
  • [4] As the operator or provider of a payment service, the central bank could provide and develop payment and credit services by: issuing cash as a direct payment instrument and issuing deposit claims as the settlement asset for interbank payments; operating systemically important settlement networks or participating directly in private sector arrangements that operate clearing and settlement networks, potentially participating in their governance arrangements; operating non-systemically important payment clearing and settlement arrangements (and potentially participating in their governance arrangements), or participating directly in retail payment transaction networks; managing settlement accounts and providing settlement credit for participants in the payment settlement network, both intraday and at the end of the day. As a catalyst, the central bank could contribute to payment system reform or development by: initiating or coordinating work, conducting research or acting as a consultant on the design or operation of payment systems or related policy issues; advising on – or occasionally even drafting – proposed legislation in the area of payment systems. As the oversight authority for the payment system, the central bank could: publish its oversight principles, policies or guidelines; monitor existing or planned systems or assess them against safety or efficiency objectives; act as a consultant, provide advice or, if necessary, promote changes to the payment system's organisation or operations. As a user of payment services in its operational activities, the central bank could: participate in or use systems owned or operated by external parties to make or receive payments on behalf of its own customers (such as the government or government agencies); participate in or use securities settlement or depository systems for its own operations; use correspondent banking services for other central banks or financial institutions. Vgl. Kokkola (2010, S. 157 f.).
  • [5] Dieser Fortschrittsbericht ist unter: EZB.int/paym/pol/sepa/html/index.en. html abrufbar.
  • [6] Vgl. Lammer (2006, S. 144); VÖB (2008, S. 20).
 
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