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SEPA Card Framework

Das SCF, maßgeblich für SEPA seit 1. Januar 2008, beschreibt die vom EPC vorgeschlagenen Grundsätze und Regeln zur Abwicklung von Kartentransaktionen für Banken, Karten-Schemes und Interessenvertreter innerhalb der SEPA. Der Anwendungsbereich bezieht sich dabei auf alle Kartentransaktionstypen (Karten-Barabhebungen am Geldautomaten bzw. Kartenzahlungen am POS), alle Währungen (Euro und alle im Sinne des Art. 9 der EC Regulierung 2560/2001), garantierte Transaktionen (kein ELV) sowie die unterstützende Technologie (z. B. Europay, MasterCard and VISA zuzüglich PIN und Liability Shift). [1] Zudem ist das SCF ein Rahmenwerk, das sich mit einer voranschreitenden Marktentwicklung weiter konkretisiert und trotz seiner Einführung noch nicht final ausformuliert worden ist. [2]

Ergänzend zu den Anwendungsbereichen sind vom EPC einzelne Regelungsinhalte im SCF definiert worden, um die SEPA-Konformität des Kartengeschäfts im Detail zu erläutern. Diese Regelungsinhalte basieren auf den generellen SEPAZielen und spiegeln die klare Zieldefinition des EPC wider, was im Kartengeschäft mit der Marktinitiative SEPA erreicht werden soll. Konkret zählen zu den SEPA-Zielen des Kartengeschäfts:

• die Abschaffung ausschließlich nationaler Zahlungskarten

• die rechtliche Handhabung grenzüberschreitender wie inländischer Kartenzahlungen

• eine einheitliche Preisgestaltung, z. B. MIF, für In- und Auslandstransaktionen

• die Gewährleistung von Preistransparenz ohne Preisbündelung bei Kartenzahlungen

• die Beseitigung von Markteintrittsbarrieren im Kartengeschäft, z. B. durch die Schaffung transparenter Teilnahmekriterien und einheitlicher Lizenzgestaltungen

• Stärkung des Wettbewerbs durch die freie Wahl des Issuers, des Acquirers, des Zertifizierers und des Karten-Schemes

• Beseitigung diskriminierender nationaler Bedingungen für ausländische Issuer, Acquirer und Schemes

• das Vorantreiben der Trennung von Verwaltung, Prozessing[3] und sonstiger Funktionen innerhalb eines Karten-Schemes

• die Kompatibilität/ Interoperabilität der nationalen Scheme-Technik

• das Vorantreiben einer gemeinsamen europaweiten Bekämpfung von Kartenbetrug[4]

Schließlich soll auf Basis der Anwendungsbereiche und Regelungsinhalte des SCF die Förderung der Interoperabilität bei Kartenzahlungen durch die Festlegung gemeinsamer Standards und Normen (z. B. Zulassung des EMV-Chip für mehr Sicherheit), erreicht werden. [5] Dabei soll das Produkt Karte für den Kunden innerhalb der SEPA derart einfach, kostengünstig und sicher sein wie im Heimatland des Kunden. Leitbild ist hier der Grundsatz „Any card at any terminal“[6],[7]

  • [1] Vgl. European Payment Council 18/12/2009.
  • [2] Vgl. VÖB (2008, S. 70).
  • [3] Das Processing steht für die elektronische Manipulierung von Daten. Es umfasst die Konvertierung, Formatierung und Transformation von Daten, um eine Zahlungstransaktion auszuführen. Dies beinhaltet die Übertragung von zahlungsrelevanten Informationen zwischen Händler und Acquirer, die Übertragung von zahlungsrelevanten Informationen zwischen Acquirer und Issuer, den Austausch von Informationen zwischen Issuer und Acquirer zur Durchführung von C&S sowie das Routing von Informationen. Weiterhin ist ein Prozessor ein Dienstleister (Service Provider) oder eine PI, die das Karten- und Händlermanagement, die Front-Office-Identifizierung und -Autorisierung, operative Back-Office-Dienstleistungen für Händler und Karteninhaber, das C&S sowie das Fraud-Management abwickeln. Vgl. Capgemini (2011).
  • [4] Vgl. European Payment Council 18/12/2009; Stockhausen (2008, S. 6 ff.). Kein Bestandteil der SCF sind nichtgarantierte Zahlungen (z. B. ELV), die elektronische Geldbörse, Zahlungskarten für geschlossene Benutzerkreise, Mehrwertprodukte, Gebührenmodelle, Kundenbedingungen, Akzeptanzstellenbedingungen, Interchange Fee, Währung des Kartenkontos sowie die Kreditlinien auf dem Konto.
  • [5] Neben den Anwendungsbereichen und Regelungsinhalten beschreibt das SCF auch die technischen Marktschnittstellen, sogenannte Domains, um eine europaweite Standardisierung der Infrastruktur zu erreichen. Diese Marktschnittstellen sind wie folgt definiert: Karte/ Terminal-Schnittstelle, Terminal/Host-Schnittstelle, Issuer/Acquirer-Schnittstelle sowie ein übergreifendes Zertifizierungsverfahren. Diese Aufteilung der Marktschnittstellen verfolgt den Grundsatz der Trennung zwischen Scheme und Infrastruktur, um den Wettbewerb am Markt zu fördern. Denn durch diesen Grundsatz ist es bspw. Händlern künftig möglich, Acquirer außerhalb nationaler Strukturen als Dienstleister auf einer konkurrenzfähigen Basis zu wählen. Vgl. Zentraler Kreditausschuss/12/04/2006; Pfaffenberger (2008, S. 183 f.).
  • [6] European Central Bank (21/09/2004).
  • [7] Vgl. EPC (2010).
 
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