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1. Einleitung

Die Transformation, die Liberalisierung und die Harmonisierung des europäischen Zahlungsverkehrs bezeichnet aus Sicht der Europäischen Kommission eine wirtschaftspolitische Reaktion auf die Marktunvollkommenheiten in der Euro-Zone. Zu deren Auslösern zählt die Europäische Kommission die Entstehung natürlicher Monopole, z.B. das Vorliegen subadditiver Kostenfunktionen, externer Effekte oder asymmetrischer Informationsverteilungen. Demnach impliziert die Notwendigkeit zur Transformation eines Markts das Vorhandensein eines nicht liberalen bzw. heterogenen Marktzustands, der bspw. durch den Mangel eines funktionsfähigen Wettbewerbs, eines gleichgewichtsbildenden Preisniveaus oder eine fehlende Markttransparenz geprägt ist. Die Existenz eines funktionsfähigen Wettbewerbs ist jedoch das systembegründende Prinzip der Marktwirtschaft, um in einem Markt Lenkungs-, Informations- und Ausgleichsfunktionen sowie die ökonomische Allokation knapper Ressourcen zu übernehmen. Der Tatbestand eines liberalisierten oder harmonisierten Zahlungsverkehrs in der Euro-Zone ist allerdings aus Sicht der Regulatoren innerhalb Europas nicht gegeben.

Die Notwendigkeit einer Harmonisierung des „Non-Cash“ Zahlungsverkehrs, der sehr stark heterogenen Euro-Märkte, wird allerdings bereits seit Einführung des Euros gefordert. Die Ineffizienzen im grenzüberschreitenden „Non-Cash“ Zahlungsverkehr insb. der Produkte: Lastschrift, Überweisung und Kartenzahlungen, widersprechen gleichermaßen dem europäischen Gedanken, wie die des ehemaligen heterogenen „Cash“ Zahlungsverkehrs. Das Ziel der EU ist es die Marktunvollkommenheiten in der Euro-Zone abzubauen, Kosten zu senken und die Effektivität des Euro-Zahlungsverkehrs zu erhöhen. Da diese Ziele aus Sicht der Europäischen Kommission von den Marktteilnehmern seit der „Lissabon Agenda“ allerdings nicht eigenständig erreicht worden sind, trat mit der Frist einer vollständigen Einführung der SEPA zum 01.08.2014 für alle Marktteilnehmer eine Beschleunigung der Umsetzung der Ziele der EU in Kraft. Was nach Ansicht der europäischen Regulatoren erfolgreich im „Cash“ Zahlungsverkehr erfolgt ist, wird nun auch im „Non-Cash“ umgesetzt. Denn die SEPA, unter Berücksichtigung des regulatorischen Rahmenwerkes der PSD, gilt als die Vollendung der europäischen Währungsunion im volkswirtschaftlichen Sinne. Im Ergebnis führt somit SEPA dazu, dass u.a. Bankkunden ihren Zahlungsverkehr grenzüberschreitend genauso effizient und sicher abwickeln können wie nationale Zahlungen. Demnach soll es keine Unterscheidung zwischen Inlands- und Auslandszahlungsverkehr aus Sicht der Instrumente und Preise geben.

Diese Bestrebungen der Europäischen Union zur Harmonisierung des europäischen Zahlungsverkehrs haben jedoch zur Folge, dass sich die Marktstrukturierung im Zahlungsverkehr aktuell im Umbruch befindet. Diese Entwicklung gefährdet wiederum einzelne Marktstellungen, wie die Monopolstellungen der Banken und Kreditinstitute in einzelnen Bereichen des Zahlungsverkehrs, z.B. dem Issuing. Grund dafür ist der erzwungene Wandel durch die Marktregularien der Europäischen Union. Dies wiederum birgt Nachteile, bietet allerdings auch neuen Wirtschaftssubjekten die Möglichkeit, das Geschäftsfeld für sich zu entdecken und mit Hilfe der Standardisierung von Prozessen und vereinfachten gesetzlichen Vorgaben in den Markt für Zahlungsverkehr vorzudringen.

 
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