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4 Evaluation der Trading-Ergebnisse und des Trading-Verhaltens

4.1 Definition der Testmethodik

Dem nun folgenden Kapitel kommt die Aufgabe zu, die aus Gliederungspunkt 2.4. bekannten und dort en Detail dargelegten Markttechnischen Handelssysteme einer empirischen Untersuchung zu unterziehen. Deren Ziel soll sein, mithilfe eines Backtesting-Verfahrens – das heißt durch Simulation aus historischen Daten – Aussagen darüber treffen zu können, welche individuelle Überschussrendite das betreffende Markttechnische Handelssystem unter Berücksichtigung des eingegangenen Risikos erwirtschaftete. Zu diesem Zweck werden für die Evaluation die in Gliederungspunkt 3 aufgeführten Performance-Maße zur Anwendung kommen. Darüber hinaus sollen die so gewonnenen Ergebnisse, aber auch evidente Eigenschaften des Trading-Verhaltens in der Form interpretiert werden, welche Schlussfolgerungen sich für den Einsatz der Handelssysteme in der Trading-Praxis ableiten lassen.

Damit diese empirische Untersuchung den allgemein gültigen Gütekriterien wissenschaftlicher Erhebungen genügt, nämlich der Objektivität, der Validität und auch der Reliabilität, bedarf es der Definition verbindlicher Prämissen, unter welchen die Handelssysteme getestet werden.

4.1.1 Allgemeingültige Testprämissen

1. Die vier betreffenden Markttechnischen Handelssysteme Cowabunga, Daily20 Pips [D20P], Daily Stochastic Oscillator System und Turtle Soup werden nachfolgend in jeder Hinsicht unabhängig voneinander auf ihre Signalgabe getestet. Als Grundlage der Signale dienen die drei Wechselkurse EURO/US-Dollar, Britisches Pfund/US-Dollar [genannt Cable] und US-Dollar/Japanischer Yen als Basiskurse. Der Foreign Exchange Market [FOREX] stellt mit seinem täglich anfallenden Handelsvolumen von geschätzten 4 Billionen US-Dollar [!] ein nahezu ideales Betätigungsfeld dar, weil er auf Grund seiner enormen Liquidität praktisch frei von manipulierenden Einflüssen ist und zudem in vierundzwanzig Stunden an sieben Tagen pro Woche gehandelt werden kann[1]. Auf Grund der Tatsache, dass oben stehende Währungspaare die mit Abstand am häufigsten gehandelten des Devisenmarktes sind, können sie als repräsentativ erachtet werden[2]. Etwaige Korrelationseffekte zwischen den Währungskursen spielen für den Testverlauf im engeren Sinne auf Grund des strikten Trennungsprinzips der Handelssysteme und auch der Testintervalle keine Rolle.

2. Der Test an sich beinhaltet die lückenlose Dokumentation, wann jedes einzelne der vier Systeme ein Entry- und das dazu gehörige Exit-Signal gibt, sowie in welche Richtung gehandelt wird. Die jeweils realisierten Gewinne oder Verluste werden in Pips gewertet. Jedem Entry-Signal hat zwingend ein Exit-Signal zu folgen und umgekehrt, was bedeutet, dass immer nur ein Kontrakt aktuell am Markt agiert, auch wenn während einer offenen Position ein weiteres Entry-Signal in die laufende, beziehungsweise in die Gegenrichtung angezeigt wird. Jeder Kontrakt wird einfach gewichtet, sodass Hebelwirkungen resultierend aus multiplen Engagements ausgeschlossen sind.

3. Jedes Entry-Signal wird von einer Stop-Loss-Marke begleitet, welche sich praxisüblich 30 Pips vom Einstiegspunkt in der entgegengesetzten Richtung befindet. Durch dieses Instrument sollen Verluste begrenzt und die Margin vor weiterer Minimierung geschont werden. Auf die besondere Bedeutung der Stop-LossStrategie als Risikokontrolle im Kontext des Money-Managements wurde bereits im Gliederungspunkt 2.3.2.2. eingegangen. Zusätzlich zur Stop-Loss-Marke wird mit Take-Profit-Marken gearbeitet, welche sich in Abhängigkeit vom jeweiligen Handelssystem in einem Abstand von X Pips in der ausgelösten Handelsrichtung positionieren. Ihre Aufgabe besteht darin, bereits realisierte Buchgewinne zu sichern[3], weil die Wahrscheinlichkeit eines Richtungswechsels im Basiskurs mit jedem weiteren Pip in Trendrichtung zunimmt und damit gleichzeitig die Gefahr besteht, Buchgewinne abzugeben und gegebenenfalls sogar in die Verlustzone zu geraten. Auch auf die Verwendung so genannter „Endloskontrakte“, welche kontinuierlich am Markt agieren und von Entry-Signal zu Entry-Signal die Richtung wechseln und auf einen Zielpunkt in der Zukunft fokussiert sind, wird bewusst verzichtet, weil sie für den Erhalt der Margin ein hohes Risiko darstellen.

4. Die vier Markttechnischen Handelssysteme werden unter Verwendung der drei aufgeführten Wechselkurse auf vier voneinander unabhängigen – willkürlich gewählten – Intervallen getestet, wobei die Perioden/Längen der verwendeten Candlesticks das ausschlaggebende Moment darstellen. Um die Anzahl an zu untersuchenden Candlesticks zwischen den Intervallen ausgewogen zu gestalten, werden folgende Perioden in angegebener temporaler Länge getestet:

Ø Daily-Candlesticks als gängige Größe für langfristiges Engagement, Beginn: 01.01.2009, 00:00 Uhr Ende: 31.12.2010, 00:00 Uhr Dauer:

2 Jahre

Ø 4-Hours-Candlesticks als gängige Größe für mittelfristiges Engagement,

Beginn: 01.08.2010, 23:00 Uhr Ende: 30.11.2010, 20:00 Uhr Dauer:

4 Monate

Ø 1-Hour-Candlesticks als gängige Größe für kurzfristiges Engagement, Beginn: 01.12.2010, 00:00 Uhr Ende: 31.12.2010, 18:00 Uhr Dauer:

1 Monat

Ø 15-Minutes-Candlesticks als gängige Größe des Daytradings,

Beginn: 03.01.2011, 00:00 Uhr Ende: 10.01.2011, 23:45 Uhr

Dauer: 1 Woche.

5. Aus dem Ansinnen heraus, die Simulation unter möglichst realistischen Bedingungen zu vollführen, sind für jeden einzelnen Trade Transaktionskosten in Höhe von 2 Pips zu berücksichtigen. Der definierte Wert geht konform mit den aktuell günstigsten Konditionen, welche FOREX-Broker für die am häufigsten gehandelten Wechselkurse [im Trader-Jargon „Majors] in Form des Spreads als Courtage veranschlagen[4]. Die Verrechnung der Transaktionskosten findet in der Form statt, dass am Ende des Intervalls die realisierte Brutto-Überschussrendite in Pips um jeweils zwei Pips pro eingegangenen Trade verringert wird.

6. Alle vier Handelssysteme starten in jedes Intervall mit einer Margin von 10.000 Geldeinheiten [GE]. Es wird bewusst darauf verzichtet, einen der verwendeten Wechselkurse als „Stammkurs“ zu definieren, um unnötigen Umrechnungen zwischen den Währungspaaren zu begegnen. Auf Grund der Dynamik des Wertes jeder Währung über einen betrachteten Zeitraum hinweg, kämen so nicht nur Wechselkursschwankungen, sondern gegebenenfalls ungewollte 'Cross-RateEffekte' zum Tragen, welche die Untersuchungsergebnisse verfälschten. Der Begriff meint das Phänomen, dass eine Währung gegenüber der anderen aufbeziehungsweise abwertet, ohne dass sich am Wechselkurs beider Währungen etwas ändert[5]. Ein einfaches Beispiel soll darlegen, worum es sich bei diesem Effekt handelt: wertet der EURO gegenüber dem US-Dollar auf, schlägt sich dies im Wechselkurs beider Währungen nieder. Gesetzt den Fall, dass in der Zwischenzeit der Wechselkurs zwischen US-Dollar und Japanischem Yen stagnierte, wertet unweigerlich der EURO gegenüber dem Japanischen Yen auf, obwohl deren nomineller Wechselkurs ebenfalls unverändert bleibt. Davon aber einmal abgesehen, ist das Verfahren zur Feststellung der unterschiedlichen Performance-Maße ausgehend von der Berücksichtigung der Pip-Veränderungen für alle Wechselkurse identisch, sodass eine Verallgemeinerung legitim ist und zu keinen Defiziten in der Erkenntnisgewinnung führt. Ist das Ende des Intervalls erreicht, werden die erwirtschafteten Überrenditen von Pips in Geldeinheiten umgerechnet und dem Anfangssaldo der Margin hinzugerechnet. Berechnungshorizont für alle Intervalle ist ein Jahr.

7. Die Umrechnung von Pips in Geldeinheiten erfolgt über das so genannte Positioning Sizing[6]. Es soll definiert werden, dass im Test jeder Trade maximal 3 % der Margin riskieren darf, was im Vergleich zu praxisüblichen 1 bis 2,5 % einen ambitionierten Wert darstellt[7]. Auf das Ausgangsvolumen der Margin von 10.000 Geldeinheiten bezogen bedeutet dies, dass im Beispiel pro Trade maximal 300 Geldeinheiten verloren werden können [10.000 GE x 3 % = 300 GE], sodass sich bei einer obligatorischen Stop-Loss-Marke von 30 Pips der Wert von 10 Geldeinheiten pro Pip ermittelt. Die jeweiligen Netto-Überschussrenditen der Handelssysteme werden, wie in Punkt 6 dargelegt, am Ende jedes Intervalls in dieser Form umgerechnet und dem Ausgangswert der Margin zugerechnet. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass die Positionsgrößenbestimmung in der Praxis automatisiert nach jedem Trade von Neuem vorgenommen wird, sodass es sich um einen gleitenden Wert handelt, der sämtliche Veränderungen der Margin berücksichtigt. Wüchse die Margin über ein definiertes Testintervall kontinuierlich an, änderte sich folglich im gleichen Maße auch der monetäre Wert eines Pips. Für diese Untersuchung soll allerdings der Einfachheit halber die Modellannahme getroffen werden, dass der originäre Wert von 10 Geldeinheiten pro Pip konstant bleibt.

  • [1] Vgl. Interactive Brokers, URL: timberhill.ch/de/trading/-products.php?ib_ent ity=de, Stand: 10.02.2011.
  • [2] Vgl. Bank for International Settlement: a.a.O., Seite 10.
  • [3] Vgl. FOREX Handbuch Etoro, URL: etoro.de/lessons/takeprofit.aspx, Stand: 11.02.2011
  • [4] Vgl. Konditionen FOREX-Brokerage, URL: trading-online-forex.com/forexbroker.php, Stand: 12.02.2011.
  • [5] Vgl. Erläuterung zum Cross-Rate-Effekt, URL: top-boersenbriefe.de/devisen. html, Stand:12.02.2011.
  • [6] Vgl. eBook „Automatisierter Handel“, Seite 4, URL: best-eas.com. Stand: 10.10.2010
  • [7] Vgl. Ermittlung Positionsgröße, cfx-broker.de/positionsgroesse, Stand: 11.02.2011.
 
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