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3.4 Der Return on Risk Adjusted Capital [RORAC]

Das dritte und gleichzeitig letzte für diese Untersuchung angedachte PerformanceMaß soll als Vertreter der „Praktikerverfahren“ vorgestellt werden, die sich auf Grund ihrer vergleichsweise geringen methodischen Komplexität bei gleichzeitig akzeptablem Aussagegehalt in der Realität großer Beliebtheit erfreuen. Es handelt sich um den so genannten Return on Risk Adjusted Capital, der vornehmlich unter seinem Akronym RORAC bekannt ist und insbesondere für den Bankensektor im Rahmen der Bestimmung von Eigenkapitalanforderungen auf der Basis interner Risikomanagementsysteme unerlässlich ist. Der RORAC ist ein Derivat der vielschichtigen Value-at-Risk [= VaR] Methodologie und fußt originär auf dessen Ansatz, den maximal möglichen Verlust eines Investments innerhalb eines definierten Zeitraums [bei gegebener Wahrscheinlichkeit und bekannter Renditeverteilung] zu bestimmen[1]. Im weiteren Fortgang soll auf das Value-at-Risk Konzept aber nicht näher eingegangen werden. Nachfolgend sei die mathematische Bildungsvorschrift des RORAC angegeben[2].

mit RORACHSt: Return on Risk Adjusted Capital des Handelssystems zum Zeitpunkt t

MarginHSt: Kapitalstock des Handelssystems zum Zeitpunkt t

Formel 11: Return on Risk Adjusted Capital [RORAC]

Der RORAC berechnet sich als Quotient aus dem Nettoergebnis und dem dafür eingesetzten Risikokapital, in Abwandlung des Grundkonzepts des Value at Risks. Da diese Größe stark vereinfacht den Betrag des Totalverlusts eines Portefeuilles wiedergibt, ist es vertretbar sie mit der eingesetzten Margin gleichzusetzen, deren explizite Aufgabe es ist, als Hinterlegungssumme beziehungsweise Sicherheitsleistung des Anlegers zu fungieren, auf deren Höhe sich gegebenenfalls ein Totalverlust beschränkt[3]. Das Nettoergebnis im Zähler beschreibt das monetäre TradingErgebnis des jeweiligen Handelssystems, verringert um die kumulierten Transaktionskosten des untersuchten Testintervalls. Auf Grund ihrer Konstruktion lässt sich die Kennzahl wie eine Rentabilität interpretieren, weil auch sie ein Verhältnis einer Erfolgsgröße zu eingesetztem Kapital darstellt168. Je höher der errechnete Quotient [= Rendite] ausfällt, umso besser schneidet das untersuchte Handelssystem ab. Insofern zeigt der RORAC das prozentuale Wachstum/das prozentuale Schmelzen des eingesetzten Kapitals über das Untersuchungsintervall an, wobei ein RORAC = 0 einer nominellen Kapitalerhaltung entspräche. Dass der RORAC trotz seiner simplen Konstruktion zu den Performance-Maßen zählt, ist damit zu rechtfertigen, dass gemäß der oben stehenden Präambel jedes in dieser Untersuchung verwendete Performance-Maß das individuelle Trading-Ergebnis eines Handelssystems mit dem eingegangenen Risiko in eine Beziehung zu setzen hat. Eine über dieses Maß hinaus gehende Erkenntnis bietet der RORAC allerdings nicht. Er offeriert weder Informationen über die Schwankung des Portfoliokapitals, welche während des Trading-Prozesses zu verzeichnen gewesen ist, noch lässt er Aussagen über die Verteilung von systematischem und unsystematischem Risiko eines Portefeuilles zu. Dafür weist er den Handelssystemen exakte Rangordnungen im Falle negativer Nettoergebnisse zu.

  • [1] In Anlehnung an Albrecht, Peter / Maurer, Raimond: a.a.O., Seite 789.
  • [2] Vgl. Börsenlexikon online, URL: ad-hoc-news.de/margin-/de/Boersenlexikon/ 9868313, Stand: 07.12.2010.
  • [3] Vgl. Gabler: Wirtschaftslexikon, Band 6, 16. Auflage, Wiesbaden, 2005, Seite 2.535.
 
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