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2.4.4 Das Turtle Soup Handelssystem

Als Vertreter der letzten zu präsentierenden Kategorie Markttechnischer Handelssysteme soll ein System vorgestellt werden, welches bereits im Unterpunkt 2.3.3.1.2. begrifflich erwähnt wurde. Es handelt sich um das so genannte Turtle Soup System, welches mit „Schildkrötensuppen-System“ übersetzt werden kann und zu den bekanntesten Pattern-Systemen gehört.

1. Allgemeines: Der komisch anmutende und bewusst despektierlich gemeinte Name geht zurück auf das bekannte Kursausbruchssystem Turtle [= Schildkröte], welches einer Legende nach im Jahr 1984 aus einer Wette zwischen den Future Spekulanten Richard Dennis und Bill Eckhardt hervorging, ob man vollkommen unerfahrenen Personen erfolgreiches Trading lehren könne [1]. Auf der Grundlage eines sehr einfach konstruierten Systems unter Verwendung einer Donchian Channel Breakout-Strategie [2], welche optisch entfernt an eine Schildkröte erinnert, wurde durch Richard Dennis der Beweis erbracht, dass dieses Ansinnen funktioniert. Als dieses Beispiel Schule machte und das Handelssystem einem breiten Publikum bekannt wurde, mehrten sich allerdings die Fehlsignale, weil zu viele Trader auf Grund mangelnder Disziplin das prozyklische System nicht konsistent handelten und weit vor dem eigentlichen Einstiegssignal eine Position öffneten. Als Konsequenz wurde von einem Teil enttäuschter Trader ein antizyklisches Pullback System entwickelt, welches sich speziell die false breakouts des Turtle Ansatzes zu Nutze machte, wodurch im übertragenen Sinne die Schildkröte „geschlachtet“ und aus ihr „Turtle Soup“ wurde.

2. Bestandteile: Turtle Soup in seiner originären Form funktioniert gänzlich ohne den Einsatz Technischer Indikatoren. Selbstverständlich gibt es in der Zwischenzeit Abwandlungen, die auf deren Signale unterstützend zurückgreifen, auf welche aber in dieser Untersuchung nicht eingegangen werden soll. Das System reagiert unter der notwendigen Bedingung, dass ein Basiskurs zum Zeitpunkt t im Intervall n = 20 Perioden einen Extrempunkt ausbildet. Ferner muss die hinreichende Bedingung erfüllt sein, dass das vorhergehende 20-Perioden-Extremum mindestens vier Perioden zurückliegt.

3. Signalgabe: Unter der Voraussetzung, dass sowohl die notwendige als auch die hinreichende Bedingung erfüllt ist, gestaltet sich die Signalgabe in der Form, dass in die entsprechende Gegenrichtung des Extremums eine Position geöffnet wird. Demzufolge wird eine Long-Position eingegangen, wenn der Kurs das Niveau vom vorangegangenen 20-Perioden Tief überschritten hat. Im Umkehrschluss wird eine Sell-Order eröffnet, sobald der Kurs das Niveau vom vorangegangenen 20-TageHoch unterschreitet142. Auf eine Visualisierung der genannten Sachverhalte an dieser Stelle soll bewusst verzichtet werden, weil bereits im Unterpunkt 2.3.3.2.2. eine Abbildung mit der entsprechenden Signalgabe nach dem Turtle Soup System eingefügt wurde. Insofern sei auf diese verwiesen.

4. Stop-Loss-Strategie: Für die Urform des Turtle Soup Systems existiert keine Empfehlung, in welchem Kanal eine Stop Loss Order zu platzieren ist oder eine sonst geartete Marke den laufenden Trade glattstellt. Es gilt somit die subjektive Präferenz des Traders.

  • [1] Vgl. Turtle Trading System, URL: aktienboard.com/wiki/-Turtle_Trading_Sys tem, Stand: 07.11.2010.
  • [2] Vgl. Paesler, Oliver: a.a.O., Seite 136 f.
 
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